Die Gegensprüche 23 W und 48 w

23 W

Es dämpfet herb­stlich sich

Der Sinne Reizesstreben;

In Licht­e­sof­fen­barung mischen

Der Nebel dumpfer Schleier sich.

Ich sel­ber schau in Raumesweiten

Des Herb­stes Wel­tenschlaf. (Win­ter­schlaf)

Der Som­mer hat an mich

Sich sel­ber hingegeben.

48 w

Im Lichte, das aus Weltenhöhen

Der Seele machtvoll fließen will,

Erscheine lösend Seelenrätsel,

Des Wel­tendenkens Sicherheit,

Ver­sam­mel­nd sein­er Strahlen Macht,

Im Men­schen­herzen Liebe weckend.

Die Eurythmieformen zu den Mantren 23 W und 48 w

 

Über den Buchstaben “W”

Das W gehört zu den Laut­en F, V, W, U, die fluk­tu­ierend ineinan­der überge­hen. Im Lateinis­chen wur­den die Laute U und W noch durch das­selbe Zeichen, und zwar durch V, geschrieben. Im Althochdeutschen wurde der W‑Laut als kon­so­nan­tis­ches U erlebt und aus­ge­sprochen, wie es heute noch in der süd­deutschen Mundart geschieht. Rudolf Stein­er sagt, dass die klare Aussprache des W etwas ist, “was die Süd­deutschen fast gar nicht kön­nen: die sprechen das W immer aus wie einen Zusam­men­fluss von U und E, vokalisch. Aber es wird das Doppel‑W, W richtig gesprochen aus der Vere­ini­gung von Unter­lippe und ober­er Zah­n­rei­he, wobei in Betra­cht kommt, … dass sich die Unter­lippe bei dem W wellt.” (GA 282 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 418f)

Um den im Althochdeutschen zunehmend erlebten Unter­schied von vokalis­chem U und kon­so­nan­tis­chem W in der Schrift zu verdeut­lichen, wurde das U ver­dop­pelt und man schrieb es als UU, VU oder UV. Von hier kommt sein englis­ch­er Name ‘douple‑u’, also, Doppel‑U. So ist das W ein Buch­stabe, der erst spät dem lateinis­chen Alpha­bet hinzuge­fügt wurde. Es ist sozusagen ein “junger” und “west­lich­er” Laut und Rudolf Stein­er sagt über das W: “Der W‑Laut ist ja der­jenige Laut, den wir wiederum in älteren Sprachen, namentlich in den Sprachen des Ori­ents, weniger find­en.” (GA 279 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 418)

Der Name der W‑Rune lautet bei den Angel­sach­sen ‘Wenne’ und bedeutet ‘Wonne’. Der Runen­spruch lautet:

Wonne genießt — wer wenig ken­nt Leid

Not und Sorge, — und selb­st hat

Glück und Freude — und auch Bur­gen genug.

(Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 418)

Der gotis­che W‑Laut ist näher beim U und lautet ‘Uuinne’ mit der sel­ben Bedeu­tung, also ‘Wonne’. Er wurde als weich­er Spi­rans gesprochen und drück­te zugle­ich den griechis­chen Vokal Y und den gotis­chen Kon­so­nan­ten V aus. Das Wellen­hafte, Bewegte, ‘Him­mel-hoch­jauchzend-Zu-Tode-betrübt’, das ‘Wohl und Wehe’, die ‘Wonne und das Weinen’, das Auf- und Ab des Lebens, bildlich die Welle, das ist das W. Rudolf Stein­er charak­ter­isiert das W: “Das hin­flu­tende Wogen ist ja eigentlich das­jenige, was das starke W darstellt.” (GA 279 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 418)

Neben der Wonne, ist auch die Niedergeschla­gen­heit, die Depres­sion Aus­druck des W. Rudolf Stein­er emp­fiehlt das W zu üben, um diese Stim­mung auszu­drück­en: “Nehmen wir an, jemand will Niedergeschla­gen­heit aus­drück­en. … Man lässt sich eine Stelle vor­lesen, die Niedergeschla­gen­heit aus­drückt und intoniert, höch­stens nur mit Ausklin­gen­lassen des E diesen Kon­so­nan­ten: WWWWW; ver­s­tum­men Sie, aber bleiben Sie in der Gebärde: Sie haben die Niedergeschla­gen­heit in der Gebärde. (GA 282, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 419) Exem­plar­isch drückt sich diese Stim­mung im Wort ‘weinen’ aus. Rudolf Stein­er sagt: “So ist z.B. eine ganz bes­timmte Stim­mung da, wenn man ‘weinen’ spricht. Etwas von Betrübt­sein, von Sich-Wehren, von inner­lich­er Abwehr ist immer im Trau­rig­sein…” (GA 280 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 419) Das Wort ‘weinen’ wird von gotisch ‘wai’, ‘wehe’ abgeleit­et. Es bedeutet also ursprünglich ‘wehe rufen’ und ‘wainahs’ ist das ‘Elend’. Zum Wonne-Aspekt des W gehören ‘Wun­der’, ‘würdig’, ‘weise’ und ‘Wohlge­fühl’. Im alten Kult­getränk des ‘Weins’ liegen ‘Wohl und Wehe’, rauschhaftes Hochge­fühl und verkaterte Kon­se­quenz nahe beieinander.

Das W ist ein Lip­pen­laut und deshalb dem P ver­wandt. Wie das P durch Zusam­men­drück­en der Lip­pen gebildet wird, so drückt das P auch den Druck aus, sowohl seel­isch (‘Plage’, ‘Pein’) wie physisch (‘Prel­lung’ ‘Pres­sur’). Das P ist der Laut der star­ren, einen­gen­den Hülle, der engen ‘Pelle’, des ‘Palastes’ und der ‘Periph­erie’. Das W ist der Laut der beweglichen, Leben bergen­den Hülle, der ‘Wolle’, der ‘Wand’ und des ‘Wohnens’. Rudolf Stein­er sagt: “Wo unser Ich engagiert ist, wo wir am meis­ten an die Ober­fläche unseres Organ­is­mus gehen, [da haben wir es] mit dem lyrischen Stil zu tun. Da muss man Lip­pen­laut einüben; da vib­ri­ert unser Ich, unser an die Außen­welt sich hingeben­des Ich. Ver­suchen wir zu spüren an P B W, wie das ganze men­schliche Wesen an die Ober­fläche dringt. Wenn Sie ger­ade W aussprechen, jenes W, bei dem der Men­sch so stark an die Ober­fläche geht, dass er nicht wie son­st ein Ver­schließen in die Lip­pen bringt, son­dern einen Spalt an den Lip­pen lässt, wer­den Sie fühlen ein Vib­ri­eren und wer­den das W empfind­en an der ganzen Ober­fläche. Will jemand an ein­er Stelle sein­er Dich­tung etwas brin­gen, was wie Gänse-Haut über den Rück­en der Zuhör­er läuft, tut er gut W zu häufen. Sie haben ein Berühren der Lip­pen bei P B M, bei W aber einen Spalt.” (GA , in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 421f) Außer­dem, sagt Rudolf Stein­er, tritt das W auf, “wenn die men­schliche Seele nicht gewöh­nt ist, feste Umhül­lun­gen zu haben, son­dern das Bedürf­nis hat, zu wan­deln, und statt des fes­ten Haus­es … das Zelt , … den schützen­den Wald oder irgend eine son­stige schützende äußere Hülle hat; der Laut, der gewis­ser­maßen die bewegliche Hülle andeutet, der liegt in dem W.” (GA 279 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 420)

Das B ist der ‘Bau’, das W dage­gen das Zelt, der ‘Wig­wam’ (über­nommene Beze­ich­nung aus der Abena­ki Sprache, Indi­an­er aus Nor­dameri­ka, für eine teil­mo­bile kup­pelför­mige Behausung), der ‘Wohn-Wagen’. Auch das Ge-‘wand’, das ‘Wams’, die ‘Wabe’, die ‘Windel’ und der ‘Wick­el’ umhüllen. Der ‘Wanst’ ist der ‘Bauch’, der wie eine ‘Wanne’ Gefäß ist. Die Ver­wandtschaft von B und W zeigt sich auch darin, dass die Slaven ihren W‑Laut mit dem Zeichen unseres B‑Lautes wiedergeben. Rudolf Stein­er beze­ich­net das W als den eigentlichen Bewe­gungslaut: “Und alles das­jenige, dessen Wesen in der Bewe­gung liegt, das wird emp­fun­den in dem Laut W.” Und das W “ist das­jenige, was das Wesen in Bewe­gung bringt.” (GA 279 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 420) Das W im Wort ‘Waage’ ist die pen­del­nde Bewe­gung, die den Aus­gle­ich sucht, im ‘weben’ ist es das Auf-und-Ab des Fadens.

Ein weit­er­er wichtiger Aspekt des W ist seine Ver­bun­den­heit mit der Luft­be­we­gung, dem ‘Wind’. Im Wind verehrten die Ger­ma­nen den Gott ‘Wotan’ (Odhin). Rudolf Stein­er sagt: Sie verehrten Wotan “als im Winde hin­we­hend. Spüren Sie, wenn ich sage: ‘Wotan weht im Winde’ … die drei W! Es war diesen Leuten etwas Schauer­lich­es, wenn der Sturm kam und sie dann dieses Stür­mis­che nachahmten, indem sie sagten: ‘Wotan weht im Winde!’ — so wür­den wir es heute sagen: aber es war ganz ähn­lich in der alten Sprache noch.” (GA 353 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 420) Und, so Rudolf Stein­er, Wotan mit dem ‘wehen­den’ Man­tel zu begeg­nen bedeutete für die Ger­ma­nen nicht, dass “ein gewöhn­lich­er Men­sch einem begeg­ne als Wotan, son­dern wenn sie von der Begeg­nung mit dem Wotan gere­det haben, dann war es der wehende Wind im Walde. Der­jenige, der noch einen Sinn hat für das Wort ‘Wotan’, der fühlt das noch heute aus dem Worte her­aus.” (GA 354 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 422) Diesem Gott schrieb der Ger­mane das Geschenk der Sprache zu. Rudolf Stein­er sagt: “Den her­vor­ra­gend­sten Erzen­gel Wotan oder Odin erlebte der ger­man­is­che-nordis­che Men­sch noch, als Odin … den See­len die Sprache ein­impfte. Durch die Ein­wei­hung, durch den Göt­ter­trank erringt sich Odin die Macht über die im Laut sich auslebende Weisheit. … So wird Odin der Herr der Sprachge­walt. Daher führt die spätere Sage die Sprache der Skalden auf Odin zurück, und eben­falls die Runenkunde.… Odins Arbeit, der auf weit­em Umweg durch das Atmen wirk­te, entspricht der Wind­be­we­gung draußen. Der alt­ger­man­isch-nordis­che Men­sch, der noch bis zu einem gewis­sen Grade die Gabe des Hellse­hens besaß, sah Odin im Wel­tenwinde wal­ten und durch seinen Atem die Sprache for­men.” (GA121 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 425)

Viele Worte zeigen diese Verbindung des W‑Lautes mit der Luft, wie ‘Wet­ter’, Ge-‘witter’, ‘Wolke’, die hohen ‘Wipfel’ der Bäume, das ‘Wit­tern’ der Tiere, die ‘Wei­hen’ (Greifvögel). Der bis zum 18. Jahrhun­dert beste­hende Name des Turm­falken ist ‘Wan­newe­her’ und meinte wohl den Rüt­telflug, das ‘wehen mit den Flügeln’, denn in der Fach­sprache der Falkn­er sind ‘Wan­nen’ bes­timmte Flügelfed­ern. In alt­deutschen Hand­schriften erscheint der Turm­falke als ‘wanoweh’ oder ‘wanewe­he’. Das Grund­wort ist ‘weho’. (Nabu.de) Ganz ähn­lich wurde im Althochdeutschen der ‘Heilige Geist’, ‘wiho atum’ genan­nt. Das Wort ‘Wei­he’ für ver­schiedene Greifvögel beze­ich­net also das in der irdis­chen Luftschicht behei­matete Wesen, die rit­uelle ‘Wei­he’ erhebt den Men­schen in die geistige Luftschicht. Dafür muss der Men­sch in Be-‘wegung’ kom­men, sich ‘wan­deln’, auf den ‘Weg’ machen und ‘wan­dern’. Vom althochdeutschen ‘wegan’ stammt auch der ‘Wagen’. Die indoger­man­is­che Wurzel ist ‘wegh’ mit der Bedeu­tung ‘fort­be­we­gen, ziehen, fahren’. Die ‘Ware’, mit der Han­del getrieben wird, ist zugle­ich das ‘Bewahrte’.

Das W weckt im Men­schen das Bedürf­nis nach Allit­er­a­tion, nach Wieder­hol­ung. Schon sein englis­ch­er Name, “douple‑u” zeigt diese im Bild der Wellen ver­an­schaulichte Eigen­schaft der Wieder­hol­ung. So find­et man: ‘Wirrwar’, ‘Wehweh’, ‘Wauwau’, ‘windel­we­ich’, ‘wild­west’, ‘wullewulle’, ‘wis­chi­waschi’, ‘wider­wär­tig’, ‘wider­willig’, ‘wech­sel­weise’, ‘wet­ter­wendisch’. Allit­er­a­tio­nen ander­er Laute prä­gen dem Sprach­strom W‑Charakter ein. Rudolf Stein­er sagt: “Nun ist es ja eine Merk­würdigkeit, dass, wenn man irgend­wie genötigt ist, … das W zu gebrauchen, man immer auf eine ganz natür­liche Weise in die wieder­holte Anwen­dung des W ver­fällt. … Es stört einen, wenn man bloß sagt: es wal­let; man will sagen: es wal­let und woget, es weht und windet, es wirkt und webt usf., kurz, man ver­fällt bei nichts in so natür­lich­er Art in die Allit­er­a­tion, als wenn man das W fühlt. Die Allit­er­a­tion kann nachge­bildet wer­den mit anderen Laut­en, aber so selb­stver­ständlich wird man die Allit­er­a­tion bei anderen Laut­en nicht empfind­en, wie ger­ade bei dem W.” (GA 279 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 423)

Eine beson­dere bewegliche Hülle ist das ‘Wort’ selb­st, das wellenar­tig in der Sprache dahin­fließt. So wun­dert es nicht, dass das alte Inder­tum eine Sprache mit rhyth­mis­chen Wieder­hol­un­gen war. Da der Men­sch damals noch lock­er­er ver­bun­den war mit seinem physis­chen Leib und sich mehr im Äther­leib, im Leben­skräfteleib erlebte, kon­nte durch diese rhyth­misierte Sprache auf den Äther­leib heilend eingewirkt wer­den. Nach Rudolf Stein­er hat­te der Urinder “noch eine große Macht über die Vorgänge des physis­chen Leibes; der Äther­lieb, weil er noch nicht so fest mit dem physis­chen Leib ver­bun­den war, beherrschte diesen mehr, als es heute der Fall ist. Das gesproch­ene Wort … wirk­te noch viel stärk­er auf die Vorgänge des Leibes; daher kon­nte der Inder auf die Gesun­dung des Leibes wirken, wenn er das vom richti­gen Wil­len­sim­puls durch­strömte Wort auf die Seele des anderen wirken ließ.” (GA 114 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 423) Ein solch­es ord­nen­des, heilen­des Wort war Aus­druck von ‘Weisheit’.

Nicht nur das ‘wäss­rige’, anschmiegsame Mit­ge­hen liegt im W, auch der ‘Wider­stand’ gehört zu sein­er Charak­ter­is­tik. Mit dem ‘Willen’ durch die ‘Wand’ zu wollen, ‘Wider­worte’ zu geben, sich zu ‘wehren’ und zu ‘weigern’ oder ‘wütend’ zu wer­den. Zum W gehört auch, das Neue, Andere zu brin­gen, als das, was schon da ist. Althochdeutsch heißt ‘wider’ im Sinne von ‘Gegen’ ‘widar’. Laut­gle­ich wird der Gott Widar genan­nt. Er ist der Sohn Odhins und der zweit­stärk­ste der Asen nach Thor. Er ist es, der den Fen­ris­wolf besiegt und die Göt­ter­däm­merungszeit damit been­det. Danach begin­nt das gold­ene Zeital­ter. Rudolf Stein­er sagt, dass der Fen­ris­wolf die Ursprache darstellt (GA 101, S. 69ff). Das Urwort wird im Indis­chen ‘Wha’ oder Vâc genan­nt und begin­nt dadurch eben­so mit dem Laut W wie der Fenris-‘Wolf’, Bild der Ursprache. Widar ist der schweigende Ase, der sozusagen im Wider­stand ist zum Alten und erst spricht, wenn die neue Zeit ange­brochen ist, wenn er die neue Sprache und Hell­sichtigkeit brin­gen kann.

Der Name Widar hängt mit Wid­der zusam­men. Das Sternze­ichen des Wid­ders ist das erste im astrol­o­gis­chen Jahr, es eröffnet den Jahreskreis und begin­nt nach der Früh­lings-Tag-und-Nacht­gle­iche. Es ist der Kör­per­re­gion des Kopfes zuge­ord­net und wird charak­ter­isiert als durch­set­zungsstark und selb­st­be­wusst. Rudolf Stein­er ord­net dem Wid­der den Laut W zu. Im Althochdeutschen hieß der Wid­der eben­so ‘widar’, was von griechisch ‘vétos’, das ‘Jahr’ abstammt; der ‘Jährling’ heißt ‘vétalon’. Auf latein heißt das Jahr ‘vetus’ und das Jungti­er, das Ein­jährige ‘vit­u­lus’. Rudolf Stein­er stellt eine Verbindung her zwis­chen dem ger­man­is­chen Gott Widar und dem Wiederk­om­menden, dem Chris­tus, der das Lamm Gottes, also der ein­jährige Wid­der ist. “Erst Widar, der sich schweigend ver­hal­ten hat während der ganzen Zeit, der wird den Fen­ris­wolf über­winden. … Wer Widar in sein­er Bedeu­tung erken­nt und ihn in sein­er Seele fühlt, der wird find­en, dass im 20. Jahrhun­dert den Men­schen wieder die Fähigkeit gegeben wer­den kann, den Chris­tus zu schauen.” (GA 121 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 428) Der See­lenkalen­der ist ein sprechen­des Jahr, das mit der Oster­woche begin­nt. Er kann als Offen­barung des Widar ver­standen wer­den und so zum Schauen des Chris­tus im Ätherischen führen.

Über die Gegensprüche 23 W und 48 w

Das Mantra 23 W schildert eine erstaunlich ein­same, düstere Atmo­sphäre, das Mantra 48 w ist der vierte Licht­spruch im See­lenkalen­der-Jahr (5 E, 22 V, 31 e), das mit der Oster­woche begin­nt. Damit sind die Mantren 23 W und 48 w so “unhar­monisch”, wie es schon bei den Krisen- und Licht­sprüchen auffiel (20 T ist Krisen­spruch, 45 t nicht); (21 U ist Zwis­chen­spruch, 46 u Krisen­spruch); (22 V ist Licht­spruch, 47 v Zwis­chen­spruch). Sie alle wirken, als ob ein unsicht­bares Wesen hier Schritte set­zte. Auch im Gehen wer­den die Füße abwech­sel­nd belastet und in die Leichte, ins Licht gehoben.

Diese Dis­so­nanz der durch den gle­ichen Buch­staben definierten Gegen­sprüche zu den math­e­ma­tisch im Kreis gegenüber­liegen­den Mantren begann im Win­ter-Hal­b­jahr mit dem Wei­h­nachts-Mantra 38 m, das an 12. Stelle im Viertel­jahr ste­ht, sein Gegen­spruch 13 M jedoch an 13. Stelle. Ursache für diese Ver­schiebung ist das Mantra 12 !, da es keinen Buch­staben und dadurch keinen Gegen­spruch hat. Dieser fehlt also im Win­ter-Hal­b­jahr. Aus­geglichen wird die Unregelmäßigkeit erst durch das Mantra 51 !, das eben­falls keinen Buch­staben hat, sodass dann die Mantren der Kar­woche und der Michaeli-Woche wieder an 13. Stelle im Viertel­jahr ste­hen und auch Gegen­sprüche sind. So sind im Som­mer-Hal­b­jahr die Mantren 13 M bis 25 Y und im Win­ter-Hal­b­jahr die Mantren 38 m bis 50 y solche “schre­i­t­en­den” Mantren, deren Gegen­sprüche durch den gle­ichen Buch­staben, nicht aber durch die gle­iche Posi­tion bes­timmt wird.

Das Mantra 23 W ste­ht also an 10. Stelle, das Mantra 48 w jedoch an 9. Stelle im Viertel­jahr. Doch über diese Ver­schiebung hin­aus fällt ihre Gegen­sät­zlichkeit auf. Das Mantra 23 W hat eine fast erschreck­end dun­kle Atmo­sphäre, das Mantra 48 w ist ein Licht­spruch. Dieses so auf­fal­l­end kon­träre Mantren­paar betra­chte ich als die “Augen” der Yang- und Yin-Fis­chchen. Im hellen Som­mer-Hal­b­jahr bildet das Mantra 23 W das dun­kle “Auge” und damit in diesem Hellen den “Samen” des dun­klen Win­ter-Hal­b­jahres. Für den Licht­spruch 48 w ist es umgekehrt. Im dun­klen Win­ter-Hal­b­jahr bildet das Mantra 48 w das helle “Auge” und damit in diesem Dunkel den “Samen” des hellen Sommer-Halbjahres.

Die “Fis­chchen” des Yang- und Yin-Zeichens als Hal­b­jahre mit den gegen­sät­zlichen “Augen”, den Mantren 23 W und 48 w

Die Mantren 23 W und 48 w zeigen in ihrer Gegen­sät­zlichkeit, sozusagen als Wellen­berg und Wellen­tal, die Charak­ter­is­tik des W‑Lautes, das ‘Wohl und Wehe’ des ewigen Wan­dels. Weil das Mantra 23 W in der gram­ma­tisch ersten Per­son geschrieben ist, muss sein Aus­sage als diejenige eines bewussten Ich-Sprech­ers ver­standen wer­den. Dage­gen ist das Mantra 48 w, wie alle Licht­sprüche, in der beschreiben­den, drit­ten Posi­tion ver­fasst. Diese Aus­sage beschreibt das Unbe­wusste, zu dem das wache Tages­be­wusst­sein eines Ich-Sprech­ers keinen Zugang hat.

Im Mantra 23 W ste­ht der Ich-Sprech­er und schaut in Raumesweit­en. Er erlebt, wie sich das Reizesstreben der Sinne dämpft. Zum Som­mer-Hal­b­jahr gehört die Wahrnehmung, das Streben der Sinne nach Reizen. Doch das Som­mer-Hal­b­jahr neigt sich merk­lich dem Ende zu. Die Sinne ermü­den schon. Eine herb­stliche Stim­mung macht sich bre­it. In die Offen­barung des Licht­es mis­chen sich dumpfe Nebelschleier. Lateinisch ‘velum’ ist der wehende Schleier, der ver­birgt und ger­ade durch seine Exis­tenz das Ver­bor­gene offen­bart. Wird vielle­icht die Lichtof­fen­barung erst durch die Beimis­chung der dumpfen Nebelschleier für die irdis­che Ver­standeswahrnehmung fass­bar? Das Win­ter­hal­b­jahr, das für das Denken ste­ht, bere­it­et sich hier vor. Das Denken braucht die fass­baren Struk­turen, die jedoch schon eine Ein­schränkung und deshalb eine Ver­dunkelung sind.

Hier ste­ht der Ich-Sprech­er und blickt in die Weite des Raumes und schaut des Herb­stes Wel­tenschlaf bzw. Win­ter­schlaf. (Es gibt zwei Vari­anten von Rudolf Stein­er. Mehr zu Wel­ten- und Win­ter­schlaf siehe Blog 23 W) Es schläft ein Auss­chnitt des Jahreskreis­es — der Herb­st — also eine Zeitqual­ität. Heißt das, das die Zeit still­ste­ht? Dann kön­nte das heißen, das der Ich-Sprech­er im Jet­zt ist, denn Gegen­wär­tigkeit ver­mit­telt den Ein­druck von still­ste­hen­der Zeit.

Im Herb­st zieht sich die Natur zurück. Doch die Erde schläft im Herb­st nicht ein, sie erwacht, sagt Rudolf Stein­er. Was meint also des Herb­stes Wel­ten- oder Win­ter­schlaf? Die Zeit des Herb­stes, die Michaelizeit, ist die Zeit des wach­sten Denkens. Schläft also die Welt ein, schläft das ein, was wahrgenom­men, was aufgenom­men wurde. So entste­ht das Bild in mir vom wachen men­schlichen Geist, der denk­end, erschaf­fend über dem Chaos der Sin­nes­reize, des Wahrgenomme­nen brütet.

Das Mantra 23 W sagt weit­er, dass der Som­mer sich dem Ich-Sprech­er sel­ber, also aus Frei­heit, hingegeben hat. Der Som­mer, das Licht, die Wahrnehmung, die ganze große Außen­welt, das Größere, der Makrokos­mos hat sich dem Ich-Sprech­er, dem Mikrokos­mos hingegeben. Und der Fortschritt der Welt hängt nun vom Men­schen, vom Ich-Sprech­er ab.

Das Mantra 48 w schildert die ent­ge­genge­set­zte Sit­u­a­tion. Hier gibt es keinen Ich-Sprech­er, kein men­schlich wach­es, der Welt gegenüber­ste­hen­des Bewusst­sein. Der sein­er selb­st bewusste Men­sch schläft offen­sichtlich. Er schläft, wie im Mantra 23 W der Herb­st, die Natur. Und doch geht es natür­lich um den Men­schen. Das Licht aus Wel­tenhöhen will fließen und offen­bart sich dadurch als dem Wass­er ver­wandt, als naturhaft. Das Licht ist das Tätige und sozusagen Wache in diesem Mantra. Es will für die Seele fließen und am Ende ver­sam­melt es die Macht sein­er Strahlen im Men­schen­herzen, um die Liebe zu weck­en. Das Licht aus Wel­tenhöhen ist das Licht aus höheren Wel­ten, zu dem der Men­sch Zugang hat, wenn er geistig ange­bun­den ist, wenn er mit seinem höheren Wesen ver­bun­den ist. Oder auch, wenn er gle­ich einem Falken, einem “Wan­newe­her” sich in die Höhe schwin­gen und w‑haft im Rüt­telflug dort ver­weilen kann. Das Licht des höheren Wesens will in den Men­schen ein­fließen. Und in diesem Licht erscheint die Sicher­heit des Wel­tendenkens, denn das höhere Wesen des Men­schen ist ver­bun­den mit dem Ganzen, mit der Weisheit der Welt. So lösen sich die See­len­rät­sel. Natür­lich löst sich alles Ver­knotete, Rät­selvolle, Undurch­schaute, wenn im höheren Licht das Wel­tendenken erscheint, der größere Zusam­men­hang sicht­bar wird.

Die Mantren 23 W und 48 w bilden zusam­men ein Kreuz. Der Ich-Sprech­er vom Mantra 23 W schaut in Raumesweit­en. Ihn umgibt ein weit­er Hor­i­zont. Das ist entwed­er hoch oben auf einem Berg der Fall oder in ein­er weit­en Ebene. Die Aufmerk­samkeit geht in die Weite und damit ver­bre­it­et sie sich in der Hor­i­zon­tal­en. Das Licht im Mantra 48 w kommt aus Wel­tenhöhen und fließt. Es fließt im inneren Bild wie das Wass­er von oben nach unten. Eine senkrechte Bewe­gung find­et statt. Und anders als Licht nor­maler­weise, das ausstrahlt, sam­melt das Licht die Macht sein­er Strahlen, es konzen­tri­ert sie im Men­schen­herzen, in dem Ort also, von dem aus das indi­vidu­elle Bewusst­sein ausstrahlt, das Bewusst­sein eines Ich-Sprech­ers, welch­es wiederum das Mantra 23 W beispiel­haft schildert.

Bei­de Mantren markieren das Ende eines Licht-Weges. Im Mantra 23 W ist es das Ende des Som­mers, des großen äußeren Licht­es, das sich dem Ich-Sprech­er sel­ber hingegeben, sich ihm geopfert hat. Im Mantra 48 w ist es das Licht, dessen Weg durch alle Licht­sprüche ver­fol­gt wer­den kann, das im Men­schen­herzen nun an sein Ziel kommt (siehe 22 V — 47 v).

Der Weg des Licht­es in den Lichtsprüchen

Aus der Per­spek­tive des Mantras 48 w betra­chtet ging das Licht auf ein­er Spur, die an einen Blitz erin­nert, von Licht­spruch zu Licht­spruch, vom Mantra 22 V bis hier zum Mantra 48 w. Und zwar: 22 V — aus Wel­tenweit­en stam­mend wurde das Licht See­len­licht und leuchtete in die Geis­testiefen. 31 e — das Licht kam aus Geis­testiefen, strahlte son­nen­haft nach außen und wurde Lebenswil­len­skraft. 5 E — das Licht aus Geis­testiefen offen­barte das Schaf­fen der Göt­ter und ließ das Wesen der Seele in sein­er wahren Größe erscheinen, geweit­et zum Wel­ten­sein und aufer­standen. 48 w — zulet­zt fließt das Licht aus Wel­tenhöhen, lässt die Sicher­heit des Wel­tendenkens erscheinen, das die See­len­rät­sel löst, und es ver­sam­melt die Macht sein­er Strahlen im Men­schen­herzen, um dort die Liebe zu wecken.

Im Mantra 23 W opferte sich der Som­mer in ein­er Liebe­stat dem Men­schen — er gab sich sel­ber dem Men­schen hin. Im Mantra 48 w ist es das Ziel des Licht­es, dass im Men­schen die Liebe geweckt wird. Und je mehr Liebe in ihm erweckt wird, desto selb­st­los­er kann er sich selb­st hingeben.

Im Mantra 48 w ist das W die Wonne des Emp­fan­gens, doch wird sie nicht bewusst, da es keinen Ich-Sprech­er, kein Selb­st­be­wusst­sein gibt. Außer­dem lässt mich das Mantra 48 w an das gold­ene Vlies der Arg­onaut­en­sage denken, an das gold­ene Wid­der­fell, das laut Rudolf Stein­er die Urweisheit der atlantis­chen Zeit darstellt (GA 92). Da sich Wid­der von Jahr ableit­et (siehe oben), kann berechtigter­weise angenom­men wer­den, dass der Jahreskreis, bzw. die in ihm beschlossene Weisheit dieses gold­ene Vlies ist. Im Speziellen sehe ich im Licht aus Wel­tenhöhen, dass die Sicher­heit des Wel­tendenken zur Erschei­n­ung bringt, diese Urweisheit. Das Licht ist sozusagen die bewegte Hülle, das W, des Wel­tendenkens, denn let­zteres erscheint im Licht. Betra­chte ich das Wel­tendenken als aktiv, ist das Ergeb­nis dieses Denkprozess­es die Urweisheit. Sie ist ein leuch­t­en­des Gewebe von weisheitsvollen Zusam­men­hän­gen, ein gold­enes Vlies.

Im Mantra 23 W ist das W zunächst das Vib­ri­eren der nach Reizen streben­den Sinne. Es sind auch die dumpfen Nebelschleier, die die Licht­e­sof­fen­barung ver­hüllen. Und es ist das Hinopfern des Som­mers, denn zum W gehört der Wid­der als uraltes Opferti­er. Der Ich-Sprech­er zeigt Bewusst­sein von sich selb­st. Dieses Selb­st­be­wusst­sein wurde dadurch möglich, sagt Rudolf Stein­er, dass das Geistige in der Natur für den Men­schen erstarb (siehe Spiegel­sprüche 23 W — 30 d), wie es das Mantra im Wel­ten- oder Win­ter­schlaf schildert. Nun ist also der Men­sch sel­ber die bewegte Hülle für das Licht. Der große Kon­trast des wachen Ich-Sprech­ers und der in Raumesweit­en aus­ge­bre­it­eten, schlafend­en Herb­st­welt zeigt die Qual­ität des Gegen­satzes, des Widerstandes.

Die bei­den Mantren erscheinen mir wie die bei­den Meerunge­heuer Skyl­la und Charyb­dis aus der griechis­chen Mytholo­gie. Rudolf Stein­er set­zt sie an ander­er Stelle in Beziehung set­zt zu den Tem­pel­säulen Jachin und Boas. Hier erk­lärt er: “Dann wird noch ein wichtiger Punkt der Men­schheit­sen­twick­lung in der Odysseus-Sage dargestellt, der Durch­gang zwis­chen Skyl­la und Charyb­dis. Was begin­nt denn jet­zt eigentlich in der Men­schheit? Jet­zt erst begin­nt, wie wir gese­hen haben, die eigentliche Kama-Man­as-Kul­tur. Nach und nach ist sie bis hier­her vor­bere­it­et wor­den. Jet­zt begin­nt sie. Unsere fün­fte Wurzel­rasse [5. Kul­ture­poche] hat vorzugsweise diese Kama-Man­as-Kul­tur. Kama ist im Astralen und auch heute noch im Astralkör­p­er tätig. Man­as aber ist das, was im physis­chen Gehirn tätig ist. Der Men­sch der fün­ften Wurzel­rasse [5. Kul­ture­poche] denkt mit seinem physis­chen Gehirn. Erst in ein­er kün­fti­gen Entwick­lungsphase wird auch das Kama, der Astralkör­p­er so weit sein, daß er zu denken ver­mag [“Herz­denken”]. Heute hat Man­as erst im physis­chen Gehirn Platz gegrif­f­en. Zwis­chen den zwei nach bei­den Seit­en uns schleud­ern­den Strudeln Skyl­la und Charyb­dis müssen wir hin­durch. Das wird repräsen­tiert durch den Durch­gang des Odysseus zwis­chen Skyl­la-Man­as [dem an der Physis, dem Felsen, gewonnenen Selb­st­be­wusst­sein] und Charyb­dis-Kama [der Strudel der Lei­den­schaften]. Da ist auf der einen Seite der astrale Strudel, die Triebe, Begier­den und Lei­den­schaften, in denen der Men­sch unterge­hen kann, und auf der anderen der an den Felsen geschmiedete physis­che Ver­stand. … Der men­schliche Ver­stand ist allen Gefahren der Physis, des Felsens, aus­ge­set­zt. Zwis­chen den Klip­pen des physis­chen Ver­standes [23 W] und dem Strudel des astralen Lebens [48 w] muß der Men­sch hin­durch­segeln. Hat er sich da durchge­bracht, hat er erkan­nt, welche Gefahren ihm dro­hen und hat sich den­noch aufrecht hal­ten kön­nen, dann kommt er zu der Insel der Kalyp­so, zur ver­bor­ge­nen Weisheit.” (GA 92, 8. Vor­trag, Berlin, 14.10.1904)

Die Bri­tan­nia zwis­chen Scyl­la und Charyb­dis mit Seelenkalender

Das Mantra 23 W gle­icht keinem Felsen. Und doch lässt sich die Wirk­samkeit der Man­as-Kraft, der Ver­standeskraft im Ich-Sprech­er erken­nen, der ein­sam, vielle­icht von einem Felsen, in die Raumesweit­en blickt und alles um ihn herum im Tief­schlaf find­et. Die Nebelschleier sind der Sin­nen­schleier und dieser existiert für den Ver­stand. Er ver­hüllt ihm das Licht der Offen­barung. Das Mantra 23 W liegt im Som­mer-Hal­b­jahr, das die Außenori­en­tierung, die Wahrnehmung der physis­chen Welt bedeutet. Da Man­as auch das Geist­selb­st bedeutet, wird ahn­bar, worauf das Opfer des Som­mers, seine Hingabe an den Men­schen (23 W) hinzielt.

Und, auch wenn das im Mantra 48 w aus Wel­tenhöhen “machtvoll fließende” Licht nicht nach einem gefährlichen Strudel klingt, so weckt “machtvoll fließen” das Bild des Wassers und die Bewe­gungsrich­tung entspricht dem Sog des Strudels. Auch das Ziel des Licht­es im Herzen und das Weck­en der Liebe spricht für die Kama-Kraft, die Macht der geschlechtlichen Liebe. Das Mantra 48 w liegt im Win­ter-Hal­b­jahr, das die Innenori­en­tierung der Seele bedeutet und damit auch das Astrale.

Das W vib­ri­ert zwis­chen oberen Schnei­dezäh­nen und der Unter­lippe — zwis­chen dem Fel­si­gen, Harten und dem Weichen, Lei­den­schaftlichen. Das W vib­ri­ert also zwis­chen Skyl­la-Man­as den Schnei­dezäh­nen, dem harten, schnei­den­den Ver­stand und Charyb­dis-Kama, der Unter­lippe, dem Strudel der Gefüh­le und Lei­den­schaften — zwis­chen den Mantren 23 W und 48 w.

Der Felsen, Scyl­la, ste­ht aufrecht, der Strudel, Charyb­dis, ist eine kreisende Bewe­gung. Scyl­la ste­ht also auch für die lin­eare Zeit. Sie bringt den unwieder­bringlichen Augen­blick her­vor, der in Geis­tes­ge­gen­wär­tigkeit erlebt wer­den muss — eine seel­is­che Bewe­gung des Aufricht­ens. Charyb­dis bringt dementsprechend die zyk­lis­che Zeit ins Bild, die durch ihre ewige Wiederkehr des Gle­ichen ein­schläfer­nd und her­abziehend wirkt. Die lin­eare Zeit und die zyk­lis­che Zeit bilden in ihrer Ein­seit­igkeit eine Gefahr für die Seele. Die eine Gefahr ist die lin­eare, im Außen wirk­ende Zeit, an der der Ver­stand wie an einem Felsen zer­schellt, wenn er ver­sucht das Geistige zu begreifen. Die andere Gefahr ist die im Innern wirk­ende zyk­lis­che Zeit, die die Gedanken um die ewige Frage “Warum passiert das mir?” kreisen lässt. Sie zieht in die Hoff­nungslosigkeit hin­unter. Zwis­chen bei­den mit­ten hin­durch muss der Men­sch seinen Weg find­en durch das dritte Bild der Zeit, den Punkt der Gegenwärtigkeit.