Die spiegelnden Lichtspruch-Mantren 5 E und 48 w

5 E

Im Lichte, das aus Geistestiefen

Im Raume frucht­bar webend

Der Göt­ter Schaf­fen offen­bart:

In ihm erscheint der Seele Wesen

Geweit­et zu dem Wel­tensein

Und aufer­standen

Aus enger Selb­s­theit Innenmacht.

 

 

48 w

Im Lichte, das aus Weltenhöhen

.….

Der Seele machtvoll fließen will,

Erscheine, lösend See­len­rät­sel,

Des Wel­tendenkens Sicher­heit,

Ver­sam­melnd sein­er Strahlen Macht,

Im Men­schenherzen Liebe weckend.

…..

Musik zum Mantra 5 E — zärtlich — komponiert von Herbert Lippmann

Musik zum Mantra 48 w — heiter-ernst — komponiert von Herbert Lippmann

Über die spiegelnden Lichtsprüche 5 E und 48 w

Im Fluss der See­lenkalen­der-Mantren durch das Jahr heben sich vier als die soge­nan­nten Licht­sprüche her­aus. Da sie in gewis­sem Sinne eine Ein­heit bilden, will ich ein­lei­t­end diese Vier­heit charak­ter­isieren. Die vier Licht­sprüche sind zum einen die spiegel­nden Mantren 5 E und 48 w und zum anderen die eben­falls untere­inan­der spiegel­nden Mantren 22 V und 31 e. Ihnen allen ist gemein­sam, dass sie vom Licht han­deln. Alle vier Licht­sprüche sind reine Beschrei­bun­gen von Vorgän­gen. Eine bewusst erken­nende, han­del­nde Instanz, einen bewussten Ich-Sprech­er, wie ich diese Instanz nenne, gibt es nicht.

Die vier Licht­sprüche im Seelenkalender-Jahreskreis

Die hier zu betra­ch­t­en­den Mantren 5 E und 48 w beschreiben, was im Licht erscheint — also das Beleuchtete. Das andere Spiegel­spruch-Paar (22 V und 31 e) han­delt dage­gen von den Lichtquellen sel­ber. Das Licht des Mantras 5 E stammt aus Geis­testiefen, so wie auch das Licht des diag­o­nal gegenüber­liegen­den Mantras 31 e aus Geis­testiefen strahlt. Diese bei­den Mantren weisen außer­dem den gle­ichen Buch­staben (E, e) auf — sie sind Gegen­sprüche. Das Mantra 31 e wen­det den Blick der Lichtquelle zu, der Leser ste­ht dem Licht “gegenüber” und lernt diese Lichtquelle — das Licht aus Geis­testiefen — ken­nen. Im Mantra 5 E wird die ent­ge­genge­set­zte Blick­rich­tung ein­genom­men. Der Leser “ste­ht” mit der Lichtquelle im Rück­en und schaut, was dieses Licht bewirkt, was es beleuchtet und dadurch in diesem Licht erscheint.

Das ist bei den anderen bei­den diag­o­nal gegenüber­liegen­den Mantren anders. Im Mantra 22 V wird das Licht beschrieben, das aus Wel­tenweit­en stammt, doch ein von dieser Lichtquelle Beleuchtetes tritt im See­lenkalen­der nicht auf. Das Licht, das im Mantra 48 w die geschilderten Zusam­men­hänge beleuchtet, stammt dage­gen aus Wel­tenhöhen und damit von ein­er drit­ten Lichtquelle, die wiederum im See­lenkalen­der nicht näher charak­ter­isiert wird. Dementsprechend ist in den Mantren 22 V und 48 w kein durchge­hen­der Licht­strahl zu erken­nen. Dies wird auch dadurch unter­strichen, dass diese Mantren unter­schiedliche Buch­staben aufweisen und deshalb keine Gegen­sprüche sind.

Im Spiegel­spruch-Paar 5 E und 48 w ist ein gegen­sät­zlich­er Licht­strom vorhan­den: Im Mantra 5 E strahlt das Licht aus der Tiefe — und damit nach oben. Im Mantra 48 w strahlt das Licht aus der Höhe — und damit nach unten. Auch das Spiegel­spruch­paar 22 V und 31 e zeigt eine Gegen­sät­zlichkeit: Das Licht im Mantra 22 V strahlt aus Wel­tenweit­en, also aus dem Umkreis zum Zen­trum. Das Licht im Mantra 31 e stammt, wie schon erwäh­nt aus Geis­testiefen, doch wird danach gesagt, dass es nach außen strebt, dass es son­nen­haft leuchtet. Dieses Licht ist also ein vom Zen­trum ausstrahlen­des Licht, wie wir es von der Sonne ken­nen. Das Licht aus Wel­tenweit­en entspricht am ehesten der Gesamtheit des Ster­nen­lichts, das die Erde umgibt — auch wenn der volle Umkreis nie gle­ichzeit­ig sicht­bar ist.

Das im Mantra 5 E aufwärts und im spiegel­nden Mantra 48 w abwärts strahlende Licht entstammt diame­tral ent­ge­genge­set­zten Lichtquellen. Im Mantra 5 E stammt das Licht aus der Tiefe — und zwar der Tiefe des Geistes. Im Mantra 48 w stammt das Licht aus der Höhe — und zwar der Höhe der Welt. Das kann ver­wun­dern, ist doch in der naiv­en Vorstel­lung die Welt, also die Erde, auf der wir ste­hen das, was unter uns ist — die Tiefe. Der Geist ist dage­gen mit dem Him­mel, also mit der Höhe ver­bun­den. Doch hier ist es umgekehrt. In bei­den Mantren ste­ht die Ort­sangabe in der Mehrzahl: das Licht stammt aus ein­er Vielzahl von Tiefen bzw. Höhen. Ins Bild über­tra­gen stammt das Licht aus vie­len Tälern bzw. von vie­len Berggipfeln. Was sind die Täler des Geistes — die Geis­testiefen? Und was ist mit den Berggipfeln der Welt gemeint — den Weltenhöhen?

Zunächst zu den Wel­tenhöhen (48 w), den Bergen als gemein­schaftlich­er Lichtquelle. Rudolf Stein­er sagt im Zusam­men­hang mit der Berg­predigt (Matthäus 5): “Gewöhn­lich wird darunter eine Predigt ver­standen, die Jesus von einem Berge herunter an das Volk gehal­ten hätte. Aber «auf den Berg gehen» ist ein Schlüs­sel­wort, das sich in allen Geheim­sprachen find­et und uralt ist […] «Auf den Berg gehen» bedeutet: Ins tief­ste Mys­teri­um gehen und Worte lehren, welche die Jünger dann wieder zum Volke sprechen.“ (Lit.:GA 97, S. 94) Die Weisheit, die sich in der Berg­predigt ausspricht, kön­nte also als “Licht aus Wel­tenhöhen” beze­ich­net wer­den. Das The­ma der Berg­predigt in den Selig­preisun­gen ist die moralis­che Entwick­lung des Men­schen. Von nun an zählt, was er durch sein Ich sich erwirbt und in der Welt leis­tet, um damit in den Him­mel aufzusteigen, die Weisheit aus der Höhe zu erhal­ten. Rudolf Stein­er lässt den Chris­tus diese neue Botschaft fol­gen­der­maßen aussprechen: “Bish­er durftet ihr nicht an euer Ich appel­lieren; jet­zt aber kön­nt ihr durch das, was ich euch geboten habe, die Reiche der Him­mel euch durch die Kraft des Inneren, durch die eigene Kraft des Ich nach und nach aneignen. — Der ganze Geist der Berg­predigt ist durch­haucht von dem neuen Impuls der Ich­heit des Men­schen.“ (Lit.:GA 123, S. 184ff) Durch den Chris­tus hat eine neue Zeit begonnen. Eine neue Sonne scheint dem Men­schen von der Höhe — ein neues Leben schenk­end. Durch die auf der Erde voll­bracht­en Tat­en des Chris­tus ist es für den Men­sch nun möglich, durch eigene Erden­er­fahrung das Licht der Höhe zu erreichen.

Und die Täler des Geistes, die Geis­testiefen (5 E)? Den aus der Tiefe auf­steigen­den Geist kon­nte ich im Mantra 31 e als das Bewusst­sein des Men­schen beschreiben, das sich laut Rudolf Stein­er im Herzen durch die Ätheri­sa­tion des Blutes bildet und in den Kopf und darüber hin­aus auf­steigt. Die Leben­skraft des Blutes wan­delt sich mit jedem Herz­schlag, mit jedem Tal dieses Zyk­lus durch latente Abster­be­prozesse in Bewusst­seinslicht — Materie wan­delt sich in Geist, Geis­tes­licht aus der Tiefe. Das Licht aus Geis­testiefen ist deshalb das Licht des Exkarnationsstromes.

Dadurch wird auch das Licht aus Wel­tenhöhen (48 w) nochmals klar­er, denn dem Exkar­na­tion­sstrom ste­ht der Inkar­na­tion­sstrom, der Strom der Leben schenk­enden Kraft ent­ge­gen. Der Chris­tus spricht in der Berg­predigt neun Selig­preisun­gen aus, die sich Rudolf Stein­er fol­gend auf die neun Wesens­glieder des Men­schen beziehen. Sie beziehen sich auf die von “außen” sicht­bare Leib­natur, die den Res­o­nanzraum bildet für den neuen Klang des Ichs. “Das, was in ein­er solch bedeut­samen Epoche der Men­schheit geschieht, das geschieht immer für den ganzen Men­schen. Wenn auch nur ein einziges Glied seines Wesens ergrif­f­en wird, so klin­gen doch alle andern mit. Alle Glieder des Men­schen: der physis­che Leib, der ätherische Leib, die Empfind­ungsseele, Ver­standes- oder Gemütsseele, die Bewußt­seinsseele, das Ich, die höheren See­lenglieder sodann, sie leben auf durch die Nähe der Him­mel­re­iche. Diese Lehren stim­men übere­in mit den großen Lehren der Urweltweisheit.“ (Lit.: GA 118, S. 145) (Die neungliedrige Natur des Men­schen ist: physis­ch­er Leib, Äther­leib, Astralleib, Empfind­ungsseele, Ver­standes- oder Gemütsseele, Bewußt­seinsseele, Geist­selb­st, Lebens­geist, Geist­men­sch. Dem ste­ht die siebengliedrige Folge der Wesens­glieder gegenüber, die statt der drei See­len das Ich nen­nt, anson­sten aber iden­tisch ist.)

Jed­er Prozess geht durch Stufen. Die Edda, das nordis­che Weisheits­buch, spricht von neun Wel­ten und neun Ästen des Wel­tenbaumes, der Esche Yggdrasil: “Neun Wel­ten kenn ich, neun Äste weiß ich — Am starken Stamm im Staub der Erde.” (Völus­pâ 2) Auch den Selig­preisun­gen der Berg­predigt liegt laut Rudolf Stein­er das neungliedrige Men­schen­bild zu Grunde. Deshalb scheint mir der Abstieg des Licht­es gemäß des neungliedri­gen Men­schen­bildes durch neun “Reiche” zu gehen. Der Auf­stieg dage­gen vol­lzieht sich, wie die Lehre der sieben Chakren und der Kun­dalinikraft zeigt, gemäß des sieben­stu­fi­gen Menschenbildes.

Und nochmals will ich auf die drei Lichtquellen zurück­kom­men. Das sind: das Licht aus Wel­tenweit­en (22 V), das Licht aus Geis­testiefen (31 e, 5 E) und das Licht aus Wel­tenhöhen (48 w). Um welche Lichter han­delt es sich hier? Wer sind die Wesen, deren Licht im See­lenkalen­der erscheint? Wem begeg­nen wir durch das jew­eils aus­ge­sendete Licht? Im Blog-Artikel zu den Spiegel­sprüchen 6 F — 47 v habe ich über die drei Logoi, die dreifache Logoskraft geschrieben. Anschließend an diese Aus­führun­gen lassen sich die drei Lichtquellen als diese drei Logoi, als Vater, Sohn und Heiliger Geist erken­nen. Das Licht aus Wel­tenweit­en, das zum See­len­licht wird (22 V), ist das Licht, das der Vater­gott dem Sohnes­gott hinopfert, seine Liebe. Dieses Licht leuchtet in die Geis­testiefen, um Früchte zu ent­binden. Diese Früchte lassen das Men­schenselb­st aus dem Wel­tenselb­st durch den Zeit­en­lauf her­aus­reifen. Dieses Licht ist das ursprünglich Schöpferische. Das Licht aus Geis­testiefen ist das Licht des Sohnes. Ein zweifach­es ist in diesem Sohn laut Rudolf Stein­er: das angenommene Leben und die unman­i­festierte schöpferische Sub­stanz. Im Licht aus Geis­testiefen, das zur Lebenswil­len­skraft (31 e) wird, lässt sich das Leben des Sohnes erken­nen, im Licht aus Geis­testiefen, das im Raum frucht­bar webt (5 E) die schöpferische Ursub­stanz. Und schließlich ist das Licht aus Wel­tenhöhen (48 w), das der Seele machtvoll fließen will und in dem die Sicher­heit des Wel­tendenkens erscheint, das Licht des Heili­gen Geistes. Da Rudolf Stein­er den drit­ten Logos dre­it­eilig beschreibt, als wahres, nun dif­feren­ziertes Bild des Vaters, kann auch der ganze Jahreskreis mit allen drei Lichtquellen als Aus­druck des Heili­gen Geistes betra­chtet werden.

Die drei Lichtquellen als die drei Logoi

Doch nun zurück zu den bei­den Spiegel­sprüchen 5 E und 48 w. Nach der Benen­nung der Lichtquellen wird in bei­den Mantren beschrieben, was in dem jew­eili­gen Licht erscheint. Das Phänomen der gram­ma­tis­chen Entsprechung, das in der ersten Zeile überdeut­lich war, nimmt nun rapi­de ab, inhaltliche Entsprechun­gen gibt es aber bis zum Schluss.

Im Licht aus Geis­testiefen (5 E) erscheint das Wesen der Seele. Dies wird als Tat­sache dargestellt. Doch das, was im Licht aus Wel­tenhöhen (48 w) erscheint, wird als ein Zukün­ftiges, zu Erwartendes, Her­beizu­rufend­es beschrieben. Es ist die Sicher­heit des Wel­tendenkens. Ein Gefühl — das Gefühl der Sicher­heit — soll sich also ein­stellen. Dieses Gefühl der Sicher­heit braucht etwas, worauf es sich bezieht, woraus es erste­ht, geboren wird. Und das ist das Wel­tendenken. Die Schöp­fungssicher­heit, wie sie in der Welt zu beobacht­en ist, die alle Lebe­we­sen weisheitsvoll erschafft, soll auch in der Seele erscheinen.

Doch vorher, bevor in den Mantren das Beleuchtete, das, was in dem jew­eili­gen Licht erscheint, genan­nt wird, gibt es weit­ere Infor­ma­tio­nen zum Geschehen. Das Licht aus Geis­testiefen (5 E) webt frucht­bar im Raum und offen­bart dabei das Schaf­fen der Göt­ter. Eine der Tätigkeit­en des Licht­es ist weben. Dieses Verb ste­ht in der Ver­laufs­form (webend) und verdeut­licht damit ein zeitlich­es Geschehen des Licht­es, das im Raum wirkt. Hier fragt sich, wie dieses Weben des Licht­es im men­schlichen Bewusst­sein auf­taucht. Es ist die Zeit, die das Prozes­suale, das in ständi­ger Verän­derung Begrif­f­ene zur Erschei­n­ung bringt. Deshalb lässt sich sagen, die Zeit als zyk­lis­ches Geschehen webt im Raum. Die Zeit bringt die im Jahres­lauf auftre­tenden Verän­derun­gen der Natur­prozesse im äußeren Raum her­vor. Und zu diesem weben­den Erschaf­fen gehört gle­icher­maßen das Verge­hen, der Herb­st­prozess. Das Schaf­fen gle­ich mehrerer Göt­ter offen­bart sich in diesem Weben. Ich denke dabei an die Drei­heit indis­ch­er Göt­ter: Brah­ma, der Erschaf­fer, Vish­nu, der Erhal­ter und Shi­va, der Zer­stör­er. Die Herrsch­er über die drei Zeiträume, Zukun­ft, Gegen­wart und Ver­gan­gen­heit sind über­men­schlich­er, göt­tlich­er Natur. Das Licht aus Geis­testiefen als der auf­steigende Strom der Vergeis­ti­gung wirkt als Zeit im Raum und offen­bart die Göt­tlichkeit der drei Zeiträume. Dies geschieht frucht­bar, also für die Zukun­ft wirk­sam, Frucht schaf­fend. In diesem göt­tlich schaf­fend­en, raum-zeitlichen Zusam­men­hang erscheint das Wesen der Seele.

Vom Licht aus Wel­tenhöhen (48 w) wird gesagt, dass es der Seele fließen will. Dieses Wollen weist zum einen auf zukün­ftiges Geschehen, zum anderen ste­ht hin­ter jedem Wollen ein Wesen mit entsprechen­der Wil­len­saus­rich­tung. Das Licht will von der Höhe abwärts strö­men wie ein Fluss fließt. Sein Ziel ist die Seele. In diesem Mantra ste­ht also nicht der Raum und das Geschehen im Raum im Fokus, wie im Mantra 5 E, son­dern die Zeit, die sich in den See­len­raum wie in einen Ozean als Zielort ergießt — und zwar aus der Zukun­ft. Es han­delt sich im Mantra 48 w um den Zukun­ft­szeit­strom der laut Rudolf Stein­er dem Ver­gan­gen­heits-Zeit­strom (der von der Ursache zur Wirkung strömt) ent­ge­gen­wirkt und alles was in der Gegen­wart geschieht auf ein Zukun­ft­sziel hin ord­net. In diesem, aus der zukün­fti­gen Vol­len­dung gespeis­ten Zukun­fts-Licht­strom kann die Sicher­heit des Wel­tendenkens erscheinen. Ich ver­ste­he hier, dass im Bewusst­sein, das gerne mit dem Ozean ver­glichen wird, die Sicher­heit erscheint, im Besitz der vol­lum­fänglichen Weisheit der Welt zu sein, ihrer Kom­pe­tenz der denk­end schöpferischen Gestal­tung. Im Zuge dieser erscheinen­den Sicher­heit lösen sich selb­stre­dend alle Zweifel, Fra­gen und Rät­sel — alle See­len­rät­sel. Ein Rät­sel ist etwas, dessen Entste­hung nicht erk­lärt wer­den kann, dessen Ursache nicht erkennbar ist. Ursachen, die sich aus dem Ziel ergeben, bleiben deshalb solange Rät­sel, bis der Zeit­strom aus der Zukun­ft hinzugenom­men wird zum all­seits bekan­nten Zeit­strom aus der Ver­gan­gen­heit. Dann erscheinen rät­selvolle Sit­u­a­tio­nen in der Gegen­wart als die Vor­bere­itung auf dieses Zukun­ft­sziel, als das notwendi­ge Train­ing vor der Goldmedaille, als die zu erbrin­gen­den Hausauf­gaben vor dem Erre­ichen eines bes­timmten Bildungsgrades.

Nach der Beschrei­bung, was jew­eils im Licht erscheint, fol­gt im Mantra 5 E eine genauere Beschrei­bung, wie das Wesen der Seele in dem Licht aus Geis­testiefen erscheint. Im Mantra 48 w fol­gen weit­ere Tat­en des Licht­es aus Wel­tenhöhen. Damit zeigt sich das Mantra 5 E als Beschrei­bung eines wahrnehm­baren Jet­zt, ein­er Wahrnehmung im geisti­gen Raum. Das Mantra 48 w legt dage­gen den Schw­er­punkt auf einen zeitlichen Prozess. Dieser Ein­druck wird unter­strichen durch drei Ver­lauf­sendun­gen: lösend, ver­sam­mel­nd, weck­end. Im Mantra 5 E gibt es nur eine solche Endung, “webend”, die hier eben­so das Wirken der Zeit verdeut­licht. Die bei­den ersten Ver­ben in der Ver­laufs­form im Mantra 48 w sind “lösend” und “ver­sam­mel­nd”. Hier­mit sind gegen­sät­zliche Prozesse beschrieben, die als Ballen (ver­sam­mel­nd, verdich­t­end) und Spreizen (lösend, auflösend) in der Ein- und Ausat­mung wiederge­fun­den wer­den kön­nen. Obwohl die Atmung dem Bewusst­sein näher liegt als der Pulss­chlag des Herzens, sind sie doch veg­e­ta­tive, auch im Schlafzu­s­tand sich vol­lziehende Prozesse. Aus dieser Unbe­wuss­theit wachrüt­tel­nd lautet das dritte Verb in Ver­laufs­form “weck­end”.

Wie erscheint also das Wesen der Seele im Licht aus Geis­testiefen (5 E)? Das Wesen der Seele ist geweit­et zum Wel­ten­sein. Das durch die Ätheri­sa­tion des Blutes entste­hende Bewusst­seinslicht ver­lei­ht dem Men­schen seine Wahrnehmungs­fähigkeit. Dadurch weit­et sich sein Bewusst­sein über die Eigen­wahrnehmung hin­aus. Seine Seele ergießt sich in die Welt, indem die Welt sinnlich wahrgenom­men wird und die Wahrnehmung von der Seele mit Gefühlen beant­wortet wird. Das Wesen der Seele ist also nicht nur das Innen­sein, son­dern auch das Wel­ten­sein, das alles Wahrgenommene ein­schließt. Durch diese für uns unge­wohnte Denkart erscheint die Seele radikal geweit­et. Und noch etwas geschieht dadurch. Die Seele ist for­t­an nicht auf den physis­chen Kör­p­er begren­zt, den sie im Leben bewohnt. Sie ist genau­so Wel­ten­sein — und dadurch aufer­standen. Die Seele ste­ht nun nicht mehr der Welt gegenüber als abge­gren­ztes Eigen­we­sen, als eine Selb­s­theit, durch den sie beherber­gen­den physis­chen Kör­pers definiert, son­dern sie ist eins mit der Welt — sie ist eben­so gut die wahrgenommene Welt wie der eigene Kör­p­er. Sie ist aufer­standen aus der Enge der Innen­macht, die das Sein ein­er Selb­s­theit mit sich bringt.

Das Licht aus Wel­tenhöhen (48 w) fließt wirk­end weit­er, nach­dem die Sicher­heit des Wel­tendenkens darin erschienen ist. Dieses Licht ist so gewaltig, dass die aus­denk­ende, Schöp­fung ini­ti­ierende Schöpfer­ma­cht, die kein­er­lei Zweifel ken­nt, darin aufleucht­en kon­nte. Nun ver­sam­melt dieses große, gewaltige Licht die Macht sein­er Strahlen. Es konzen­tri­ert sie im Herzen des Men­schen. Das aus der Voll­macht der zukün­fti­gen Vol­len­dung erschaf­fende, aus Wel­tenhöhen stam­mende Licht zieht all seine Macht im Men­schen­herzen zusam­men, wie die Pflanze ihre Her­vor­bringungs­macht im winzi­gen Samenko­rn konzen­tri­ert. Und diese Ver­samm­lung der unge­heuren Macht­fülle im Men­schen­herzen ver­fol­gt ein Ziel: die Liebe zu weck­en. Liebe ist eine ausstrahlende, sich verbindende Macht. Das Licht aus Wel­tenhöhen hat das Ziel, den Samen für die Umkehr sein­er her­abfließen­den Bewe­gung zu leg­en. Das her­ab­strahlende, das Wel­tendenken zur Erschei­n­ung brin­gende Licht aus Wel­tenhöhen, soll die Möglichkeit erhal­ten, wieder aufzusteigen. Das Licht, das auf die Erde führt und die Inkar­na­tion bewirkt, dieses Licht legt auch den Grund­stein für die dadurch notwendig wer­dende Aufwärts­be­we­gung. Dies geschieht durch die Erweck­ung der Liebe. Sie bildet die Grund­lage der Rück­verbindung, für den Wieder­auf­stieg, die vergeisti­gende Exkar­na­tion. Die Liebe, die der Vater­gott als sein Leben dem Sohn hingeschenkt hat, soll nun im Men­schen erwachen. Dadurch wird der Men­sch zum Schöpfer.

In den Mantren 5 E und 48 w ist die Begeg­nung mit den zwei Säulen, auf denen das Leben beruht, beschrieben. Im Mantra 48 w ste­ht die Säule des Makrokos­mos vor dem Leser, die voller Weisheit das Leben schenkt und mit dem Abstieg auch die Voraus­set­zung schafft zum Wieder­auf­stieg. Diese Licht­säule führt von den Wel­tenhöhen ins men­schliche Herz — vom Licht in die Fin­ster­n­is des Innen. Im Mantra 5 E ste­ht die Säule des Mikrokos­mos vor dem Leser, das auf­steigende Bewusst­seinslicht, das Erleuch­tung und Aufer­ste­hung der Seele bedeutet, wenn dieses Licht über den physis­chen Kör­p­er hin­aus­ge­drun­gen ist. Diese Licht­säule führt von den Geis­testiefen, von der Fin­ster­n­is der Unbe­wuss­theit in die Höhe der Erleuch­tung. Dieses Licht ist Auferstehungslicht.

Als Ergänzung mein­er Gedanken sei ange­führt, was Rudolf Stein­er über Licht und Fin­ster­n­is — Ver­gan­gen­heit und Zukun­ft sagt: „So muß man qual­i­ta­tiv den Kos­mos betra­cht­en, nicht bloß quan­ti­ta­tiv, dann kommt man mit diesem Kos­mos zurecht. Dann gliedert sich aber auch hinein in diesen Kos­mos ein fortwähren­des Erster­ben, ein Erster­ben der Vorzeit im Lichte, ein Aufge­hen der Zukun­ft in der Fin­ster­n­is. Die alten Pers­er nan­nten aus ihrem instink­tiv­en Hellse­hen her­aus das, was sie als die erster­bende Vorzeit im Lichte fühlten, Ahu­ra Maz­dao, was sie als die Zukun­ft im fin­stern Willen fühlten, Ahri­man.“ (Lit.: GA 202, S. 82f)

Die geheimnisvolle Vril-Kraft und die drei untersinnlichen Kräfte

Bevor ich auf die von Rudolf Stein­er nur in Andeu­tun­gen beschriebene Vril-Kraft einge­he, will ich einen kurzen Blick auf die damals, zu seinen Lebzeit­en, schon bekan­nten Kräfte, die Elek­triz­ität und den Mag­net­ismus wer­fen sowie auf eine von ihm angekündigte dritte Kraft, mit der ver­mut­lich die Atom­kraft, bzw. Kernkraft gemeint ist. Alle drei Kräfte beschreibt Rudolf Stein­er als unter­sinnliche Kräfte. Es sind Kräfte, die unter die Sphäre gedrückt wur­den, in der sie eigentlich leben soll­ten. Doch wo sind die Kräfte, die sich als Elek­triz­ität, Mag­net­ismus und Atom­kraft im Unter­sinnlichen aus­drück­en, in ihrer “Wahren Gestalt” zu find­en? Rudolf Stein­er sagt: “Die Unter-Natur muß als solche begrif­f­en wer­den. Sie kann es nur, wenn der Men­sch in der geisti­gen Erken­nt­nis min­destens ger­ade so weit hin­auf­steigt zur außerirdis­chen Über-Natur, wie er in der Tech­nik in die Unter-Natur herun­tergestiegen ist. Das Zeital­ter braucht eine über die Natur gehende Erken­nt­nis, weil es inner­lich mit einem gefährlich wirk­enden Lebensin­halt fer­tig wer­den muß, der unter die Natur herun­terge­sunken ist. Es soll hier natür­lich nicht etwa davon gesprochen wer­den, daß man zu früheren Kul­turzustän­den wieder zurück­kehren soll, son­dern davon, daß der Men­sch den Weg finde, die neuen Kul­turver­hält­nisse in ein recht­es Ver­hält­nis zu sich und zum Kos­mos zu brin­gen. Heute fühlen noch die wenig­sten, welche bedeut­samen geisti­gen Auf­gaben sich da für den Men­schen her­aus­bilden.” (GA 26 S. 257f)

Kön­nte es sein, dass es sich bei diesen drei Kräften, sofern sie nicht men­schheitlich, son­dern in der einzel­nen Seele gesucht wer­den, dass es sich um Denken, Fühlen und Wille handelt?

In der Elek­triz­ität erkenne ich die Kraft, die dem Aufleucht­en ein­er Idee im Denken entspricht. Rudolf Stein­er beschreibt den Blitz als äußer­lich sicht­bare Erschei­n­ung, die inner­lich das Denken ist: “Da wird man sagen, wenn ein­er den Blitz anschaut: Ist der Blitz nur da oben? — O nein, der ist den ganzen Som­mer hin­durch, indem die Pflanzen befruchtet wer­den, über die Wiesen, über die Wälder hin, über­all da ist der niedere Blitz. Und zum Schluß ist es ein Blitz, der in uns immer vorge­ht. Inner­lich sind wir ganz durch­set­zt von densel­ben Erschei­n­un­gen, die wir manch­mal sehen, wenn es blitzt, und unsere Gedanken sind ein Auf­blitzen in uns. Nur natür­lich das­jenige, was ein­mal als ein mächtiger Blitz erscheint, das ver­läuft ganz schwach in unserem Denken. Jet­zt wer­den Sie sich aber auch sagen kön­nen: Es hat doch einen Sinn, zu sagen, wenn ich den Blitz anschaue, daß mir da die Wel­tengedanken erscheinen, weil das das­selbe ist, wie das, was in mir ist.” (Lit.: GA 350, S. 230f Her­vorhe­bung A.F.)

Im Mag­net­ismus erkenne ich das Fühlen wieder. Wie Mag­net­ismus durch Anziehung und Abstoßung gekennze­ich­net ist, lebt sich das Fühlen in Sym­pa­thie und Antipathie dar.

Im fol­gen­den Zitat äußert sich Rudolf Stein­er zur Elek­triz­ität und zum Atom. Zwar nen­nt er nur das Denken als See­len­fähigkeit, doch sagt er, dass der Men­sch — wenn er das Aus­ge­führte ver­standen hat — mit den Atom­en wird bauen kön­nen. Bauen ist Betä­ti­gung des Wil­lens, weshalb ich in der Atom­kraft die dem Willen entsprechende Kraft erkenne. „Dieses Wesen der Elek­triz­ität kann nicht gefun­den wer­den durch irgendwelche äußeren Exper­i­mente oder durch äußere Anschau­ung. Das Geheim­nis, welch­es gefun­den wer­den wird, ist, daß Elek­triz­ität genau das­selbe ist — wenn man auf einem gewis­sen Plan zu beobacht­en ver­ste­ht -, was der men­schliche Gedanke ist. Der men­schliche Gedanke ist das­selbe Wesen wie die Elek­triz­ität: das eine Mal von innen, das andere Mal von außen betrachtet.

Wer nun weiß, was Elek­triz­ität ist, der weiß, daß etwas in ihm lebt, das in gefroren­em Zus­tande das Atom bildet. Hier haben Sie die Brücke vom men­schlichen Gedanken zum Atom [und damit mein­er Mei­n­ung nach zum Willen]. Man wird die Bausteine der physis­chen Welt ken­nen­ler­nen, es sind kleine kon­den­sierte Mon­aden, kon­den­sierte Elek­triz­ität. In dem Augen­blicke, wo die Men­schen diese ele­men­tarste okkulte Wahrheit von Gedanke, Elek­triz­ität und Atom erkan­nt haben wer­den, in dem Augen­blicke wer­den sie etwas erken­nen, was das Wichtig­ste sein wird für die Zukun­ft und für die ganze sech­ste Unter­rasse. Sie wer­den mit den Atom­en bauen kön­nen durch die Kraft des Gedankens [- der dann Wille ist]. ” (Lit.: GA 93, S. 112f, Her­vorhe­bun­gen und Ergänzun­gen A.F.)

Der Men­sch “baut” Begriffe durch das Zusam­men­wirken von Wahrnehmung und Denken — und er tren­nt, analysiert, um den einen Begriff vom anderen abzu­gren­zen. Meint Rudolf Stein­er diesen “Bau­vor­gang”, der das Welt­bild des jew­eili­gen Men­schen erschafft? Auf­fäl­lig ist jeden­falls die Ähn­lichkeit der Darstel­lung in Form und Farbe der Atome im fol­gen­den Orbitalmod­ell (https://www.youtube.com/watch?v=A4Ip1p6o9TU) mit dem Seelenkalender.

Der See­lenkalen­der und ver­schiedene Darstel­lun­gen von Atom­en im Orbitalmodell 

Und möglicher­weise ste­hen auch die drei Bilder der Zeit mit den drei unter­sinnlichen Kräften in Beziehung: die Elek­triz­ität mit der lin­earen Zeit, der Mag­net­ismus mit dem “ruhend” gedacht­en ewigen Zyk­lus und das Atom mit der Gegen­wär­tigkeit, die “ges­pal­ten” wird in Wahrnehmung und Denken.

Die drei unter­sinnlichen Kräfte, die drei See­len­fähigkeit­en und die drei Bilder der Zeit

Nach dieser Hin­führung nun zur Vril-Kraft. Ehren­fried Pfeif­fer (1899 — 1961) fragte Rudolf Stein­er 1920/21, ob es neben den lebens­feindlichen Kräften, der Elek­triz­ität und dem Mag­net­ismus (Atom­kraft wurde erst 1938 ent­deckt) auch eine das Leben fördernde Kraft geben würde und Rudolf Stein­er bejahte. Er nan­nte diese Kraft die Vril-Kraft bzw. die Tao-Kraft und beschrieb sie so: “Die Chi­ne­sen sind ein Rest der atlantis­chen Rasse der Mon­golen. Wenn wir bei den Chi­ne­sen das Wort TAO hören, so ist das für uns etwas schw­er Ver­ständlich­es. Die dama­li­gen Mon­golen hat­ten einen Monothe­is­mus aus­ge­bildet, der bis zur psy­chis­chen Greif­barkeit, bis zum Fühlen des Geisti­gen ging, und wenn der alte Chi­nese, der alte Mon­gole, das Wort TAO aussprach, so fühlte er das beim Aussprechen. TAO ist nicht «der Weg», wie das gewöhn­lich über­set­zt wird, es ist die Grund­kraft, durch die der Atlantier noch die Pflanzen ver­wan­deln kon­nte, durch die er seine merk­würdi­gen Luftschiffe in Bewe­gung set­zen kon­nte. Diese Grund­kraft, die man auch «Vril» nen­nt, hat der Atlantier über­all genutzt, und er nan­nte sie seinen Gott. Er fühlte diese Kraft in sich, sie war ihm «der Weg und das Ziel».” (Lit.: GA 92, S. 18f Her­vorhe­bung A.F.)

Und an ander­er Stelle sagt er: “… das heute in der Welt beste­hende große Übel, das unge­heure Elend, das mit so furcht­bar­er Gewalt zum Aus­druck kommt in dem, was man die soziale Frage nen­nt, kann nicht mehr mit dem Unlebendi­gen gemeis­tert wer­den. Dazu bedarf es ein­er königlichen Kun­st; und diese königliche Kun­st ist es, die inau­guri­ert wor­den ist in dem Sym­bol des Heili­gen Gral.

Der Men­sch muß durch diese königliche Kun­st etwas in seine Hand bekom­men, was ähn­lich ist der­jeni­gen Kraft, die in der Pflanze sproßt, der­jeni­gen Kraft, die der Magi­er ver­wen­det, wenn er die Pflanze, die vor ihm ste­ht, schneller wach­sen macht. In ähn­lich­er Weise muß von dieser Kraft ein Teil ver­wen­det wer­den zum sozialen Heil. Diese Kraft, die beschrieben wor­den ist von solchen, die etwas von den rosenkreuzerischen Geheimnis­sen wis­sen, wie zum Beispiel von Bul­w­er in seinem Zukun­ft­sro­man «Vril», ist gegen­wär­tig aber noch in ele­mentarem Keimzu­s­tande. Sie wird in der Freimau­r­erei der Zukun­ft der eigentliche Inhalt der höheren Grade sein. Die königliche Kun­st wird in der Zukun­ft eine soziale Kun­st sein.” (Lit.: GA 93, S. 281)

Ehren­fried Pfeif­fer berichtet über die Antwort Rudolf Stein­ers und seine begonnene Forschung fol­gen­des: “Meine Frage wurde wie fol­gt beant­wortet: «Ja, eine solche Kraft gibt es wirk­lich, aber sie ist noch unent­deckt. Sie ist das, was all­ge­mein als Äther (nicht der physikalis­che Äther) beze­ich­net wird, die Kraft, die die Dinge wach­sen lässt und beispiel­sweise als Samenkraft im Samen lebt. Bevor Sie mit dieser Kraft arbeit­en kön­nen, müssen Sie ihr Vorhan­den­sein nach­weisen. So wie wir in der Chemie Reagen­zien haben, so müssen Sie ein Reagens für diese Ätherkraft find­en. Man nen­nt sie auch ätherische Bildekraft, denn sie schafft die Form, die Gestalt, die Struk­tur eines leben­den, wach­senden Dinges. Sie kön­nten es mit Kristalli­sa­tion­sprozessen ver­suchen, welchen ein organ­is­ches Sub­strat beige­fügt wird. (Dies ist unter­nom­men wor­den, die Ergeb­nisse sind ander­norts beschrieben wor­den, das Ganze ist heute als Meth­ode der ‚Empfind­lichen Kristalli­sa­tion‘ bekannt.)

Es wird dann möglich sein, Maschi­nen zu entwick­eln, die auf diese Kraft reagieren und von ihr angetrieben wer­den.» R St. (sic!) Skizzierte dann die Prinzip­i­en der Anwen­dung dieser Kraft als ein­er neuen Energiequelle. In Anwe­sen­heit von Guen­ther Wachsmuth skizzierte er zu einem anderen Zeit­punkt das Prinzip der vier ätherischen Bildekräfte, des Lichtäthers, des chemis­chen Äthers, des Leben­säthers und des Wärmeäthers …

Mir fiel die Auf­gabe zu, mit den Exper­i­menten zu begin­nen. Die dabei stat­tfind­ende Zusam­me­nar­beit legte den Keim für das Forschungsin­sti­tut am Goetheanum. Ich musste gewisse Exper­i­mente durch­führen, die ich nicht näher beschreiben darf. Das Ergeb­nis dieser Ver­suche wurde R. St. mit­geteilt, worauf dieser mit dem größten Ernst bemerk­te: «Das Ver­such­sre­sul­tat deutet auf eine andere Kraft hin, nicht auf die ätherische, son­dern auf eine astralis­che Kraft» (d. h. auf Kräfte, die in empfind­en­der Materie leben, im Nerv, im Gehirn). Dass der Ver­such zu diesem Resul­tat führte, sei die Antwort der geisti­gen Welt für ihn, und sie bedeute, dass die Zeit noch nicht reif dazu sein, von der Ätherkraft Gebrauch zu machen. Ich fragte, wann die Zeit dazu denn reif sein werde. Antwort: «Wenn die sozialen Zustände so sind, dass diese Kraft nicht für ego­is­tis­che Zwecke miss­braucht wer­den kann.» Das werde erst dann der Fall sein, wenn die Drei­gliederung des sozialen Organ­is­mus min­destens auf ein paar Erdge­bi­eten ver­wirk­licht sei. Bis dahin wür­den Ver­suche zum Zwecke der Ver­wen­dung ätherisch­er Kräfte erfol­g­los bleiben oder soll­ten gar nicht unter­nom­men wer­den.” (Ehreren­fried Pfeif­fer 1899 – 1961 Ein Leben für den Geist, Hrsg. Thomas Mey­er, S. 120f, Her­vorhe­bun­gen A.F.)

Schon während Rudolf Stein­ers let­zter Leben­szeit begann Ehren­fried Pfeif­fer mit Exper­i­menten, um die Bildekräfte nachzuweisen. Sicher­lich tat er dies mit Rudolf Stein­ers Wis­sen und Ein­ver­ständ­nis. Diese Exper­i­mente betrafen zunächst das Bildege­setz, wie es durch tierische Sub­stanzen über­tra­gen wird (s.o. S. 126). Mit ein­er Demon­stra­tion für eine Jugend­gruppe unter­nahm er bere­its 1925 den Ver­such, Natur­wis­senschaft nach goetheanis­tis­ch­er Meth­ode zu prak­tizieren, sodass die Phänomene sich selb­st aussprechen und sich wech­sel­seit­ig erk­lären, ohne sie mit irgen­dein­er The­o­rie oder Hypothese zu belas­ten, wie er es selb­st beschreibt (s.o. S. 127). Im Fort­gang forschte und entwick­elte er die Meth­ode der ‚Empfind­lichen Kristalli­sa­tion‘ und pub­lizierte sie später auch.

Doch im Gegen­satz zu vie­len anderen anthro­posophis­chen Forsch­ern, lag Ehren­fried Pfeif­fer nichts an ein­er beweisenden Meth­ode, wie die herkömm­liche Natur­wis­senschaft sie fordert. Sein Zeil war etwas anderes. Er schrieb: „Auf einem … Gebi­et, dem der Kristalli­sa­tions­forschung, machte ich eine sehr merk­würdi­ge Erfahrung. Die Kristalli­sa­tions­forschung wurde begonnen, um die «anschauende Urteil­skraft» in Bezug auf die Leben­sprozesse zu studieren: das heißt, um mit den ätherischen und bilden­den Kräften mehr ver­traut zu werden. …

Eines Tages, im Win­ter 1939 (ich kann dies in kein­er anderen Weise angeben), suchte mich eine Del­e­ga­tion geistiger Wesen auf und sagte mir in etwa Fol­gen­des: «Wir sind die Wesen, die es braucht, um in den physis­chen und chemis­chen Naturkräften in solch­er Art zu wirken, dass die Bildekräfte sicht­bar wer­den kön­nen. Wir haben dir in deinem Bemühen geholfen, denn wir hofften, dadurch würde bei jenen Men­schen, die mit den Kristalli­sa­tions­bildern in Berührung kom­men, die Fähigkeit der «anschauen­den Urteil­skraft» entwick­elt. Wir fühlen, dass wir nur für die Erken­nt­nis des Ätherischen behil­flich sein dür­fen. Du hast nach Wegen gesucht, die ätherischen Bildekräfte sicht­bar zu machen, doch andere Men­schen wollen daraus Beweise mate­ri­al­is­tis­ch­er Art machen. Das liegt nicht in der ursprünglichen Inten­tion der geisti­gen Welt, die den Mate­ri­al­is­mus durch die imag­i­na­tive Erken­nt­nis erset­zen will.»

Die Kon­se­quen­zen, die ich aus diesem Gespräch ziehen musste, waren, dass ich per­sön­lich nur solche Kristalli­sa­tio­nen durch­führen oder durch­führen lassen kann, die einen der­ar­ti­gen Miss­brauch in den Augen der geisti­gen Welt nicht zulassen.” (s.o. S. 133f)

Nach all­ge­mein­er Auf­fas­sung nahm Ehren­fried Pfeif­fer das von Rudolf Stein­er anver­traute Geheim­nis um die Vril-Kraft mit ins Grab. Doch vielle­icht gibt es doch einen Hin­weis, der bish­er nicht ver­standen wurde.

Paul Scharff wurde von Ehren­fried Pfeif­fer in die von ihm entwick­elte Kristalli­sa­tion­sar­beit einge­führt. Er schreibt: „Ehren­fried Pfeif­fer führte mich in die Kristalli­sa­tion­s­meth­ode ein und lehrte mich, die Kristalli­sa­tions­bilder zu lesen. Wir hat­ten über die Meth­ode und ihre Anwen­dung tägliche Gespräche. Ich war davon beein­druckt, dass er kein­er­lei Inter­esse daran hat­te, die Meth­ode als Beweis­test zu ver­wen­den. Sie sollte lediglich der Aus­bil­dung ein­er «Form»-Wahrnehmung dienen und auf wis­senschaftlich­er Basis eine neue Erken­nt­n­is­fähigkeit erweck­en. Das ganze Ver­fahren sollte dazu dienen, bei bes­timmten Men­schen die Fähigkeit zur Wahrnehmung der Äther­welt auszu­bilden. Was mich fern­er beein­druck­te, war die Tat­sache, dass beim Lesen der Kristalli­sa­tions­bilder, die soge­nan­nte Abwe­ichun­gen auf dem Hin­ter­grund eines Urbildes betra­chtet wur­den: Das Urbild, das Pfeif­fer hier­bei ver­wen­dete, war die Kreuzi­gungsszene, mit drei Kreuzen. Das mit­tlere Kreuz war das, an dem der Gekreuzigte hing; rechts und links davon befan­den sich die Kreuze mit den bei­den Ver­brech­ern. Diese bei­den Ver­brech­er wur­den in diesem Urbild als Men­schen betra­chtet, in denen Luz­ifer und Ahri­man sich betätigt hat­ten. Während die Abwe­ichun­gen der Kristalli­sa­tio­nen beobachtet wur­den, stand dieses Urbild also im Hin­ter­grund. Wenn schon die Kristalli­sa­tion­s­meth­ode selb­st etwas völ­lig Ungewöhn­lich­es war; noch ungewöhn­lich­er war es, das Urbild des Mys­teri­ums von Gol­gatha zu ver­wen­den, um die Kristalli­sa­tions­bilder zu lesen. Der kranke Men­sch kann so im Licht der Wirk­samkeit von Luz­ifer und Ahri­man betra­chtet wer­den, während der Große Heil­er in der Mitte des Geschehens ste­ht.“ (Paul Scharff in: Ehreren­fried Pfeif­fer 1899 – 1961 Ein Leben für den Geist, Hrsg. Thomas Mey­er, S. 224f, Her­vorhe­bun­gen A.F.)

Woher kam diese Idee von Ehren­fried Pfeif­fer, die Ergeb­nisse der Kristalli­sa­tio­nen vor dem Hin­ter­grund des Kreuzi­gungs­bildes zu inter­pretieren? War diese in höch­stem Maße ungewöhn­liche Idee wirk­lich seine Idee? Führte er hier nicht vielle­icht fort, was Rudolf Stein­er ihn im Zusam­men­hang mit der Vril-Kraft gelehrt hat­te? Zwar hat­te er ver­sprochen, über den Inhalt dieser Ver­suche Stillschweigen zu bewahren, doch das schließt nicht aus, dass er diese Anre­gun­gen nicht in seine weit­ere Arbeit ein­fließen ließ.

Die Ver­suche wur­den, so schreibt er, auf Glas­plat­ten von 9 cm Durchmess­er durchge­führt, d.h. auf ein­er kreis­run­den Scheibe. Und die Ergeb­nisse “framte” er mit der Kreuzi­gungs-Ikono­gra­phie der drei Kreuze. Wie diese drei Kreuze den drei Bere­ichen des Jahreskreis­es entsprechen — der mon­denar­ti­gen Oster­scholle, dem son­nen­gle­ichen Zen­trum und dem Stern­bere­ich um Michaeli ‑das habe ich im Blo-Artikel zu den Gegen­sprüchen 14 N — 39 n dargestellt (https://www.stellamaris-seelenkalender.de/?page_id=2997). Inwiefern für Ehren­fried Pfeif­fer der Jahreskreis hin­ter dem Bild der dreifachen Kreuzi­gung stand, kann ich nicht sagen — für Rudolf Stein­er nehme ich es als sich­er an.

Die Empfind­liche Kristalli­sa­tion mit dem Deu­tungss­chlüs­sel der dreifachen Kreuzigung

Ist diese Vril-Kraft heute ent­deckt? Wohl eher nicht. Doch es scheint mir, dass mit dem Inter­net und der KI etwas in die Welt getreten ist, was als die ins Unter­sinnliche gedrück­te Vril-Kraft ange­se­hen wer­den kann. KI wird durch die unendliche Menge an Infor­ma­tio­nen gespeist. Sie spe­ichert und hält vor­rätig bere­its Gedacht­es, Gelebtes und gibt es geschickt kom­biniert wieder von sich. Gle­ichzeit­ig fes­selt diese Kraft die Aufmerksamkeit.

Eine erfahrene Exper­tin für Daten­strate­gien, KI-Forschung und Inter­netkul­tur ist Abi Awom­o­su. Sie sagt über sich, wenn man ihrem Link fol­gt: “Dig­i­tal Gri­ot. Author of How Not to Use AI. Ex-Big Tech insid­er with an outsider’s per­spec­tive, telling a dif­fer­ent sto­ry about AI. Not a tool you com­mand but a medi­um you craft with.” Ein Gri­ott ist eine Art west­afrikanis­ch­er Troubadur, ein Geschicht­en­erzäh­ler, Musik­er und Bewahrer mündlich­er Über­liefer­ung. Sie nen­nt unsere Zeit das Vorstel­lungszeital­ter, in dem die Lenkung der Aufmerk­samkeit die Macht ist, die wirkt. Sie beschreibt, dass KI vor­rangig solche Werkzeuge zur Ver­fü­gung stellt, die typ­isch weib­lichen Auf­gaben­bere­ichen entsprechen.

Abi Awom­o­su schreibt (über­set­zt aus dem Englis­chen durch KI): “Der Kap­i­tal­is­mus hat immer zwei Volk­swirtschaften benötigt, um zu funktionieren:

Die pro­duk­tive Wirtschaft — Dinge machen, Dinge bauen, die Fab­rik, das Büro, die sicht­bare Arbeit, die gemessen und kom­pen­siert wird. Männlich-codiert. Bezahlt.

Die repro­duk­tive Wirtschaft – die Arbeit­er in die Lage zu brin­gen, zu arbeit­en. Sie zu füt­tern, sie zu bek­lei­den, ihre Zeit­pläne zu ver­wal­ten, sie an ihre Ter­mine zu erin­nern, ihre Emo­tio­nen aufz­u­fan­gen, ihren Kör­p­er und Geist zu erhal­ten und die näch­ste Gen­er­a­tion von Arbeit­ern zu erziehen. Fem­i­nin-codiert. Unbezahlt oder unterbezahlt.

Die zweite Wirtschaft war immer unsicht­bar. Die erste kön­nte ohne sie nicht existieren.

Die fem­i­nis­tis­che Ökonomin Sil­via Fed­eri­ci ver­fol­gt diese Struk­tur in Cal­iban und der Hexe: Die unbezahlte Hausar­beit der Frauen war nie für den Kap­i­tal­is­mus zufäl­lig. Es war grundle­gend. Die Fab­rik kön­nte nicht ohne das Haus laufen. Der pro­duk­tive Arbeit­er kon­nte nicht pro­duzieren, ohne dass jemand sein Leben aufrechterhielt.

Die Frau zu Hause war nicht option­al. Sie war Infra­struk­tur. Das Betrieb­ssys­tem läuft im Hin­ter­grund, damit das sicht­bare Sys­tem funk­tion­ieren kann.

Schauen Sie sich an, was sie tat: sich an Ter­mine erin­nerten, Zeit­pläne ver­wal­teten, den Haushalt organ­isierten, die Bedürfnisse erken­nen, bevor sie aus­ge­sprochen wur­den, Emo­tio­nen prozessieren, soziale Verbindun­gen pfle­gen, Geburt­stage erin­nern sowie Medika­mente und Schul­ver­anstal­tun­gen im Blick behal­ten. Sie tru­gen die “geistige Belastung”.

Schauen Sie sich nun an, was KI-Assis­ten­ten und “sec­ond brain” ‑Tools zu tun haben: Ter­mine spe­ich­ern, Zeit­pläne ver­wal­ten, Infor­ma­tio­nen organ­isieren, Bedürfnisse antizip­ieren, emo­tionale Anfra­gen bear­beit­en, Daten­verbindun­gen pfle­gen, alles ver­fol­gen, die kog­ni­tive Belas­tung tragen.

Der Trend des „zweit­en Gehirns“ – Notion, Obsid­i­an, Roam, die gesamte Branche des per­sön­lichen Wis­sens­man­age­ments – wird als „extendierende Kog­ni­tion“ und „Pro­duk­tiv­ität“ ver­mark­tet. Aber die Funk­tion, die es aus­führt, ist die Frau-Funktion.

Die Frau war immer das zweite Gehirn. Das zweite Gehirn ist immer eine Frau.

Und es gibt eine Pipeline, die die Indus­trie nicht nen­nen wird. Jahrzehn­te­lang war das Muster: Weigern Sie sich, die Hausar­beit zu ler­nen, und die Frau absorbiert sie. Das neue Muster ist iden­tisch: Weigern Sie sich, die Arbeit zu ler­nen, und bauen Sie eine KI, um sie aufzunehmen. Die Struk­tur hat sich nicht verän­dert. Was sich geän­dert hat, ist, dass es am anderen Ende keine Per­son mehr gibt, die sich über die Verteilung ärg­ert — keine Ver­hand­lun­gen, keine Kon­fronta­tion, keine Abrech­nung. KI automa­tisiert nicht nur die men­tale Belas­tung. Es verdeckt auch, dass die men­tale Belas­tung existiert und anerkan­nt wer­den muss.

Es ist kein zweites Gehirn. Es ist eine zweite Frau.” (Abi Awom­o­su)

Ist die Vril-Kraft also die Kraft des Bewusst­seins, noch bevor dieses Bewusst­seinslicht ergrif­f­en wird durch die drei See­len­fähigkeit­en Denken, Fühlen und Wille? Ist Vril die her­vor­brin­gende, weib­liche geistige Kraft, die den drei in der Seele regieren­den geisti­gen “Köni­gen”, den damit männlich kon­notierten drei See­len­fähigkeit­en als Grund­lage dient? Und erleben wir diese Kraft her­abge­drückt ins Unter­sinnliche als das Inter­net und die KI?