Die spiegelnden Mantren 16 P und 37 l
16 P Zu bergen Geistgeschenk im Innern, Gebietet strenge mir mein Ahnen, Dass reifend Gottesgaben In Seelengründen fruchtend Der Selbstheit Früchte bringen. .…. |
WINTER 37 l Zu tragen Geisteslicht in Weltenwinternacht Erstrebet selig meines Herzens Trieb, Dass leuchtend Seelenkeime In Weltengründen wurzeln, Und Gotteswort im Sinnesdunkel Verklärend alles Sein durchtönt. |
Musik zum Mantra 16 P — großmütig — komponiert von Herbert Lippmann
Musik zum Mantra 37 l — plaudernd — komponiert von Herbert Lippmann
Über die Spiegelsprüche 16 P und 37 l
Die Mantren 16 P und 37 l sind aus der Perspektive eines wach beobachtenden Ich-Sprechers geschrieben. Die ersten vier Zeilen spiegeln, die fünfte (16 P) bzw. fünfte und sechste Zeile (37 l) nicht. Das bedeutet, dass die beiden geschilderten Prozesse am Schluss unabhängig voneinander sind, sie verselbständigen sich. Die vier spiegelnden Zeilen davor zeigen ihre Bezogenheit aufeinander.
Das Mantra 37 l ist das Mantra der dritten Adventswoche. Die Adventszeit kann als Durchgang durch die Naturreiche bis zum Menschenreich erlebt werden. Dann entspricht die Woche des 1. Advent (35 i) dem Mineralreich, die Woche des 2. Advent (36 k) dem Pflanzenreich, die Woche des 3. Advent (37 l) dem Tierreich und die Woche des 4. Advent und der Heiligen Nacht (38 m) dem Menschenreich. Das Charakteristische des Tierreichs ist die Entwicklung von Bewusstsein und selbständiger Bewegung. Doch Selbstbewusstsein, das Vermögen, sich selbst gegenüber zu stehen, sich zu reflektieren und als stiller Beobachter wie von außen zu betrachten, das ist in seiner entwickelten Form nur dem Menschen möglich.
Beide Mantren beginnen mit einer Intention, einer vom Ich-Sprecher geforderten Handlung. Erst danach wird jeweils deutlich, wer diese Forderung stellt und was ihr Ziel ist. Die Mantren beginnen also mit einem starken Willensimpuls. Doch wer ist jeweils das handelnde Subjekt? Im Mantra 16 P ist es das Ahnen des Ich-Sprechers, im Mantra 37 l der Trieb seines Herzens.
Ahnen (16 P) hängt mit den Ahnen, unseren Vorfahren, zusammen. Rudolf Steiner sagt über den in alten Zeiten gepflegten Ahnenkult: “Den [nach dem Tod im Kosmos erhaltenen] Ätherleib ihres Ahnen nahmen die Leute in ihrem alten atavistischen, traumhaften Hellsehen wahr, verehrten dasjenige, was sich ihnen offenbarte durch diesen Ätherleib. Aber zwischen dem Tod und einer neuen Geburt kommt dieser Ätherleib in Berührung mit den Geistern der höheren Hierarchien, vor allen Dingen mit den Geistern aus der Hierarchie der Archai, der Zeitgeister. Und weil der Betreffende eine für die Menschheitsentwickelung bedeutsame Persönlichkeit war, so verband er sich mit dem Zeitgeist, der die Menschheitsentwickelung um ein Stück vorwärts brachte. … Überall, wo wir zurückgehen bis in die Zeiten, die noch als graue Zeiten die Geschichte sehen kann, finden wir, daß die Menschen verehrten die ätherischen Leiber ihrer Vorfahren als Offenbarungsmittel der Zeitgeister. Also indem wir zu den Ahnenkulten zurückgehen, haben wir die Verehrung der Zeitgeister, der Archai.” (Lit.: GA 172, S. 200ff)
Es ist also der durch den Ahnen sprechende Zeitgeist, der im Mantra 16 P streng gebietet.
Das Ahnen ist im Mantra ein substantiviertes Verb. Es ist einerseits Tätigkeit, andererseits handelndes Subjekt. In meiner Beobachtung ist Ahnen ein tastendes, inneres Wahrnehmen. Wenn ein Sachverhalt geahnt wird, taucht das Wissen unscharf und nebelhaft am Horizont des Bewusstseins auf. Ahnen ist die Dämmerungszone der Bewusstseinssonne. Ahnen ist möglicherweise auch die vom Kopf zu unterscheidende Verstandeskraft des Herzens. Das Herz, so weiß man heute, verfügt über Nervenzellen, die verdeutlichen, dass das Herzen ein eigenes Bewusstsein hat. “Dr. J. Andrew Armour hat bereits 1991 den Begriff Herzgehirn eingeführt. Dieses „Herzgehirn“ besitzt, wie auch das eigentliche Gehirn, ein komplexes Netzwerk von Neuronen, Neurotransmittern, Proteinen und Helferzellen. Das Herzgehirn kann unabhängig vom Kopfgehirn agieren und verfügt über ausgeprägte sensorische Fähigkeiten.” (HeartMath Deutschland) Und in Versuchen hat sich gezeigt, dass das Herz oft ein intuitives Vorwissen von Ereignissen hat. Es ahnt sie voraus.
Das Ahnen hängt also möglicherweise mit dem wahrnehmenden Bewusstsein des Herzens zusammen. Und dieses ahnende Bewusstsein ist nicht in gleichem Maße an die lineare Zeit gebunden wie das Kopf-Bewusstsein. Das Herz-Bewusstsein steht in Verbindung mit den Ahnen und kennt die Zukunft.
Mit Trieb (37 l) meint Rudolf Steiner das Wirken des Willens im Ätherleib. “Im physischen Leib ist der Wille Instinkt; sobald der Ätherleib sich des Instinktes bemächtigt, wird der Wille Trieb. … Von Instinkt wird man immer so sprechen, daß er, wenn er sich im Tiere oder in seiner Abschwächung im Menschen vorfindet, dem Wesen von außen aufgedrängt ist; beim Trieb ist schon daran zu denken, daß das, was sich in einer mehr verinnerlichten Form äußert, auch mehr von innen kommt, weil der übersinnliche Ätherleib sich des Instinktes bemächtigt und dadurch der Instinkt zum Trieb wird.
Nun hat der Mensch auch noch den Empfindungsleib. Der ist noch innerlicher. Er ergreift nun wieder den Trieb, und dann wird nicht nur eine Verinnerlichung erzeugt, sondern es wird Instinkt und Trieb auch schon ins Bewußtsein heraufgehoben, und so wird daraus dann die Begierde.“ (Lit.: GA 293, S. 66f, Hervorhebung A.F)
Der Trieb des Herzens lebt also im Ätherleib, im Zeitenleib. Er ist der ins Ätherische erhobene Instinkt des Herzens. Was will das Herz instinktiv? Was wird dann Trieb — treibt das Herz? Ist es der Wille, den großen Puls der Zeit im Kleinen nachzuahmen, ihn im Kleinen zu verkörpern und mit ihm Schritt zu halten? Und ist der Trieb des Herzens dann vielleicht das Streben nach Harmonie von innen und außen, kleinem und großem Puls? Im weiteren Sinn könnte der Trieb des Herzens auch der Wille zur Entwicklung sein.
Beide handelnden Instanzen, — das Ahnen unausgesprochen und der Trieb des Herzens ausgesprochen, — sind im Herzen lokalisiert. Sie bilden, denke ich, die Bewusstseins- und die Willensseite des Herzens.
Das Ahnen (16 P) gebietet streng, der Trieb des Herzens (37 l) erstrebt selig. Dadurch zeigt sich das Ahnen als eine “elterliche”, autoritäre von außen bestimmende Kraft, der Trieb des Herzens als eine von innen selig strebende, intrinsisch motivierte Kraft. Im Mantra 16 P wird ein von Außen nach Innen gehender Prozess initiiert, im Mantra 37 l ein von innen nach außen gehender. Diese Bewegungen setzen sich im Verlauf der Mantren fort.
Das Ahnen (16 P) des Ich-Sprechers gebietet, etwas im Innern zu bergen. Bergen bedeutet nicht verbergen, im Sinne von Verstecken, sondern es nach innen zu nehmen, zu “retten” und dort zu behüten. Der Trieb des Herzens (37 l) erstrebt etwas zu tragen, es in die Welt zu tragen, nach außen zu bringen.
Und was soll jeweils bewegt werden? Im Mantra 16 P ist es das Geistgeschenk, das im Innern geborgen werden soll. Im Mantra 37 l ist es das Geisteslicht, das in Weltenwinternacht getragen werden soll. Geistgeschenk und Geisteslicht sind beides geistige Subjekte, sie sind selber Geist.
Das Geisteslicht (37 l) ist das im Herzen, durch die Ätherisation des Blutes aufkeimende Bewusstseinslicht des Menschen, dass dieser als bewusstes, wahrnehmendes und denkendes Wesen in die Welt strahlt. Es ist die Sonnenkraft des Menschen. Zwar ist Bewusstsein auch Tieren in abgestuften Graden eigen, doch können sie dieses Licht nur für ihren Lebens- und Arterhalt einsetzen. Sie haben nicht wie der Mensch die Freiheit, ihre Aufmerksamkeit Zielen selbstlos zu widmen, Schönheit zu erschaffen, altruistisch zu helfen, philosophische Fragen zu erörtern.
Und das Geistgeschenk (16 P), was ist damit gemeint? Die Wahrnehmungsfülle der Erdenwelt könnte das Geistgeschenk sein. Die Wahrnehmungen nimmt der Mensch von außen auf und birgt sie in Form von Vorstellungen im Innern. Dieses Nach-Innen-Nehmen beschreibt Rudolf Steiner als Ziel der Menschheitsentwicklung: “Einer, der die ganzen irdischen Erfahrungen aufgenommen hat, so daß er von einem jeglichen Dinge weiß, wie es verwertet werden kann und so ein Schöpfer geworden ist, wird ein Bodhisattva genannt, das heißt ein Mensch, der Bodhi, die Buddhi der Erde, genugsam in sich aufgenommen hat. Dann ist er reif, aus den innersten Impulsen heraus zu wirken. Die Weisen der Erde sind noch nicht Bodhisattvas. Auch für einen Weisen gibt es immer noch Dinge, in denen er noch nicht vermag sich zurechtzufinden. Erst wenn man das gesamte Wissen der Erde in sich aufgenommen hat, um schaffen zu können, ist man ein Bodhisattva. Buddha, Zarathustra zum Beispiel, waren Bodhisattvas.“ (Lit.: GA 93a, S. 54)
Doch ganz stimmig ist es nicht, denn das Geistgeschenk ist ein einziges, die Wahrnehmungen sind dagegen eine Vielzahl, viele Geistgeschenke. Möglicherweise ist das Leben in der Dualität und damit die Außenwelt als Ganzes das Geistgeschenk. Nur weil es ein fremdes Außen gibt, kann der Mensch seine Innenwelt als sein Eigen betrachten, in die er das Außen wahrnehmend aufnimmt. Und nur durch diese Dualität hat der Mensch die Möglichkeit, sein Ich zu entwickeln.
Und schließlich könnte der Tod das Geistgeschenk sein, denn latente Todesprozesse sind es, die den Lebensstrom im Herzen in Bewusstseinslicht verwandeln. Die Todeskraft ist Geist erschaffende Kraft. Überwiegen die vegetativen Kräfte, schläft der Mensch. Dann weilen Ich und Astralleib außerhalb seines belebten Leibes. Das mit den Ahnen, den Verstorbenen, verbundene Ahnen, die noch nicht zum Wissen gewordene Erkenntniskraft gebietet streng, das Geistgeschenk im Innern zu bergen. Das Ahnen, das vom Tod Kenntnis hat, befiehlt dieses Geschenk des Geistes im Innern zu bergen — die Todeskraft im Innern zu beherbergen.
Laut Rudolf Steiner ist der Tod der wahre Name des Vatergottes. Im Zusammenhang mit dem Christuswort “Ich bin vom Vater ausgegangen, und gekommen in die Welt: wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.” (Joh. 16:28) erläutert Rudolf Steiner: “Nun leuchtet in den Jüngern auf, weil sie reif geworden sind, dass die Welt, wie sie um sie herum ist, der äußere Ausdruck des Vaters ist, und dass dasjenige, was das Bedeutsamste an der äußeren Welt ist — da, wo die äußere Welt am meisten Maja oder Illusion ist -, der Ausdruck des Vaters ist: dass der Tod der Name ist für den Vater. …
Jetzt wussten die Jünger, dass die wahre Gestalt des Todes im göttlichen Vater-Geist begründet ist, dass der Tod, wie er angeschaut wird von den Menschen und empfunden wird, eine trügerische Erscheinung ist, ein Irrtum. So enthüllt der Christus seinen Jüngern den Namen des Todes, hinter dem sich verbirgt der Quell des höchsten Lebens. Nimmermehr wäre die neue Lebens-Sonne entstanden, wenn nicht der Tod in die Welt gekommen wäre und sich hätte überwinden lassen von dem Christus. So ist der Tod, in seiner wahren Gestalt angesehen, der Vater. Und der Christus ist in die Welt gekommen, weil von diesem Vater ein falsches Spiegelbild entstanden ist im Tode. Und der Christus ist in die Welt gekommen, um die Wahre Gestalt, ein wahres Nachbild des lebendigen Vater-Gottes zu schaffen. Der Sohn ist der nachkomme des Vaters, der die wahre Gestalt des Vaters offenbart. Wahrhaftig, der Vater hat seinen Sohn in die Welt geschickt, damit die wahre Natur des Vaters offenbar werde, das heißt, das ewige Leben, das sich hinter dem zeitlichen Tode verbirgt.” (GA 112, 253f)
Der Vater-Gott kann nicht direkt wahrgenommen werden, doch das Ahnen im Mantra 16 P hat die Kenntnis der wahren Gestalt des Vaters bewahrt. Mit “väterlicher Strenge” gebietet das Ahnen, das Geistgeschenk der Bewusstseinserweckung, der Todeskraft, im bis dahin ausschließlich von Leben durchdrungenen Leib zu bergen.
Das Geisteslicht im Mantra 37 l soll oberflächlich betrachtet nach Außen, in Weltenwinternacht, in die winter-kalte, nacht-dunkle Welt getragen werden. Doch Weltenwinternacht weist auf das Winter-Halbjahr hin, das laut Rudolf Steiner für das Denken steht, wie das Sommer-Halbjahr für die Wahrnehmung. Das Geisteslicht soll also in den stets als kalt erlebten Verstand, in das Winter-Sein des Menschen getragen werden. Mit dem Verstand denkt der Mensch über die Welt nach — und diese Welt ist ihm zunächst dunkel, solange ihm kein Sinnzusammenhang einleuchtet. Der Wille im Herzen, der Trieb, strebt danach, das im Herzen durch die Ätherisation des Blutes entstehende Bewusstsein, das Geisteslicht, dem Denken zur Verfügung zu stellen. Und diese Streben ist selig. Auch dieses Wort hat mit den Verstorbenen zu tun, werden diese doch auch die “Seligen” genannt, “Gott hab’ sie selig”.
Nun folgt in beiden Mantren, was sich aus der ersten Handlung ergeben soll. In beiden Mantren werden dazu Beschreibungen aus der Pflanzenwelt verwendet: reifend, fruchtend, Früchte bringend (16 P) bzw. Seelenkeime, wurzeln (37 l). Darin liegt ein Hinweis, dass es hier um Lebensprozesse geht.
Im Mantra 16 P soll das Geistgeschenk im Innern geborgen werden, damit reifende Gottesgaben, während sie in Seelengründen fruchten, der Selbstheit Früchte bringen. Anders als beim Geistgeschenk handelt es sich bei den Gottesgaben um eine Vielzahl, mindestens zwei. Ich denke, dass es sich um Wahrnehmung und Denken handelt — oder um die drei Seelenfähigkeiten Denken, Fühlen und Wollen. Beide Varianten können als Gottesgaben angesehen werden. Beide müssen sich entwickeln und heranreifen. Und beide fruchten, befruchten die Seelengründe und bringen damit der Selbstheit Früchte. Den Begriff der Selbstheit verwendet Rudolf Steiner für das irdische Ich. Im Zusammenhang mit dem Blut, das aus der Seitenwunde des Christus bei der Kreuzigung floss, erläutert er: “Überall, wo Blut ist, ist das Selbst. Sollen alle alten Selbstgemeinschaften aufhören, dann muß die Selbstheit, die im Blute sitzt, einmal hingeopfert werden.” (GA 97, Vortrag: 2. 12. 1906, Das Mysterium von Golgatha, S. 75) Im Mantra soll der geschilderte Prozess der Selbstheit Früchte bringen. Die Selbstheit soll bereichert werden. Ich verstehe die Selbstheit als das noch mit dem Astralleib verbundene irdische Ich. Im Begriff für den vergeistigten, vom Ich umgearbeiteten Astralleib, dem Geistselbst, ist das Selbst enthalten. Die Selbstheit erhält die Früchte der reifenden Gottesgaben, um Geistselbst zu werden.
Im Mantra 37 l soll das Geisteslicht in Weltenwinternacht getragen werden, damit leuchtende Seelenkeime in Weltengründen wurzeln. Das Geisteslicht steht mit den leuchtenden Seelenkeimen in unausgesprochenem Zusammenhang. Ich denke mir, dass das Geisteslicht sich in Lichtfunken teilend in die drei Seelenfähigkeiten leuchtet und dort im Denken, Fühlen und Wollen zu Seelenkeimen wird. Wenn Bewusstsein sich mit den Fähigkeiten der Seele verbindet, keimt Seelensubstanz auf, die sich mit der Welt verbinden will — die in Weltengründen wurzeln will. Das Denken will über Wahrgenommenes nachdenken, das Fühlen dem Außen begegnen, der Wille handeln und die Welt verändern. Die Seelenfähigkeiten wollen mit der Welt zusammenwachsen, in ihr wurzeln. Durch diesen Prozess hindurch wirkt ein zweiter. Das Gotteswort durchtönt das Sein im Sinnesdunkel und verklärt es. Das Mantra sagt eigentlich, dass das Gotteswort das Sein verklärt, indem der Mensch Bewusstseinslicht in sein mit der Welt sich auseinandersetzendes Denken trägt, damit die drei Seelenfähigkeiten wie leuchtende Seelenkeime sich mit der Welt verbinden, darin wurzeln.
Die Gottesgaben sind reifend (16 P), die Seelenkeime leuchtend (37 l). Reifen beschreibt einen Lebensprozess, Leuchten einen Bewusstseinsprozess. Gottesgaben, Geschenke sind etwas Vollendetes, Keime, Seelenkeime beginnen gerade erst ihren Entwicklungsprozess.
In beiden Mantren wird ein Ort der Tiefe in der Mehrzahl genannt, die Gründe, in denen etwas geschieht. Im Mantra 16 P sind es die Seelengründe, im Mantra 37 l die Weltengründe. Der Mehrzahl der Gottesgaben und Seelenkeime scheinen ebenso viele Seelen- bzw. Welten-Gründe zu entsprechen. Die Gottesgaben fruchten, wirken befruchtend in den Seelengründen, die Seelenkeime wurzeln in den Weltengründen. Die Prozesse beider Mantren scheinen nahtlos ineinander überzugehen. Die fruchtenden Gottesgaben, die Befruchtung der Seele führt zu Seelensamen — zu Seelenkeimen, die Wurzeln schlagen in der Welt.
Die Mantren stehen zueinander wie Ein- (16 P) und Ausatmung (37 l). Mit dem ersten Atemzug, dem Bergen der Luft im Innern (16 P), ist auch der letzte Atemzug, der Tod, schon vorbestimmt. Die Einatmung bringt der Selbstheit Früchte. Sie ermöglicht dem Menschen zu leben und zu lernen. Mit dem Ausatemstrom trägt der Mensch Todeskraft und damit Geisteslicht (37 l) in die Welt. Das ermöglicht dem Gotteswort, die Welt zu durchtönen.