Die Gegensprüche 14 N und 39 n

SOMMER

14 N

An Sin­nesof­fen­barung hingegeben

Ver­lor ich Eigen­we­sens Trieb,

Gedanken­traum, er schien

Betäubend mir das Selb­st zu rauben,

Doch weck­end nahet schon

Im Sin­nen­schein mir Weltendenken.

.….

39 n

An Geis­te­sof­fen­barung hingegeben

Gewinne ich des Wel­tenwe­sens Licht.

Gedankenkraft, sie wächst

Sich klärend mir mich selb­st zu geben,

Und weck­end löst sich mir

Aus Denker­ma­cht das Selbstgefühl.

Die Eurythmieformen zu den Mantren 14 N und 39 n

Über den Buchstaben “N”

Das N ist ein nasaler Ver­schlus­slaut, eben­so wie das M, doch wird der Ver­schluss nicht durch die Lip­pen, son­dern durch die Zun­gen­spitze und die Zun­gen­rän­der an der Zah­n­rei­he des oberen Gau­mens gebildet. Dadurch ist das N ein soge­nan­nter Zahn­laut. So begeg­net sich nicht zweimal die gle­iche Qual­ität, wie beim M die Ober- und Unter­lippe, son­dern die lebendig-bewegliche, weiche Zunge berührt die fest­ste­hen­den, harten, fast toten Zähne. Dadurch tre­f­fen gegen­sät­zliche Qual­itäten aufeinan­der. Das Verän­der­liche — die Zunge — hebt sich zum Dauer­haften — der Zah­n­rei­he — empor.

Rudolf Stein­er beschreibt den Charak­ter des N nur sparsam und wider­sprüch­lich: “N ist das Sich-in-sich-zurückziehen.” (GA 280 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 271) Gle­ichzeit­ig sagt er: “Ein N drückt immer etwas aus, … das leicht fließt.” (GA 282, in: Die Sprache der Laute, S. 280) Außer­dem lehre es den Sprech­er, Ver­ach­tung auszu­drück­en: “intonieren Sie: n und machen Sie
die ver­ach­t­ende Gebärde, Sie begleit­en das mit n n n n n.” (GA 282, S. 248) Wie alle Stoßlaute hat auch das N die Nei­gung, feste For­men in der Luft zu bilden und Rudolf Stein­er sagt, eigentlich wür­den wir uns wun­dern, dass beim N keine “Tier­schwänze herum­fliegen.” (eben­da, S. 344) Kurz darauf sagt er, dass bei der Into­na­tion des N die Vorstel­lung eines Blät­terkranzes, wie ihn der Wald­meis­ter aus­bildet, hil­fre­ich sei: “Und es ist von einem großen Vorteil, wenn wir n sprechen, uns den Wald­meis­ter vorzustellen, der da oben solch einen Kranz von Blät­tern hat.” (eben­da, S. 344) Ich denke bei diesem Bild an die Ganzheit des Jahreskreises.

Ein wider­sprüch­lich­es Spek­trum an Bedeu­tun­gen zeigen auch die alten Alpha­bete. Im gotis­chen Alpha­bet des Wul­fi­la heißt der Buch­stabe N ‘Noitz’ auch ’nauths’, die Not. Bei den Angel­sach­sen heißt er ‘Nead’ mit der Grundbe­deu­tung ‘Not, Zwang, Gewalt’. Das nor­wegis­che Runengedicht lautet:

Not macht bedrängte Lage;

den Nack­ten friert’s im Froste.

Und der isländis­che Runen­reim sagt:

Not (Knechtschaft, Zwang) ist Kum­mer der Magd

und har­ter Stand

und müh­selige Arbeit.

(in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute S. 271)

Das N ist hier der Laut der Not und der Bindung. Auf rus­sisch ist ‘Nauz’ der Knoten, der ver­schieden gebun­den ganz ver­schiedene Zauber wirken kann. Das N wird hier sicht­bar als Laut der karmis­chen Schick­sals­bindung, der der Men­sch unter­liegt. Die Offen­barerin­nen solch­er Schick­sal­snotwendigkeit sind die ‘Nor­nen’ der ger­man­is­chen Mytholo­gie. Sie ’spin­nen’ den ‘feinen’ ‘Lebens-Faden’, das ‘Netz’ der sozialen Beziehun­gen, das ‘Garn’ der eige­nen Geschichte. “Das N beugt das Knie als ein nieder­er Knecht.”, sagt Ernst Moll (Die Sprache der Laute, S. 273)

Viel sagt das Fis­cheze­ichen aus über das N, dem Rudolf Stein­er diesen Laut zuord­net. Es ist das Zeichen der irdis­chen Gebun­den­heit, des schw­eren Schick­sals. Die Fis­che haben eine Beziehung zum 12. Haus,  mit den The­men Endlichkeit, Krankheit und Tod. Jedem Tierkreisze­ichen entspricht auch ein Kör­perteil — den Fis­chen das unter­ste, die Füße. Hier endet der Men­sch, der mit Wid­der, dem Kopf begann. Schre­it­et die Sonne weit­er, muss beim Über­gang von den Fis­chen zum Wid­der ein ganz neuer Anfang gemacht wer­den. Daher kommt der N‑Charakter des ‘Endes’ und des ‘Endlichen’, sowie auch der Vor­silbe ‘ent-’ wie bei ‘Ent’-fernung, ‘Ent’-scheidung, ”Ent’-wicklung. Mit den Füßen geht der Men­sch seinen Lebensweg und berührt die Erde bei jedem Schritt — und löst sich im Heben des Fußes wieder von ihr. Im ‘Ren­nen’ ste­ht der nur flüchtig die Erde berührende und schnell wieder sich lösende Aspekt des N im Vordergrund.

Im Urchris­ten­tum wurde Chris­tus als der sich erniedri­gende, dienende, sich opfer­nde Gott mit dem Fis­cheze­ichen zusam­menge­bracht. Die Fußwaschung (Joh 13,1–11) am Abend vor sein­er Kreuzi­gung ist Aus­druck dieser sich demütig neigen­den N‑Qualität. Was von göt­tlich­er Per­spek­tive ein Opfer ist, ist von der men­schlichen Seite aus betra­chtet höch­ste Gnade. Das Wort ‘Gnade’ kommt von ’nahen’ und ist das, was sich ’naht’. (Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 273)

In Faust II lässt Johann Wolf­gang von Goethe das im geisti­gen Bere­ich lebende Gretchen für Faust bit­ten mit den Worten:

Neige, neige

Du ohne­gle­iche,

Du Strahlen­re­iche,

Dein Antlitz gnädig meinem Glück!

Der von den Urchris­ten gebrauchte geheime Name für Chris­tus ist das griechis­che Wort für Fisch, ἰχθύς ichthýs. Es wurde als kurzge­fasstes Glaubens­beken­nt­nis ver­standen: (ησοῦς Χριστός Θεοῦ Υἱός Σωτήρ):

ΙΗΣΟΥΣ – Iēsoûs „Jesus“
ΧΡΙΣΤΟΣ – Christós „der Gesalbte“
ΘΕΟΥ – Theoû „Gottes“
ΥΙΟΣ – Hyiós „Sohn“
ΣΩΤΗΡ – Sōtér „Retter“/„Erlöser“

Und am Kreuz standen der Über­liefer­ung nach die Buch­staben I.N.R.I. (“Jesus Nazarenus Rex Judarum” mit der Bedeu­tung: “Jesus der Nazaren­er, König der Juden”) Der Ort­sname Nazareth wird auf die hebräis­che Wurzel נצר (nṣr), „hüten, bewachen” zurück­ge­führt und auf die strate­gis­che Lage am Rande der Jes­reebene bezo­gen. Klan­glich ähn­lich mit Nazareth ist das hebräis­che Wort נצר (nṣr; Spross) und נזיר (nṣjr; Gewei­hter, Nasiräer). Ein Nasiräer, von hebräisch נָזִיר nasir zur Wurzel נזר ‚aus­son­dern‘, ‚wei­hen‘, ‚geloben‘, gehörig, ist mit „Asket“ zu über­set­zen und beze­ich­nete im Juden­tum einen Men­schen, der Gott gegenüber frei­willig einen beson­deren Eid leis­tete. Johannes der Täufer war solch ein Men­sch. Das Leben unter diesem Eid wird als Nasiräat bezeichnet.

Das N zeigt sich in der Gnade, im Chris­tus als Fisch und als Nazaren­er als das ‘Neue’, himm­lisch Schuld­lose, das sich her­ab­neigt und vom Men­schen möglichst unberührt von allem Irdis­chen erhal­ten, gehütet und bewacht wer­den soll. Nur zart berührt es die Erde und zieht sich gle­ich wieder zurück. Die Eury­th­miegeste des N drückt genau dies aus.

Auch im ‘Nek­tar’ der Blüten zeigt sich diese reine ‘Natur’ des N. Seine Ver­wandtschaft mit der ‘Sonne’ verdeut­licht der Iro-Keltische Name des N. Hier heißt es ‘Nuin’, die Esche. Die Esche gilt als der Son­nen­baum. Ihr Blat­twerk ist von Licht durch­flutet. Als Esche Yggdrasil ist es der Wel­tenbaum, der Ich-Baum, wie Rudolf Stein­er den Namen inter­pretiert. “So stellt es die ger­man­is­che Sage dar. Sie sagt: Der neue Men­sch in der neuen Welt gle­icht einem Baum, ein­er Esche, die drei Wurzeln hat. Die erste Wurzel geht nach Nifl­heim, in das eiskalte düstere Urland. Inmit­ten von Nifl­heim war der unauss­chöpfliche Brun­nen Hwergelmir; zwölf Ströme entsprangen aus ihm, sie flossen durch die ganze Welt. Die zweite Wurzel ging zum Brun­nen der Nor­nen Urd, Verd­han­di und Skuld; sie saßen an seinen Ufern und span­nen die Fäden des Schick­sals. Die dritte Wurzel ging zu Mimirs Brun­nen. Yggdrasil nan­nte man die Wel­tesche, in der sich die Wel­tenkräfte zusam­menge­zo­gen hat­ten. Ein Men­sch wird abge­bildet in dem Moment, wo er sich seines Ich bewußt wer­den soll, wo aus seinem Innern her­austö­nen soll das Wort «Ich». «Yggdrasil» ist soviel wie «Ich-Träger». Ich-Träger ist dieser Baum. «Ygg» ist «Ich» und «drasil» ist der­selbe Wort­stamm wie «tra­gen».” (Lit.: GA 101, S. 26)

Im hebräis­chen Alpha­bet heißt das N ‘Nun’, der ‘Fisch’. Der Fisch ’schnellt’ durchs Wass­er, entschlüpft im ’nu’, und ist schw­er festzuhal­ten. Im Wörtchen ’nun’ wird diese flüchtige Gegen­wart durch die bei­den N aus­ge­drückt. Gerne wird das Bild des Fis­ches für die men­schlichen Gedanken gebraucht, die durch das Wass­er des Bewusst­seins schwim­men. Auch der Gedanke taucht zunächst im halb­wachen Bewusst­sein auf und ist schnell wieder vergessen, wenn er nicht vom Wach­be­wusst­sein ergrif­f­en, d.h. wie ein Fisch gefan­gen und fest­ge­hal­ten wird. Rudolf Stein­er sagt über den Gedanken: “Sie schauen oder hören sich etwa an, und dann entste­ht ein Gedanke oder eine Vorstel­lung in Ihrer Seele. … Während Sie der Gedanke in Anspruch nimmt, sind Sie in Ihrem inner­sten Wesen der Gedanke. … Sie sind selb­st der Gedanke.” (GA 134, in Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 277) Gle­ichzeit­ig ist der Men­sch das Bewusst­sein, das er her­vor­bringt. In Gedanke und Bewusst­sein lebt die Dual­ität, die mit all ihren Aspek­ten und Wan­del der Zustände immer wieder im N auf­scheint. Der von Rudolf Stein­er erwäh­nte fließende Charak­ter des N zeigt sich im ‘Nachen’, der über die Wellen gleit­et, im ‘rin­nen­den’ Regen, der ’niesel­nden’ ‘Nässe’, dem ‘Brun­nen’ und auch in den ‘Trä­nen’, beim ‘Weinen’ und ‘Flen­nen’. “Das N ist das Ätherische der Bewe­gung”, schreibt Ernst Moll (Die Sprache der Laute, S. 280)

Die vornehme Zurück­hal­tung der ‘Noblesse’, ist das alte Adel­sprinzip. ‘Non­nen­haft’, weltver­ach­t­end, nur nach innen zu blick­en und ’nur ja nicht’ sich auf die dun­kle, schmutzige Erde einzu­lassen, das war für die vorchristliche Men­schheit der Weg, Gottes­nähe zu bewahren.

Find­et sich das N im Wort für Men­sch, zeigt es an, das die Inkar­na­tion nur als ein flüchtiger, vorüberge­hen­der Zus­tand ange­se­hen wird und nicht als eine dauer­hafte Beziehung mit der Erde, wie es das M von ‘Men­sch’ vor­lebt. Bei der nord­japanis­chen Urbevölkerung heißt Men­sch ‘ainu’, ‘Inu­it’ ist der Plur­al von ‘Inuk’, was ‘Men­sch’ bei den Polarvölk­ern bedeutet. Das N im Wort für Men­sch scheint zu sagen: So ‘rein’ wie ‘Schnee’ soll die Seele bleiben.

Von diesem N‑Aspekt des rein­sten Inneren führt nur ein kurz­er Weg zu den neg­a­tiv­en, abw­er­tenden, negieren­den Seit­en des N. Hier drückt das N das ‘Niedrige’ aus, das zu ’nichts nütze’ ist, das bloßer ‘Nippes’ ist oder ein­fach ’nur niedlich’. Die Abwehr gibt der Seele mit der ‘Nega­tion’, dem ‘Nein’ und ‘Nicht’ die Möglichkeit, sich zu unter­schei­den von der Umwelt. Zeitlich tren­nt das Wort ‘Noch’ den einen Moment vom anderen. “Das Wort ‘Noch’ kommt von althochd. ’noh’, das sich zusam­menset­zt aus ’nu’ =‘jet­zt’ und ‘h’ = ‘bis’, sodass ’noch’ also ‘bis jet­zt’ bedeutet. Das­selbe drückt der N‑Laut aus in ‘wed­er-noch’, d.i. ‘über­haupt nicht’. Hier ist das ’noch’ ganz ander­er Herkun­ft: es leit­et sich ab aus der Nega­tion ’ne’ = ’nicht’ und ‘ouh’ = ‘auch’ im Althochdeutschen. ‘Noch’ hat hier die Bedeu­tung ’nicht auch’ d.h. ‘auch nicht’, was im lateinis­chen ’ne-que’ ist” (Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 286)

Das N hat auch eine zwiespältige Natur, der sich im ‘Schlangen’- und ‘Nattern’-Aspekt zeigt. ‘Nid­hög­gr’ ’nagt’ an der einen Wurzel der Esche Yggdrasil. Rudolf Stein­er sagt: “Es ist aber eine Schlange da, die nagt fortwährend an dieser einen Wurzel, aus der das Ganze stammt: Nid­hög­gr nen­nt man sie! Man sieht tat­säch­lich diese Schlange nagen, denn es nagt an dem Men­schen das, was die Auss­chre­itun­gen des Geschlecht­sprinzips sind.” (GA 101 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 277) Die Ver­suchung der Schlange, die in der mit dem hebräis­chen ver­wandten, äthiopis­chen Sprache ’nachas’ heißt, kommt in den Worten ’naschen’ und ’nip­pen’ zur Gel­tung. Das ‘Neck­en’ kann liebevoll oder bösar­tig sein. Im ‘Neid’ zeigt sich der niedere Aspekt des N in der Seele.

Der beziehungslose Intellekt, der nicht auch fühlt, was gedacht und vorgestellt wird, lebt im N, wenn jemand oder etwas zur ‘Num­mer’ wird. Indem Adam allen Din­gen ihre ‘Namen’ gab, sie unter­schied, bere­it­ete sich vor, was zur Ver­führung durch die Schlange, zum Sün­den­fall führte und den Men­schen ’nackt’ daste­hen ließ. Eine Steigerung der Unter­schei­dung ist die ‘Nega­tion’ und ‘Vernei­n­ung’. Die Beziehungslosigkeit zeigt sich auch in der ‘-en’ Endung des Infini­tivs der Ver­ben: ‘trenn-en’, ’sing-en’. Schließlich führt das N in ’nie und nim­mer’, in ’nichts’ und ‘Nir­vana’ in die Form- und Gren­zen­losigkeit des ‘Nebels’ und der ‘Nacht’. Das Wort ‘Narkose’, vom betäuben­den Duft der ‘Nar­den’ stam­mend, beschreibt den Zus­tand, in dem die ‘Sinne’ ’schwinden’.

Zum deutschen Wort ‘Nebel’ gehört inter­es­san­ter­weise das San­skrit­wort ’nab­hah’, das ‘Him­mel’ bedeutet, wie eben­so das slaw­is­che Wort ‘Nébo’. (Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 294) Hier ist der Him­mel das Unfass­bare, nicht nach Maß und Zahl geord­nete, wie es das ‘Innere’ des Men­schen heute noch ist. Von der alten Atlantis sagt Rudolf Stein­er, dass die Atmo­sphäre noch ein Gemisch aus Luft und Wass­er, also ein Nebel oder Wasser­dampf unter­schiedlich­er Tem­per­a­turen war. Und in diesem Nebel erschienen den Men­schen die Götter.

Die Macht des N ist es, zu ‘ban­nen’, die ‘Span­nung’ der Dual­ität zu hal­ten im ‘Bannkreis’, wie die “Gefäß-Worte” ‘Tonne’, ‘Kanne’, ‘Wanne’ zeigen. Die ‘Tanne’ strebt dage­gen nach der Über­win­dung der Dual­ität, wie sie in der Ein­heit der ‘Wonne’ erlebt wer­den kann. Der andere Aspekt der Macht des N zeigt sich in der Vor­silbe ‘un-’, mit der alles ins Gegen­teil verkehrt wer­den kann: aus sicht­bar wird ‘un-’sichtbar, aus Glück wird ‘Un-‘glück.

Der ‘Nerv’ zeigt in sein­er Funk­tion die Qual­ität des N. Der Nerv ist das ‘Noli me tan­gere’, das ‘Berühre mich nicht’, denn wird die Ner­ven­sub­stanz berührt, erscheint der Schmerz und die Funk­tion wird eine pathol­o­gis­che. Der Nerv leis­tet Verzicht, er stirbt fortwährend ab, wie Rudolf Stein­er sagt und lässt ihn fol­gen­der­maßen zum Men­schen sprechen: “Du kannst Dich durch mich entwick­eln, weil ich Dir kein Hin­der­nis biete, weil ich mache, dass ich gar nicht da bin mit meinem Leben.” (GA 293 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 289) Tiere, die das Ner­ven-Sin­nessys­tem beson­ders zum Aus­druck brin­gen sind die ‘Nage’-Tiere.

Mit ’nasj’ (gesprochen nasch mit erwe­ichtem Sch), dem Pos­s­esivpronomen im ersten Plur­al, also mit ‘unser’ wird das N im slaw­is­chen Alpha­bet beze­ich­net. Das vorüberge­hende Ver­bun­den­sein ist das N. Statt einen Gegen­stand zu besitzen mit dem Verb ‘haben’, wie z.B. “ich habe ein Buch”, oder “ich habe ein Pferd”, sagt der Slawe, “das Buch ist bei mir” und “das Pferd ist bei mir”. Das, was man hat, ist in Frei­heit mit einem ver­bun­den. Das N im slaw­is­chen ist ein ‘Nehmen’, das vorüberge­hende Gemein­schaft, ein Nebeneinan­der, ein ‘Unser’ anzeigt, keinen dauern­den Besitz.

Die Dual­ität im Berühren und Berührt-wer­den, im pas­siv­en oder aktiv­en Kon­takt ist das N. Dadurch ist es der Laut der Sinneswahrnehmung und Selb­st­be­wusst­seins. Dies ist das N der ‘Nase’, die ’neugierig’ ’schnüf­felt’, die der schnell ver­we­hen­den ‘Duft­note’ Erken­nt­nis gewin­nt. So ist das N auch der Laut des Klug­w­er­dens. Die Wesen­hafte Klugheit der Erde, der Wel­tenver­stand sind die Gnomen. Das Wort ‘Gnom’ hängt zusam­men mit dem griechis­chen Wort ‘gno­ma’, das ‘Ken­nt­nis’, ‘Ein­sicht’ bedeutet und ‘gnóme’ heißt ‘Erken­nt­nisver­mö­gen’, ‘Ver­stand’. Damit ver­wandt ist das lateinis­che ‘gnoscere’, das zu ’noscere’, ‘wis­sen’, ‘ver­ste­hen’ wurde. (Ernst Moll Die Sprache der Laute, S. 291f) Rudolf Stein­er sagt über die Gnomen: “Diese ele­men­tarischen Wesen­heit­en, die in dem Fes­ten, Erdi­gen enthal­ten sind, bei denen ist das her­vorstechend­ste Ele­ment ger­ade die Klugheit, die Schlauheit, die Listigkeit, die ein­seit­ige Aus­bil­dung des Intellek­ts. … Man möchte sagen:  diese Wesen beste­hen nur aus Geschei­theit; so wie der Men­sch aus Fleisch und Blut beste­ht, so beste­hen diese Wesen eben aus Geschei­theit, aus Übergeschei­theit.” (GA 212 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 292) Wenn wir in die Tiefen der Erde hin­unter sehen, so sagt Rudolf Stein­er, “sehen [wir] die wan­del­nden und wan­del­nden Gnomen, welche die lichtvollen Bewahrer des Wel­tenver­standes sind inner­halb der Erde. Daher, weil diese Gnomen das, was sie sehen, zugle­ich wis­sen, haben sie im Ver­gle­ich zu den Men­schen ein gle­ichgeart­etes Wis­sen; sie sind die Ver­standeswe­sen katex­ochen, sie sind ganz Ver­stand, alles ist an ihnen Ver­stand, aber ein Ver­stand, der uni­versell ist, der daher auf den men­schlichen Ver­stand eigentlich herun­ter­sieht als auf etwas Unvol­lkommenes.” (GA 230 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 292) Die Empfehlung Rudolf Stein­ers, sich den Blät­terkranzes der Wald­meis­terpflanze vorzustellen, um das N angemessen zu sprechen, bringt für mich dieses gle­ichzeit­ige Sehen und Ver­ste­hen der Gnomen, das Erken­nen aus der Ganzheit ins Bild.

Schw­er fass­bar, schnell entwischend wie der Fisch ist das N, das seinen Charak­ter weniger in den Anlaut­en als in den Inlaut­en und Endun­gen zeigt. Das reine Göt­tliche, das von oben die Erde zart berührt und das keusche Innere, zeigt sich im N genau­so wie die niedere Natur des Men­schen, die gle­ich der Schlange und Nat­ter aufzün­gelt, in der er sich über­hebt und alles außer ihm verneint und verachtet.

Ergänzung

In Griechen­lans wurde ‘Geist, Intellekt, Ver­stand’ als Nous (griech. νοῦς, nous) beze­ich­net. Dies hängt zusam­men mit (‘νοεῖν’, ’noeín’) ‘denken’ und wird schon bei Homer als das men­schliche Erken­nt­nisver­mö­gen beze­ich­net. Nous ist also das Vernehmen des schöpferischen Geistes im Bewusst­sein, aber nicht der schöpferische Geist selb­st. Rudolf Stein­er beschreibt, wie Aris­tote­les über den Nous dachte folgendermaßen:

“Aris­tote­les sieht ja in der men­schlichen Wesen­heit das, was zu ein­er Ein­heit zusam­men­faßt das veg­e­ta­tive Prinzip des Men­schen, das ani­malis­che Prinzip des Men­schen, das niedere men­schliche Prinzip, und dann das höhere men­schliche Prinzip, das­jenige, was Aris­tote­les den Nous, was die Scholastik dann den Intellekt nen­nt. Aber Aris­tote­les unter­schei­det zwis­chen dem Nous poi­etikos und dem Nous pathetikos, zwis­chen dem täti­gen und lei­den­den Geiste des Men­schen. Die Aus­drücke sind nicht mehr so beze­ich­nend, wie die griechis­chen waren, aber man kann doch sagen, Aris­tote­les unter­schei­det zwis­chen dem aktiv­en Ver­stand, dem täti­gen Geist des Men­schen und dem pas­siv­en Ver­stand des Men­schen. Was ist damit gemeint?

Man begreift nicht, was damit gemeint ist, wenn man nicht auf den Ursprung dieser Begriffe zurück­ge­ht. Ger­adeso wie die anderen See­lenkräfte sind in ein­er anderen Meta­mor­phose die bei­den Arten des Ver­standes an dem Auf­bau der men­schlichen Seele betätigt: der Ver­stand, insofern er wirkt als tätiger, noch im Auf­bau des Men­schen wirk­sam, aber als Ver­stand, nicht wie das Gedächt­nis ein­mal aufhörend und dann als Gedächt­nis sich emanzip­ierend, son­dern als Ver­stand das ganze Leben hin­durch wirk­end, das ist der Nous poi­etikos, das ist das­jenige, was aus dem Wel­te­nall her­aus sich indi­vid­u­al­isierend den Leib auf­baut im Sinne des Aris­tote­les. Es ist nichts anderes als das, was die den men­schlichen Leib auf­bauende tätige Seele des Plotin auch ist. Und das­jenige, was dann sich emanzip­iert, was nur noch dazu da ist, um die äußere Welt aufzunehmen und die Ein­drücke der äußeren Welt dialek­tisch zu ver­ar­beit­en, das ist der Nous pathetikos, das ist der lei­dende Intellekt, der intel­lec­tus pos­si­bilis.“ (Lit.: GA 74, S. 54ff, Her­vorhe­bung A.F.)

Über die Gegensprüche 14 N und 39 n

Die Mantren 14 N und 39 n sind wegen des gle­ichen Buch­stabens nicht nur Gegen­sprüche, sie sind auch Spiegel­sprüche durch die im Wort­laut zu find­en­den gram­ma­tis­chen Entsprechun­gen. Deshalb sei auf den Blog­a­r­tikel der Mantren 14 N und 39 n als Spiegel­sprüche ver­wiesen. Im Fol­gen­den betra­chte ich diese Mantren nur unter dem Aspekt, wie die Gestal­tungskraft des N in ihnen aufscheint.

In bei­den Mantren gibt es einen Ich-Sprech­er, der sein gegen­wär­tiges Erleben beschreibt. Und in bei­den Mantren ist er hingegeben an etwas, das nicht er sel­ber ist. Er tastet sozusagen nach diesem Anderen, berührt es und beschreibt die Wirkung dieses Anderen auf sich selb­st. Das ist die Geste des N, seine schöpferische Qualität.

Im Mantra 14 N ist dieses Andere die Sin­nesof­fen­barung. Durch jeden der nach Rudolf Stein­er dem Men­schen gegebe­nen 12 Sinne tastet der Men­sch nach außen. Beim Sehen spricht man davon, dass das Auge die Kon­turen eines Gegen­standes abtastet, das Ohr ertastet die Schwingung des Tones und die Nase erfährt durch die Geruchsstoffe eine direk­te Berührung mit der Außen­welt. Durch jeden Wahrnehmung­sprozess offen­bart sich dem Men­schen etwas von der Welt. Und mit jed­er Sin­neser­fahrung nimmt der Men­sch einen Ein­druck mit, der bei entsprechen­der Bewuss­theit erin­nert wer­den kann. So hat nicht nur der Men­sch die irdis­che Außen­welt berührt, auch die Welt hat den Men­schen berührt.

Doch bevor es zur Gegengabe der Welt an den Men­schen kommt, beschreibt der Ich-Sprech­er, was durch die Hingabe an die Sin­nesof­fen­barung mit ihm geschieht: In der Hingabe an die Sin­nesof­fen­barung ging der Trieb, ein Eigen­we­sen zu sein ver­loren. Die Gren­ze zwis­chen Innen­welt und Außen­welt löste sich auf. Der Trieb, sich von der Umwelt unter­schei­den zu wollen, ihr gegenüber­ste­hen zu wollen, ging ver­loren. Der Ich-Sprech­er träumt den Gedanken­traum der Welt. Er denkt nicht sel­ber, son­dern das Wahrgenommene denkt in ihm. Es betäubt ihn. Und dadurch scheint es ihm, dass der Gedanken­traum ihm sein Selb­st ger­aubt hat. Das Ein­swer­den mit der Welt im Prozess des Wahrnehmens macht es unmöglich, gle­ichzeit­ig etwas Eigenes, ein Selb­st, zu sein, das der Welt erken­nend gegenüber steht.

Die Umkehr dieser Entwick­lung wird von der Welt, vom Wel­tendenken ein­geleit­et und kündigt sich mit dem Wort “doch” an, das das Ent­ge­gen­ste­hen, den Gegen­satz neu ins Spiel bringt. Das Wel­tendenken ist hier der aktive Part. Es naht und weckt den Ich-Sprech­er aus dem Gedanken­traum auf. Hier lässt sich im Sinne Aris­tote­les an den Nous poi­etikos, an den aktiv­en Ver­stand denken, der auf­bauend wirkt. Allerd­ings ist das Wel­tendenken mein­er Mei­n­ung nach keine im Men­schen zu find­ende Kraft, nicht nur das Vernehmen des schöpferischen Geistes, son­dern dieser Geist selb­st. Und wenn dem Ich-Sprech­er aufge­ht, dass er durch seine Wahrnehmungen einem anderen, einem die Welt aus­denk­enden Wesen, — die Welt erschaf­fend­en göt­tlichen Wesen begeg­net, wacht auch er wieder zu sich auf. Dann berührt den Ich-Sprech­er im Wel­tendenken die göt­tliche Schöpfer­ma­cht selb­st. Sie naht sich bis zur weck­enden Berührung.

Im Mantra 39 n ist dieses Andere, dem sich der Ich-Sprech­er hingegeben hat, die Geis­te­sof­fen­barung. Der sich offen­barende Geist ist dieses Andere. Und wo find­et diese Offen­barung statt, wohin ist der Ich-Sprech­er ori­en­tiert? Ver­mut­lich ist er nun nicht nach außen gerichtet wie bei der Hingabe an die Sin­nesof­fen­barung im Mantra 14 N, son­dern nach innen. Dieses Innen kann das eigene Innen oder das Innen der Welt sein, das Innen, das geistiger Natur ist und hin­ter dem Sin­nen­schleier liegt. Sowohl dem eige­nen Innen als auch der geisti­gen Seite der Welt, ihrem Innen, gibt sich der Men­sch denk­end hin, denn das Denken hat Rudolf Stein­er der Wahrnehmung gegenüber gestellt durch ihre Zuord­nung zu den bei­den Halbjahren.

Denk­end gewin­nt der Ich-Sprech­er das Licht des Wel­tenwe­sens, indem er an die Geis­te­sof­fen­barung hingegeben ist. Das Wel­tenwe­sen ist im Besitz von Licht, es hat Licht, das der Ich-Sprech­er gewin­nt. Ist das Wel­tenwe­sen sel­ber das Licht der Weisheit — die Sophia? Ist das Wel­tenwe­sen die Zeit, die Werk­meis­terin Gottes? Schon König Salo­mo spricht so über die Weisheit, dass die Zeit als die Kraft, die alles erschafft, hindurchscheint:

„Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang sein­er Wege, ehe er etwas schuf, von Anbe­ginn her.

Ich bin einge­set­zt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.

Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wass­er fließen.

Ehe denn die Berge einge­senkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren,

als er die Erde noch nicht gemacht hat­te noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.

Als er die Him­mel bere­it­ete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe,

als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe,

als er dem Meer seine Gren­ze set­zte und den Wassern, daß sie nicht über­schre­it­en seinen Befehl; als er die Grund­festen der Erde legte,

da war ich als sein Liebling* bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit;

ich spielte auf seinem Erd­kreis und hat­te meine Lust an den Men­schenkindern.“ (Weisheitssprüche Salo­mos 8,22–31; *Luther über­set­zte im Anschluß an die griechis­che und lateinis­che Bibel “Liebling” mit “Werk­meis­ter”)

Indem der Ich-Sprech­er Licht gewin­nt vom Wel­tenwe­sen, ist er in Kon­takt mit diesem, berührt er es “nehmend”. Er wird nicht eins mit dem Wel­tenwe­sen, er bleibt sich sein­er selb­st bewusst. Die Gedankenkraft des Ich-Sprech­ers wächst, sie klärt sich im Prozess und gibt dem Ich-Sprech­er sich selb­st. Die Gedankenkraft bewirkt, dass der Ich-Sprech­er sich nicht nur in der physis­chen Welt als ein Selb­st erleben kann, son­dern für diesen Moment der Kraftent­fal­tung auch in der geisti­gen — als ein geistiges Selb­st, ich würde sagen als Geist­selb­st. Dafür muss die Gedankenkraft nicht nur stark, son­dern auch gek­lärt sein. Sie muss sozusagen kristallin durch­sichtig wer­den. Ich ver­ste­he das so, dass der Men­sch nicht voll­ständig absorbiert wer­den darf durch den Prozess des Denkens. Er muss sich auch noch beim Denken zuschauen kön­nen. Bei einem so gek­lärten Denken kann er hin­ter das Denken schauen, kann es durch­schauen und sich als geistiges Wesen, das denkt erkennen.

Die Gedankenkraft ist die Stärke, die Inten­sität, mit der der Ich-Sprech­er denkt. Gedanken­macht ist dage­gen die Fähigkeit, die Diszi­plinen des Denkens, wie z.B. Logik, Analo­giebil­dung, Assozi­a­tion zu hand­haben. Durch die aufgewen­dete Kraft entste­ht das Erleben der Selb­st­wirk­samkeit, so wie sie auch bei physis­ch­er Kraftausübung entste­ht. Doch dieses Erleben erlis­cht, sobald die Kraft nicht mehr aus­geübt wird. Deshalb gehe ich davon aus, dass dieses sich selb­st Gegeben-Wer­den prozesshaften Charak­ter hat und nicht wie der Besitz ein­er Sache anzuse­hen ist. Das, was dem Ich-Sprech­er gegeben wird hat den Charak­ter des “unser”, wie das slaw­is­che N heißt. Es ist bei ihm, neben ihm, solange die Gedankenkraft wirkt, ähn­lich wie das Licht leuchtet, solange das Feuer brennt.

Dage­gen hat das durch Gedanken­macht Bewirk­te mein­er Mei­n­ung nach dauer­haften Charak­ter. Macht wirkt anders als Kraft auch auf das Umfeld, wenn sie nicht aktiv aus­geübt wird. Gedanken­macht ist vielle­icht die Macht, nach eigen­em Willen zu Berühren und die Berührung wieder zu lösen — sich wahrnehmend hinzugeben und sich erken­nend zu dis­tanzieren. Gedanken­macht ist die Macht, den Pen­delschlag von Wahrnehmung und Denken nach eigen­em Willen zu vollziehen.

Aus der Gedanken­macht löst sich weck­end das Selb­st­ge­fühl. Es löst sich vielle­icht so, wie sich der erste Funke löst, wenn durch Rei­bung Hitze erzeugt wurde und leicht entzündlich­es Mate­r­i­al da ist. Selb­st­ge­fühl ist wie eine andauernde Selb­st­berührung, eine N‑Geste, ein sich sel­ber Fühlen, sich sein­er selb­st gewahr sein — nun nicht kör­per­lich, son­dern geistig. Entste­ht die Selb­st­berührung vielle­icht durch den Pen­delschlag von Wahrnehmen und Denken? Das Selb­st­ge­fühl erweckt den Ich-Sprech­er und macht ihn zu einem Erweck­ten, einem Erleuchteten.

Das Mantra 39 n kann auch als ein bewusst vol­l­zo­gen­er Entwick­lung­sprozess der unteren Wesens­glieder in die oberen betra­chtet wer­den. Bei jedem Schritt ist das Ich des Ich-Sprech­ers aktiv.

Im ersten Schritt gibt sich der Ich-Sprech­er an die Geis­te­sof­fen­barung hin. Die Geis­te­sof­fen­barung denke ich mir als das höch­ste Licht, das als geistiges Sein der physis­chen Welt zugrunde liegt. Dabei gewin­nt der Ich-Sprech­er das Licht des Wel­tenwe­sens. In vorchristlich­er Zeit war dieses Licht bei den Göt­tern und musste ger­aubt wer­den, wie es der Prometheus-Mythos erzählt. Nun gehört dieses Licht zum Wel­tenwe­sen. Es ist auf der Erde, in der Welt. Für den Men­schen ist es nun möglich, dieses Licht recht­mäßig zu gewin­nen. Für mich ist es die Jahreslauf-Weisheit.

Im zweit­en Schritt wächst die Gedankenkraft und klärt sich. Sie ist erleb­bar im Rin­gen um ein Ver­ständ­nis der Mantren. Kraft ist Aus­druck ätherisch­er Wirk­samkeit. Wie eine Welle erhebt sich die Gedankenkraft in diesem Prozess und berührt den Astralleib. Solcher­art angeregt gibt der Astralleib dem Ich-Sprech­er sich selb­st — der Astralleib wird ein Stück mehr zum Geist­selb­st. Der Jahreskreis wird als See­len­raum erlebbar.

Im drit­ten Schritt löst sich aus der Denker­ma­cht das den Ich-Sprech­er aufweck­ende Selb­st­ge­fühl. Macht ist Aus­druck astraler Wirk­samkeit. Die Denker­ma­cht strahlt wie die Macht des Königs von oben nach unten. Dort berührt sie den Äther­leib. Der Äther­leib tritt vom Schlaf in den Wachzu­s­tand über und belebt zum Lebens­geist ver­wan­delt das Geist­selb­st. Die Jahres­lauf-Weisheit weckt den Ich-Sprech­er auf und wird zu ein­er lebendig erlebten Weisheit. Dadurch verän­dert sich das Lebens­ge­fühl, das Selb­st­ge­fühl des Ich-Sprech­ers. Aus dem Bewusst­sein ein Selb­st zu sein wird das füh­lende Gewahr­sein vom eige­nen Ich.