Die Gegensprüche 15 O und 40 o

15 O

Ich füh­le wie verzaubert

Im Wel­tenschein des Geistes Weben,

Es hat in Sinnesdumpfheit

Gehüllt mein Eigenwesen,

Zu schenken mir die Kraft,

Die ohn­mächtig sich selb­st zu geben

Mein Ich in seinen Schranken ist.

40 o

Und bin ich in den Geistestiefen,

Erfüllt in meinen Seelengründen

Aus Herzens Liebewelten

Der Eigen­heit­en leer­er Wahn

Sich mit des Wel­tenwortes Feuerkraft.

Die Eurythmieformen zu den Mantren 15 O und 40 o

Über den Buchstaben “O”

Das O ist der vierte von fünf Vokalen. Rudolf Stein­er sagt: “Das O offen­bart den Men­schen als Seele” (GA 315, in Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 62) Und wie die Seele in der Mitte zwis­chen Leib und Geist ste­ht, ist auch dem O eine Mit­tel­stel­lung eigen. „Das o ist der Zusam­men­fluß von a und u, ist der Zusam­men­fluß von Aufwachen und Ein­schlafen. Ger­ade der Moment entwed­er des Ein­schlafens oder des Erwachens ist das o. Wenn der Ori­en­tale seine Schüler anwies, wed­er zu schlafen noch zu wachen, son­dern an jene Gren­ze zwis­chen Wachen und Schlafen zu gehen, wo man so viel erfahren kann, dann wies er ihnen an, die Silbe Om zu sprechen. Und wer oft die Silbe Om wieder­holt, kommt in ein Erleben zwis­chen Wachen und Schlafen hinein.“ (Lit.: GA 282, S. 24) Mit dem O bzw. AOU ist die Erken­nt­nis des Höch­sten ver­bun­den, wie unsere Worte ‘Gott’ und ‘Gold’ zeigen. Rudolf Stein­er sage an ander­er Stelle, lei­der ohne genauere Erk­lärung über das Om, bzw. AUM, die heilige Silbe der Inder: „So wie man im San­skrit das AUM für die Trinität hat, haben wir für das Innere des Men­schen das Zeichen ICH. … Das Wort AUM ist der Atem. Der Atem ver­hält sich zum Wort, wie der heilige Geist zu Chris­tus, wie das Atma zu dem Ich.“ (Lit.: GA 93a, S. 30) Das O als Zusam­men­schluss des A und U lässt sich vielle­icht als das Bewusst­sein anse­hen, das I dage­gen als das Selbstbewusstsein.

Rudolf Stein­er ord­net die Vokale A, O und U dem Blut und dem Stof­fwech­sel­men­schen zu, die Vokale E und I dem Nerv und dem Ner­ven-Sin­nes­men­schen. “Sie müssen empfind­en ler­nen, wie man sich bei gewis­sen Laut­en inner­lich hal­ten muss. Zum Beispiel in den hellen Vokalen e und i im Gegen­satz zu den dun­klen a, o, u, au. Die dumpfen Vokale a, o, u, au sind so, dass sie im beruhigten Men­schen, im Blut­men­schen entste­hen, e und i im bewegten, erregten Men­schen.” (GA 280. S. 40)

Für das O lassen sich ent­ge­genge­set­zte “Mut­terkon­so­nan­ten” erken­nen, aus denen es her­vor­wuchs zu seinem reinen Vokalk­lang, wie wir ihn ken­nen. Der eine ist die gotis­che Hev­er-Rune, der andere der hebräis­che Buch­stabe Ajin. Der Lautwert der gotis­che Hver-Rune ist ein “H mit Lip­pen­run­dung”. Dies ist der gotis­che Name für F bzw. V. und bedeutet ‘Rad’. Die Buch­staben­form für den den ‘Hev­er’- bzw. ‘Uuaer’-Laut ist ein Kreis mit einem Punkt darin, also das astronomis­che Zeichen für die Sonne. In der englis­chen Sprache sind die ‘Wh’-Verbindungen wie in ‘wheel’ für ‘Rad’, ‘what’ = ‘was’ oder ‘who’ = ‘wo’ Hin­weise auf diesee auch ‘Hevil’ genan­nte Rune. ‘Hevil’ ist die Ver­wandtschaft mit dem heuti­gen Wort ‘wheel’ anzuhören. (Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 136) Das O weht hier mit dem Hauch her­an. Aus dem unfass­baren Geist klingt es zart her­vor und wird nicht O, son­dern F oder V. Die eigentliche O‑Rune ist die Odhil-Rune, auf die ich später eingehe.

In der hebräis­chen Sprache, die keine Vokale schreibt, ist ‘Ajin’, das ‘Auge’ der Kon­so­nant des O. Ajin ist ein tiefer leis­er Kehllaut. Her­mann Beckh schreibt: “suchen wir aus tief­ster Kehle einen solchen Hauch her­vorzubrin­gen, so kön­nen wir leicht find­en, dass er mit dem dumpfen unbes­timmten Geräusch, das wir wahrnehmen kön­nen, wenn wir eine Meer­muschel oder Meer­sch­necke ans Ohr hal­ten, eine täuschende Ähn­lichkeit hat. Ajin ist also wirk­lich der Laut der wirrren dumpfen Ohrg­eräusche … [der Urlaut,] wie er uns aus dem Innern unseres eige­nen Organ­is­mus, aus der Sch­necke unseres Ohres … ent­ge­gen­tönt …” (in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 295)

Das griechis­che Alpha­bet übern­immt den Ajin-Namen nicht, son­dern nen­nt das O nur ‘kleines O’, also ‘O‑mikron’, das kurz gesprochen wird. Das vom Omikron zu unter­schei­dende ‘große’ und lang gesproch­ene ‘O’, wurde ‘O‑mega’ genan­nt und an den Schluss des Alpha­betes geset­zt. Im Fol­gen­den dif­feren­ziere ich diese bei­den O‑Laute nicht.

Was mein­ten die Men­schen, als sie Ajin, das O, Auge nan­nten? Ernst Moll schreibt: “Der Vor­gang des Sehens ist ein Umfassen mit den Blick­en. d.h. reine O‑Gebärde … Die indoger­man­is­che Wurzel für sehen ist ‘oq’. Slaw­isch ‘oko’ heißt das ‘Auge’, rus­sisch ‘okno’ heißt das Fen­ster, lateinisch ‘ocu­lus’, griechisch ‘oph­thal­mos’ auch ‘omma’ oder ‘opsis; in den ger­man­is­chen Sprachen haben wir althochdeutsch ‘ouga’ … gotisch ‘augo’. Da das Auge das vol­len­det­ste ‘Organ’ ist, kön­nen wir in ihm zugle­ich das O als Laut des ‘Objek­tiv­en’ sehen … das O ist der Laut des Jupiter, des heit­eren strahlen­den Auges. Nier­gend­wo im Sin­nen­bere­ich kön­nen wir ‘Jupiters erstrahlende Weisheit’ schön­er anschauen als im licht­en Men­schenauge.” (Die Sprache der Laute, S. 296) Der Name ‘Jupiter’ ist gebildet aus ‘Jovis’ und ‘pater’, also Vater. Jovis kommt vom älteren ‘Dio­vis’, ‘Djeus’, das altini­disch ‘djaus’, der ‘lichte Him­mel’ bedeutet. Auf ‘djaus’ geht auch ‘Zeus’ und ger­man­isch ‘Zio, Tiu und lateinisch ‘deus’, griechisch ‘theós’ zurück. Und ‘Déus’ hängt schließlich mit ‘diés’, ‘Tag’ zusam­men. Jupiter wird auch ‘Diéspiter’, ‘Diés­pa­ter’ genan­nt. Jupiter ist also der ‘Gott­vater’, oder ‘Tag­vater’. (Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 304f)

Als Laut des göt­tlichen Licht­es find­et sich das O in ‘Sonne’ und ‘Mond’, im Stern­bild des ‘Ori­on’ und dem ‘Ort’ ihres Auf­gangs, dem ‘Osten’ oder ‘Ori­ent’. Das möglicher­weise von der Him­mel­srich­tung abgeleit­ete ‘Oster­fest’ ist in der Aufer­ste­hung Christi ein geistiger Sonnenaufgang.

Das I ist der Vokal des Licht­strahls, das O ist der Vokal des Organs, das das Licht wahrn­immt. Johann Wolf­gang von Goethe beschreibt die Zusam­menge­hörigkeit von Licht und Auge in einem Weisheitsspruch:

Wär’ nicht das Auge sonnenhaft,

Die Sonne kön­nt’ es nie erblicken;

Läg’ nicht in uns des Gottes eig’ne Kraft,

Wie kön­nt’ uns Göt­tlich­es entzücken?

Rudolf Stein­er gibt die Beschrei­bung des Sehvor­gangs nach dem griechis­chen Philosophen Pla­to wieder und sagt: “dass das Sehen eigentlich darauf beruhe, dass beim Sehen eine Art von Fan­gar­men aus den Augen aus­gestreckt werde zu den Din­gen hin. Diese Fan­garme sind allerd­ings mit sinnlichen Mit­teln nicht zu erken­nen: aber dass Pla­to sich ihrer bewusst war, das beweist eben, dass er in die übersinnliche Welt einge­drun­gen war. Es ist in der Tat, indem wir die Dinge anse­hen, nichts anderes, als nur in feiner­er Weise ein Vor­gang vorhan­den, ähn­lich dem­jeni­gen, der sich abspielt, wenn wir die Dinge angreifen. Wenn Sie z.B. ein Stück Krei­de anfassen, so ist dies ein physis­ch­er Vor­gang ganz ähn­lich dem geisti­gen Vor­gange, der sich abspielt, indem Sie die Ätherkräfte aus ihrem Auge senden, um den Gegen­stand im Sehen zu erfassen.” (GA 278, in Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 299)

Das O ist der Laut des Run­den, des ‘Topfes’, des ‘Tropfens’, des Regen-‘bogens’, der ‘roten’ ‘Rose’. Nicht nur das Auge empfängt Licht von ‘Sonne’ und ‘Mond’, auch das ‘Ohr’ empfängt das Licht des ‘Tones’, des Sprachver­ständ­niss­es. Neugieriges Belauschen wird im ale­man­nis­chen Dialekt ‘losen’ genan­nt. Wird das ‘Los’ gewor­fen, soll das Schick­sal belauscht wer­den, eben­so bei allen anderen ‘Orakel’-Techniken. Im ‘Ofen’ ‘lodert’ das Feuer und erfasst das ‘Holz’

Das O ist kein tot­er Kreis. In ihm liegt die Ten­denz, sich verbinden zu wollen, etwas zu umfassen, im anderen aufzuge­hen, sich zu ‘opfern’. Dies ist der Hin­ter­grund der alten Odhil-Rune. Im Alpha­bet des Wul­fi­la wird sie ‘Utal’ oder Oth­al’ genan­nt, im Althochdeutschen heißt sie ‘uodal’, was ‘Erb­sitz’, Heimat’ ‘Fam­i­lien­stamm­sitz’ bedeutet. Der Name ‘Ulrich’ aus ‘Uodal­rich’ oder ‘Uhland’ aus ‘Uodal-lant’ weisen noch heute auf diese Rune hin. Mit Oth­al wird der ‘Ort’ umfasst, das Land, das zu einem gehört. Oth­al, Besitz, ist das Stück Erde, das einem gehört, das umfasst, umfriedet und in das die eigene Arbeit­skraft hinein­geopfert wird.

Ob die Odhil-Rune auch mit dem ger­man­is­chen Gott Odhin zusam­men­hängt, dessen alte Schrei­bung ich ver­wende, oder ob die Ähn­lichkeit andere Ursachen hat, kann ich nicht sagen. Ich möchte hier jedoch darauf hin­weisen, dass Odhin der ger­man­is­che Göt­ter­vater ist, wie Jupiter-Jovis der griechis­che. Der Jupiter zuge­ord­nete Tag ist Don­ner­stag, ‘jeu­di’, im Franzö­sis­chen. Im Deutschen hängt dieser Tag jedoch mit dem ger­man­is­chen Gott Thor zusam­men, der eben­so wie Jupiter bzw. Zeus die Blitze schleud­ert. Odhin und Thor tra­gen das O im Namen und zeigen Aspek­te dieser Laut-Macht.

Rudolf Stein­er sagt: “Wenn man vom O aus­ge­ht, so hat man zunächst das innere See­len­er­leb­nis der Run­dung. Das O ist immer etwas, was in Sym­pa­thie eine Sache umfasst.” (GA 282) Und: “Die O‑Stimmung ist diejenige des Umfassens, des In-sich-Aufnehmens, des Mit-sich-Vere­ini­gens. … Bei dem O gehen wir aus uns her­aus und schließen etwas in uns ein. Wir umschließen etwas.” (GA 278, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 300) Das O verbindet ein Vielfach­es zu ein­er Ein­heit, englisch ‘one’, eins, griechisch ‘oios’, ‘einzig’, oder die Ansamm­lung von Häusern als ‘Dorf’.

Im kirchenslaw­is­chen Alpha­bet wird das O durch ‘on’, durch ‘er’ d.h. der drit­ten Per­son des Per­son­al­pronomens aus­ge­drückt. Im E empfind­et der Men­sch sich sel­ber, beim O umfasst er das Fremde. Rudolf Stein­er sagt: “… aber das O bringt uns schon in ein intimeres Ver­hält­nis zu dem­jeni­gen, was wir auf­fassen. Sodass das O im Wesentlichen gebär­den­haft wird, wenn nicht nur der Men­sch sich empfind­et [wie beim E], son­dern von sich aus­ge­hend ein anderes Ding, … das er umfassen will.” (GA 279) Und an ander­er Stelle sagt er: “Sodass man etwas fühlen kann, indem man das O erlebt: Ich trete an einen Baum her­an; ich umschließe diesen Baum mit den Armen, aber ich bin selb­st dieser Baum. Da ist der Baum, und, weil ich selb­st eine Baum­seele gewor­den bin, weil ich eins­ge­wor­den bin mit dem Baum, mache ich diese Geste. Ich gehe aus mir her­aus. (GA 278, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 297) ‘Er’, ’sie’ oder ‘es’ ist das Andere, ein Stück Welt, das der Men­sch im O umfasst, mit dem er sich verbindet und das er in sich aufn­immt. Die Welt, das ‘Er’ lässt der Men­sch in seinem Ich leben. Das O in den Worten ‘Schoß’, Brust-‘korb’ oder ‘Kör­p­er’ zeigen dies genau­so wie das Wort ‘Chor’, in dem die einzel­nen Stim­men ein Ganzes bilden.

Rudolf Stein­er beschreibt den Unter­schied von ‘Du’ und ‘Er’ fol­gen­der­maßen: Bei der inneren Bewe­gung, die ‘Ich’ darstellt, “ist es ja ganz klar, da kehrt man in sich selb­st zurück. Beim ‘Du’, wenn man so recht ins ‘Du’ hineinge­ht, wenn man den anderen wirk­lich meint, so geht man ja aus sich her­aus. … Aber auf der anderen Seite kann man wiederum auch nicht ganz aus sich her­aus­ge­hen, denn wenn man ganz aus sich her­aus­gin­ge, dann würde man ja nicht ein ‘Du’ vor sich haben, son­dern ein ‘Er’ [denn die Ich-Du-Beziehung ist dual]. Fühlen Sie das nur: wenn Sie ganz aus sich her­auss­chlüpfen, dann haben Sie nicht ein ‘Du’, son­dern ein ‘Er’ oder eine ‘Sie’ vor sich.” (GA 279 in: Die Sprache der Laute, S. 298) Der Men­sch opfert sein Eigen­sein, indem er aus sich her­aus­tritt und etwas außer ihm in sich hinein­nimmt. Dadurch kann sich dieses andere ihm ‘offen­baren’. Das O ist der Laut aller Sinnes-‘organe’. Sie heben einen Aspekt der Umwelt her­aus, umschließen ihn und opfern sich ihm hin, damit sich das anson­sten ‘Tote’ offen­baren kann. Dadurch ist das O der Laut der zur Weisheit ‘geord­neten’ Erkenntnis.

Im Deutschen drückt das Wort ‘Kopf’ das Runde aus, weshalb man auch vom ‘Kohlkopf’ spricht. Rudolf Stein­er sagt: Indem der Men­sch das O ausspricht, bildet er eigentlich das Fol­gende: Sehen Sie, der Kopf des Men­schen ist ja, wenn ich es grob zeichne, in ein­er gewis­sen Weise eine Kugel, und er ist auch geis­teswis­senschaftlich die richtige Nach­bil­dung der Erd­kugel. Er ist … eigentlich aufge­baut in seinem Wer­den durch das­jenige, was in den Mon­denkräften liegt. Aber das baut ihn eben so auf, dass er eine Art Erd­kugel wird. … Wenn man nun O ausspricht, da ver­sucht man das­jenige, was sich in der Kugelform des Kopfes zum Aus­druck bringt, im ganzen Ätherkopf zum Aus­druck zu brin­gen. Und da hat man das Bedürf­nis, sich einen zweit­en Kopf zu for­men. Der­jenige, der O ausspricht, der hat das Bestreben, richtig sich einen zweit­en Kopf zu for­men, und man kann schon sagen: im O‑Aussprechen, da bläht sich der Men­sch seinem Kopf nach auf. … er bläst sich auf, und erweckt dadurch die Kräfte, die ihn ger­ade an dem anderen Pol zum Dick­lich­w­er­den ver­an­lassen.” (GA 315 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 304) Das O hat die Ten­denz, sich aufzublähen, wie es der ‘Frosch’ mit sein­er Schall­blase kann. Das zeigt sich im ‘Protz’ und anders in der ‘Wolle’.

Aus altem Hellse­hen ist laut Rudolf Stein­er im europäis­chen Raum ein ural­ter Gottes­na­men her­vorge­gan­gen. “durch Europa hin­durch, auch noch nach Asien hinein [war] eine uralte Gottesvorstel­lung vorhan­den .… von der die heutige Gelehrsamkeit vielle­icht erst dann etwas wis­sen wird, wenn sie sie in den Sagen einzel­ner entle­gen­er Gebi­ete Sibiriens ent­deck­en wird. Da taucht näm­lich eine merk­würdi­ge Beze­ich­nung auf — lange vor der christlichen Entwick­lung, als nicht gewusst wurde von dem, was da unten geschah, als von dem, was im Alten Tes­ta­ment beschrieben ist, was griechisch-römis­che Entwick­lung, was ori­en­tal­is­che Entwick­lung ist. Es taucht da eine merk­würdi­ge Vorstel­lung auf, die etwa zu dem Namen führte, der jet­zt ziem­lich verk­lun­gen ist: der ‘Ongod’; und der Ongod ist ein Name, der sozusagen heute in der Vorstel­lung von dem ‘einen Gotte’ noch nachk­lingt. Der Ongod würde etwa so etwas sein, wie das Göt­tliche in allen geisti­gen Wesen­heit­en, die wir wahrnehmen.” (GA 107 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 301)

Bei den Angel­sach­sen heißt der O‑Laut ‘Os’, der Mund. In Nor­we­gen heißt der Laut ‘Oss’, die Mün­dung. Der angel­säch­sis­che Runen­reim lautet:

Mund ist die Quelle aller Sprache,

eine Stütze der Weisheit und ein Trost für weise Menschen

und jedem Edlen ein Segen und eine Freude.

(Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 303)

Wie der Mund sich öff­nen und schließen kann, so enthält auch das O bei­de Ten­den­zen. Rudolf Stein­er sagt: “Das O enthält in der Sprachgestal­tung eigentlich die Vorgänge des A, die Vorgänge des U, die Vorgänge des Sich-Öff­nens, die Vorgänge des Sich-Schließens in har­monis­ch­er Verbindung.” (GA 282 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 303) Das O nimmt eine Mit­tel­stel­lung ein zwis­chen A und U. Auf lateinisch heißt ‘orare’ ‘reden’, ‘ora’ ist der ‘Rand’, oder ‘Saum’ und die sich öff­nende und schließende Türe heißt ”ostium’.

Die griechis­chen Worte ‘Sophia’, die Weisheit und ‘ophis’, die Schlange enthal­ten das O. Das Bild der Schlange, die sich in den Schwanz beißt, wird ‘Ouroborus’ genan­nt und ist eine sehr alte Meta­pher für alles Zyk­lis­che, wie z.B. den Jahreskreis und dafür, dass jedem Ende ein Anfang innewohnt..

Vier Anfänge im Seelenkalender und die Wesensglieder

Die Mantren 15 O und 40 o sind jew­eils die ersten Mantren nach den Schwellen­sprüchen 14 N und 39 n. Dadurch sind sie Mantren des Anfangs, wie auch die jew­eils ersten Mantren der Hal­b­jahre 1 A und 27 a. So gibt es vier Mantren des Anfangs; zwei, die den Buch­staben A in der Über­schrift tra­gen und zwei, die den Buch­staben O dort zeigen. Mir scheint, dass A und O als Alpha und Omega ange­se­hen wer­den kön­nen. Der Chris­tus sagt von sich, dass er das Alpha und das Omega, der Anfang und Ende der Erde­nen­twick­lung sei. Verbinde ich das Alpha und das Omega, wie es im Heili­gen­schein des Chris­tus dargestellt wird mit dem dop­pel­ten Zeit­strom, von dem Rudolf Stein­er spricht, so gehört der Zeit­strom aus der Ver­gan­gen­heit zum A oder Alpha und der Zeit­strom aus der Zukun­ft zum O oder Omega.

Rudolf Stein­er spricht hier zwar nicht von zwei Zeit­strö­men, dafür aber von Ver­gan­gen­heit und Zukun­ft in Bezug auf Alpha und Omega: “Zarathus­tra wies hin auf den­jeni­gen, der durch das Ereig­nis von Gol­gatha bewirken sollte, daß die Men­schen die Welt der Devas [Göt­ter] durch die Kraft ihres eige­nen Innern find­en kön­nen, immer mehr und mehr, je weit­er sie sich in die Zukun­ft hinein entwick­eln und die Schritte nach vor­wärts richt­en kön­nen. Und zur sel­ben Zeit sagte der Bud­dha: Ja, es ist eine geistige Welt, der gegenüber alle Sinneswelt Maja ist. Lenkt Eure Schritte zurück in die Welt, in der Ihr wäret, bevor der Durst nach irdis­chem Dasein erwachte, und Ihr werdet find­en Nir­vana, das Ruhen im Göt­tlichen! — Das ist der Unter­schied in der Lehre des Bud­dha und des Zarathus­tra. Der Bud­dha lehrt, daß der Men­sch durch Zurück­lenkung der Schritte zum Göt­tlichen kom­men kann, und der Zarathus­tra lehrt als Zarathos: Es wird die Zeit kom­men, da wird das Licht sich verkör­pern inner­halb der Erde selb­st, und dadurch wird die Seele, wenn sie vor­wärtss­chre­it­et, näher dem Göt­tlichen kom­men. — Bud­dha sagt: Im Zurückschre­it­en — Zarathus­tra sagt: Im Vor­wärtss­chre­it­en wird die Seele den Gott find­en. Ob man den Gott sucht im Alpha oder im Omega: man find­et ihn.

Ob man zurück- oder vor­wärtss­chre­it­et: zu Gott kommt man! Aber mit erhöht­en men­schlichen Kräften sollen die Men­schen ihn find­en. Diejeni­gen Kräfte, die nötig sind, den Gott des Alpha zu find­en, sind die Urkräfte des Men­schen. Die Kräfte aber, die nötig sind, den Gott des Omega zu find­en, die muß sich der Men­sch sel­ber errin­gen auf der Erde. Es ist nicht ein­er­lei, ob man zurück zum Alpha oder vor­wärts zum Omega geht. Wer nur den Gott find­en will, nur hineinkom­men will in die geistige Welt, der mag vor­wärts- oder rück­wärts­ge­hen, aber wem daran liegt, daß die Men­schheit die Erde in einem erhöht­en Zus­tande ver­lasse, der muß den Weg zum Omega weisen.” (Lit.: GA 109, S. 139f)

Im See­lenkalen­der ste­ht das Alpha‑A, dem Omega‑O nicht gegenüber. Indem jew­eils zwei Mantren als Gegen­spüche mit A bzw. O gekennze­ich­net sind, bilden sie eine Achse und aus bei­den Achsen bildet sich ein Kreuz. Dieses Kreuz hängt für mich zusam­men mit dem unten abge­bilde­ten Kreuz der Wesens­glieder von Rudolf Stein­er. Er sagt, dass die Kräfte der Wesens­glieder gegeneinan­der drück­en und dadurch den physis­chen Men­schen, wie wir ihn ken­nen, erschaffen.

Wirkrich­tun­gen der Wesens­glieder, Graphik aus GA 115, S. 39

Sehe ich von Empfind­ungsleib und Empfind­ungsseele ab, so bilden die vier Wesens­glieder ein Kraft-Kreuz, bei dem jedes Wesens­glied zur Mitte strebt (siehe unten). Vor dem Hin­ter­grund dieser Ord­nung der Wesens­glieder zeigt sich nun, dass die soge­nan­nten unteren Wesens­glieder, der physis­che Leib und der Äther­leib, von den Orten ihre Wirkung ent­fal­ten, die Mantren mit A haben: physis­ch­er Leib 1 A und Äther­leib 27 a. Die soge­nan­nten oberen Wesens­glieder, Ich und Astralleib, ent­fal­ten dage­gen ihre Wirkung von Orten, an denen Mantren mit O ste­hen: Ich 15 O und Astralleib 40 o.

Der Dop­pel­strom der Zeit ist hier nicht als Gegen­strom zu sehen, wie er meist dargestellt wird, son­dern als Kreuz. Die Mantren mit A bilden annäh­ernd eine waagerechte — den Zeit­strom aus der Ver­gan­gen­heit und die Mantren mit O annäh­ernd eine Senkrechte — den Zeit­strom aus der Zukunft.

Mir scheint, dass außer­dem jedes Wesens­glied diesen gemein­sam durchkrafteten Raum auf seine Weise gliedert, was sich im See­lenkalen­der zeigt. Die äußeren Pfeile sollen das verdeut­lichen. Das Ich erschafft die Ein­heit. Der Äther­leib teilt das Jahr in Hal­b­jahre. Er ist das aus dem Munde von Chris­tus gehende zweis­chnei­di­ge Schw­ert, das Wort — die Teilung in Hal­b­jahre wird durch die bei­den Alpha­bete im See­lenkalen­der bewirkt. Der Astralleib gliedert den Jahres­lauf als Ei in die drei Bere­iche, den Mond­bere­ich der Oster­scholle, den Son­nen­bere­ich des Kreiszen­trums und den Stern­bere­ich der Michaelizeit. Der physis­che Leib repräsen­tiert die Vier­gliedrigkeit in den vier Wesens­gliedern, deren erste drei “Leib” genan­nt wer­den und die vier Jahreszeiten.

Über die Gegensprüche 15 O und 40 o

Die Mantren 15 O und 40 o sind bei­de aus der Per­spek­tive eines Ich-Sprech­ers geschrieben. Sie betr­e­f­fen deshalb Aspek­te des bewussten See­len­lebens. Im Mantra 15 O geht es um das Ich, genauer die Bedin­gung seines Kraft­gewinns, wie es die zuge­hörige Ich-Rich­tung erwarten lässt. Im Mantra 40 o ist der Wahn der Eigen­heit­en in den See­len­grün­den lokalisiert, was auf den Astralleib und das zu ihm gehörende Ego hin­weist und damit die Astral­rich­tung bestätigt. Das Mantra 40 o ist das Mantra der Dreikönigs-Woche und damit auch das Mantra der Taufe Jesu im Jor­dan­fluss. Es ist das Mantra der Ein­woh­nung des Son­nengeistes, des Chris­tus in den Men­schen Jesus.

Im Mantra 15 O fühlt der Ich-Sprech­er das Weben des Geistes. Doch der webende Geist erscheint nicht in sein­er wahren Gestalt. Nur wie verza­ubert im Wel­tenschein ist er zu erleben, nicht direkt und klar. Das vom Geist getätigte Weben hat das Eigen­we­sen des Ich-Sprech­ers in Sin­nes­dumpfheit gehüllt. Die O‑Geste des Umhül­lens ist hier erleb­bar. Der Wel­tenschein kön­nte außer­dem ein Hin­weis auf Jupiter und alles Göt­tliche sein, das in Sonne, Mond, Blitz und allen anderen Lichter­schei­n­un­gen gese­hen und verehrt wurde. Diese Göt­ter beschreibt Rudolf Stein­er als die oberen Göt­ter, die im Unter­schied zu den unteren Göt­tern keine eigene Real­ität besaßen. Sie waren nur die Gedanken der unteren Göt­ter — also Schein.

“Wir haben also in der Entwick­elung, wie sie sich bish­er abge­spielt hat, die Saturn‑, Sonnen‑, Mon­den- und Erde­nen­twick­elung. Auf der Erde­nen­twick­elung erleben wir das Mys­teri­um von Gol­gatha und die Johannes­taufe im Jor­dan. Während der alten Sonnenen­twick­elung ist aus der Akasha-Chronik zu gewin­nen ein anderes bedeut­sames Ereig­nis, das in der fol­gen­den Weise zu charak­ter­isieren ist. Damals war ein Prozess am weitesten vorgeschrit­ten, von dem man sagen kann: Die oberen Göt­ter sind die Vorstel­lun­gen der unteren Göt­ter, sind abhängig von ihnen. – Und diese oberen Göt­ter find­en es, wenn ich mich triv­ial aus­drück­en darf, ihrer eige­nen Wesen­heit angemessen­er, in dem leicht­en Ele­mente der oberen Wel­ten zu leben als in dem dichteren Ele­mente, aus dem sich die Erde her­vor­bildete. Es geschieht während der Sonnenen­twick­elung diese Schei­dung zwis­chen zwei ver­schiede­nen Göt­ter­gen­er­a­tio­nen, von denen sich die eine anschickt, als die wirk­lichen alten Göt­ter weit­erzuleben mit den Ele­menten Erde, Wass­er und Luft. Die andere Göt­ter­gen­er­a­tion find­et das zu schwierig, in diese dicht­en Ele­mente hinein sich zu ver­set­zen, und lebt bloß weit­er mit dem, was wir die ätherischen Ele­mente nen­nen, erst mit der Wärme, dann mit dem Licht und dem chemis­chen oder Leben­säther. Wir kön­nen diese zwei nebeneinan­der­laufend­en Göt­ter­strö­mungen auch so beze­ich­nen, dass die eine den schwierigeren Weg wählt, durch die dichteren Ele­mente zu gehen, dass aber die andere den leicht­en Weg wählt, gle­ich­sam umflat­tert die anderen Göt­ter in dem chemis­chen und Leben­säther und ihre Leiber daraus bildet. Es bildet demgemäß alles, was so in diesen feineren Ätherele­menten lebt – und das geschieht ger­ade in der Haupt­sache während der alten Sonnenen­twick­elung – Kräfte aus, die über­haupt auf die Dauer nur leben kön­nen in diesen dün­neren Elementen.

Aber unge­fähr in der Mitte der alten Sonnenen­twick­elung geschieht das Große, Gewaltige, dass eine Wesen­heit während dieser Sonnenen­twick­elung Kräfte aus­bildet, die im Wider­spruch ste­hen mit den feineren, dün­neren Ätherele­menten. Gegenüber dem­jeni­gen, was wir das Mys­teri­um von Gol­gatha, das große Erdenopfer nen­nen, kön­nen wir sprechen von einem Son­nenopfer, das darin bestand, dass sich eine Wesen­heit zwar ihren Aufen­thalt wählte unter den Göt­tern welche nur in den feineren Ele­menten leben woll­ten, aber solche dichteren Kräfte aus­bildete, die gewach­sen waren den Erdenele­menten. … Und es war des Zarathus­tra großes Ver­di­enst, dass er erkan­nt hat: In dem was da als Sonne draußen ist, ist etwas zurück­ge­blieben von der alten Sonne. Das enthält vor­läu­fig dieses Wesen. Aber der Moment rückt her­an, wo dieses Wesen seine den Ele­menten angemessene Gestalt auch auf die Erde her­ab­tra­gen wird.” (GA 129, 8. Vor­trag, 25.8. 1911, Her­vorhe­bung A.F.)

Das Weben des Geistes ist der schöpferische, ätherische Prozess, der Vol­lzug des sinns­tif­ten­den Zusam­men­spiels von Kett- und Schuss­fä­den durch die oberen und unteren Göt­ter. Sie wirken gemein­sam an der Bil­dung des physis­chen Leibes. Mit dem Bild des O‑Lautes als Mund ist das Weben des Geistes ein Aussprechen, ein Erschaf­fen des Leibes. Und dieser Leib hüllt das geistige Wesen des Men­schen in Sin­nes­dumpfheit. Waren die oberen Göt­ter Gedanken der unteren Göt­ter, so sind sie ver­gle­ich­bar mit unbe­wussten Pro­jek­tio­nen des Men­schen. Inter­es­san­ter­weise unter­schei­det das Mantra zwis­chen dem beobach­t­en­den Ich-Sprech­er und seinem Ich.

Auch das Ich als Ego kann ich als solch eine Pro­jek­tion betra­cht­en. Durch den Erden­ab­stieg des Chris­tus, der als ober­er Gott Kräfte der unteren Göt­ter aus­bildete, bekommt das Ich des Men­schen die Möglichkeit, Kräfte geschenkt zu bekom­men, die es alleine nicht aus­bilden kön­nte. Der Sinn dieses Ein­hül­lens, sagt das Mantra, ist es, dem Ich-Sprech­er eine Kraft zu schenken, die sein Ich ihm nicht selb­st geben kann. Das Ich ist durch seine Schranken, seine Beschränkun­gen ohn­mächtig, sich diese Kraft selb­st zu geben. Das Mantra durchzieht Leib­bil­dung. Die Odhil- oder Oth­al-Rune meint Besitz, Heimat, Stamm­sitz, der umfriedet und abge­gren­zt ist vom restlichen Land. In der Leib­bil­dung und den Schranken, in denen das Ich ist, die es beschränken, kann diese O‑Kraft wieder­erkan­nt wer­den. Etwas freier kann ich sagen: Das Ich ist ohn­mächtig, weil es der göt­tlich-schöpferischen O‑Kraft noch nicht mächtig ist. Und das heißt auch, es ist noch nicht mächtig, sich hinzuopfern, um in der O‑Qualität des “Er” die Sin­nes­dumpfheit zu über­winden und selb­st­los zu erkennen.

Das Mantra 40 o spricht von drei Orten: von den Geis­testiefen, den See­len­grün­den und den Liebe­wel­ten — von drei Heimat-Orten sozusagen. Der Ich-Sprech­er ist in den Geis­testiefen, doch der geschilderte Prozess vol­lzieht sich in den See­len­grün­den, entstammt, entquillt aber aus Herzens Liebe­wel­ten. Im Mantra wer­den diese Orte erwäh­nt aber nicht weit­er the­ma­tisiert. Es geht um den Prozess, der dort geschieht. Der Eigen­heit­en leer­er Wahn erfüllt sich mit der Feuerkraft des Wel­tenwortes. (Über die sieben Wort­mantren siehe Blog 38 m, über die sechs Geis­testiefen den Blog­a­r­tikel über die Spiegel­sprüche 17 Q — 36 k.) Der Wahn der Eigen­heit­en lässt sich ver­gle­ichen mit den Gedanken der unteren Göt­ter, die zu oberen Göt­tern wur­den. Es sind Pro­jek­tio­nen aus den Tiefen der Seele. Und in diese “leeren” Gedanken zieht die Feuerkraft des Wel­tenwortes ein und erfüllt sie, wie der Chris­tus den Men­schen Jesus im Taufer­eig­nis erfüllte. Was Wahn war, erhält Leben, denn die Feuerkraft des Wel­tenwortes ist feurige Schöpfer­kraft. In der Feuerkraft lässt sich der Wärmeäther erken­nen, der dem Ich die Grund­lage gibt. Ich-Bil­dung geschieht hier. Ein Wahn, der mit der Feuerkraft des Wel­tenwortes erfüllt ist, wird sich schick­sal­bildend auswirken.

Die Lautkraft des O lässt sich mehrfach find­en. Das O als Mund spricht das Wel­tenwort. Genauer sind es die Liebe­wel­ten des Herzens, aus denen es stammt und die deshalb das O des Mundes sind. Die Feuerkraft des Wel­tenwortes ist mit dem Atem ver­gle­ich­bar, der das Wort trägt. Die See­len­gründe wer­den mit dem Wel­tenwort erfüllt, wie das Auge mit dem Licht, das es sieht. So kann auch in den See­len­grün­den die O‑Qualität erlebt wer­den, dieses Mal als Auge.

Im Mantra 15 O wirkt die Lautkraft des O von außen ein­hül­lend und beschränk­end, im Mantra 40 o wirkt sie erfül­lend von innen.

Das Wirken Ahrimans und Luzifers in den Gegensprüchen 15 O und 40 o

Die Mantren 15 O und 40 o zeigen die Auswirkun­gen der ahri­man­is­chen und luz­iferischen Ein­wirkung auf das Men­schen­we­sen. Die Sin­nes­dumpfheit ist Ahri­mans Werk, der Wahn der Eigen­heit­en ist luz­iferische Verblendung. Rudolf Stein­er sagt über Ahri­man: „In diesem zweit­en Glied der men­schlichen Seele, der Ver­standesseele, also in dem umgear­beit­eten Stück des Äther­leibes, da hat sich fest­ge­set­zt Ahri­man. Da ist er drin­nen und führt den Men­schen zu falschen Urteilen über das Materielle, führt ihn zu Irrtum und Sünde und Lüge, zu allem, was eben aus der Ver­standes- oder Gemütsseele kommt. In alle­dem zum Beispiel, daß der Men­sch sich der Illu­sion hin­gibt, mit der Materie sei das Richtige gegeben, haben wir Ein­flüsterun­gen des Ahri­man, des Mephistophe­les zu sehen.“ (Lit.: GA 107, S. 247) Auch das Weben des Geistes kann kann von Ahri­man bee­in­flusst betra­chtet wer­den, wie Rudolf Stein­er hier erk­lärt: „Über den Ton- und Leben­säther hat beson­ders Ahri­man seine Gewalt. Ahri­man ist zugle­ich der Geist der Schwere. Ahri­man hat das Bestreben, Luz­ifer ent­ge­gen­zuwirken. Dadurch wird in ein­er gewis­sen Weise wesentlich das Gle­ichgewicht bewirkt, daß von den weise wirk­enden, fortschre­i­t­en­den Göt­tern der luz­iferischen Gewalt, die den Men­schen hin­ausheben will über das Irdis­che, ent­ge­gengestellt wird die ahri­man­is­che Gewalt. Ahri­man will nun den Men­schen eigentlich herun­terziehen ins Physis­che. Er will ihn mehr physisch machen, als er son­st würde als Mit­tel­men­sch. Dazu ist Ahri­man dadurch vor­bere­it­et, daß er beson­ders Gewalt hat über den Ton- und Leben­säther. Und in Ton- und Leben­säther wirkt er und webt er, der Ahri­man. Und dadurch wird nun die men­schliche physis­che Gestalt, indem sie aus dem Äther her­aus­ge­ht ins Physis­che hinein, in ein­er andern Weise physisch, als sie gewor­den wäre durch die bloß fortschre­i­t­en­den Göt­ter, zur männlichen Gestalt. Die männliche Gestalt wäre ohne den Ein­fluß Ahri­mans gar nicht denkbar, gar nicht möglich. So daß man sagen kann: Die weib­liche Gestalt ist her­aus­ge­woben durch Luz­ifer aus dem Wärme- und Lichtäther, indem Luz­ifer dieser Gestalt ätherisch ein gewiss­es Streben nach oben ein­flößt. Die männliche Gestalt wird von Ahri­man so geformt, daß ihr ein gewiss­es Streben zur Erde hin eingepflanzt wird.“ (Lit.: GA 272, S. 182f)

Die Mantren 15 O und 40 o sind Gegen­sprüche. Sie hal­ten sich im gewis­sen Sinne gegen­seit­ig im Gle­ichgewicht, wie es Rudolf Stein­er über diese bei­den Kräfte sagt.

Das fol­gende Zitat von Rudolf Stein­er über Luz­ifer verdeut­licht seine Wirkung auf den Astralleib und das über­steigerte Ich-Gefühl — den leeren Wahn der Eigen­heit: „Der Men­sch bestand, als er die Erde betrat, aus dem physis­chen Leibe, dem Äther­leibe und dem Astralleib und bildete diese weit­er aus. Nun wurde ihm von gewis­sen erhabenen Wesen, die vorzugsweise auf der Sonne und dem Monde ihren Wohn­sitz hat­ten, von diesen Wesen wurde ihm die Ich­heit zuteil. Es wirk­ten sozusagen diese Wesen an dem Ich mit. Es gab aber gewisse andere [also luz­iferische] Wesen, die während der Satum‑, Son­nen- und Mon­de­nen­twick­elung sich nicht soweit hin­aufgeschwun­gen hat­ten, daß sie bei dieser Eingliederung des Ichs hät­ten mitwirken kön­nen. Sie kon­nten nur das, was sie auf dem Monde gel­ernt hat­ten. Sie mußten sich darauf beschränken, an dem Astralleib des Men­schen zu arbeit­en, so daß dem Men­schen etwas eingegliedert wurde in den Astralleib, was nicht zu seinem Edel­sten gehörte, was nicht von den erhabenen höheren Wesen, son­dern von den ver­späteten, zurück­ge­bliebe­nen Ein­drin­glin­gen gekom­men ist. Hät­ten diese Wesen das auf dem Monde gemacht, so würde das ein Höch­stes gewe­sen sein. Dadurch aber, daß sie es auf der Erde als Nachzü­gler macht­en, dadurch gliederten sie dem Astralleib etwas ein, was ihn niedriger stellte, als er son­st hätte wer­den kön­nen. Er wurde mit Instink­ten und Lei­den­schaften und mit dem Ego­is­mus begabt.

… Wenn diese geisti­gen Wesen nicht solche Wirkung hät­ten ausüben kön­nen, dann würde im Men­schen­leben das nicht aufge­treten sein, was dazu­mal in den Men­schen kam. Das ist eine gesteigerte Selb­s­theit des Men­schen, ein gesteigertes Ich-Gefühl. “ (Lit.: GA 106, S. 150f)

An dieser Stelle möcht ich auf die Eury­th­miefor­men zu den Mantren hin­weisen, denn auch sie zeigen Hin­weise auf diese bei­den Wider­sach­er. Jew­eils im Vor-Takt scheinen sie mir angedeutet: im Vor-Takt von 15 O wirkt die lila Form, als rage eine fel­sige Gestalt auf, die sich durch­dringt mit einem Gesicht im Pro­fil; im Vor­takt von 40 o lässt die gelbe Form an einen kopfüber stürzen­den Men­schen denken. Die unter­ste große Schlaufe ist sein Kopf, die vier kleineren Schlaufen die Gliedmaßen.