Die Gegensprüche 15 O und 40 o
15 O
Ich fühle wie verzaubert Im Weltenschein des Geistes Weben, Es hat in Sinnesdumpfheit Gehüllt mein Eigenwesen, Zu schenken mir die Kraft, Die ohnmächtig sich selbst zu geben Mein Ich in seinen Schranken ist. |
40 o
Und bin ich in den Geistestiefen, Erfüllt in meinen Seelengründen Aus Herzens Liebewelten Der Eigenheiten leerer Wahn Sich mit des Weltenwortes Feuerkraft. … … |
Die Eurythmieformen zu den Mantren 15 O und 40 o
Über den Buchstaben “O”
Das O ist der vierte von fünf Vokalen. Rudolf Steiner sagt: “Das O offenbart den Menschen als Seele” (GA 315, in Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 62) Und wie die Seele in der Mitte zwischen Leib und Geist steht, ist auch dem O eine Mittelstellung eigen. „Das o ist der Zusammenfluß von a und u, ist der Zusammenfluß von Aufwachen und Einschlafen. Gerade der Moment entweder des Einschlafens oder des Erwachens ist das o. Wenn der Orientale seine Schüler anwies, weder zu schlafen noch zu wachen, sondern an jene Grenze zwischen Wachen und Schlafen zu gehen, wo man so viel erfahren kann, dann wies er ihnen an, die Silbe Om zu sprechen. Und wer oft die Silbe Om wiederholt, kommt in ein Erleben zwischen Wachen und Schlafen hinein.“ (Lit.: GA 282, S. 24) Mit dem O bzw. AOU ist die Erkenntnis des Höchsten verbunden, wie unsere Worte ‘Gott’ und ‘Gold’ zeigen. Rudolf Steiner sage an anderer Stelle, leider ohne genauere Erklärung über das Om, bzw. AUM, die heilige Silbe der Inder: „So wie man im Sanskrit das AUM für die Trinität hat, haben wir für das Innere des Menschen das Zeichen ICH. … Das Wort AUM ist der Atem. Der Atem verhält sich zum Wort, wie der heilige Geist zu Christus, wie das Atma zu dem Ich.“ (Lit.: GA 93a, S. 30) Das O als Zusammenschluss des A und U lässt sich vielleicht als das Bewusstsein ansehen, das I dagegen als das Selbstbewusstsein.
Rudolf Steiner ordnet die Vokale A, O und U dem Blut und dem Stoffwechselmenschen zu, die Vokale E und I dem Nerv und dem Nerven-Sinnesmenschen. “Sie müssen empfinden lernen, wie man sich bei gewissen Lauten innerlich halten muss. Zum Beispiel in den hellen Vokalen e und i im Gegensatz zu den dunklen a, o, u, au. Die dumpfen Vokale a, o, u, au sind so, dass sie im beruhigten Menschen, im Blutmenschen entstehen, e und i im bewegten, erregten Menschen.” (GA 280. S. 40)
Für das O lassen sich entgegengesetzte “Mutterkonsonanten” erkennen, aus denen es hervorwuchs zu seinem reinen Vokalklang, wie wir ihn kennen. Der eine ist die gotische Hever-Rune, der andere der hebräische Buchstabe Ajin. Der Lautwert der gotische Hver-Rune ist ein “H mit Lippenrundung”. Dies ist der gotische Name für F bzw. V. und bedeutet ‘Rad’. Die Buchstabenform für den den ‘Hever’- bzw. ‘Uuaer’-Laut ist ein Kreis mit einem Punkt darin, also das astronomische Zeichen für die Sonne. In der englischen Sprache sind die ‘Wh’-Verbindungen wie in ‘wheel’ für ‘Rad’, ‘what’ = ‘was’ oder ‘who’ = ‘wo’ Hinweise auf diesee auch ‘Hevil’ genannte Rune. ‘Hevil’ ist die Verwandtschaft mit dem heutigen Wort ‘wheel’ anzuhören. (Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 136) Das O weht hier mit dem Hauch heran. Aus dem unfassbaren Geist klingt es zart hervor und wird nicht O, sondern F oder V. Die eigentliche O‑Rune ist die Odhil-Rune, auf die ich später eingehe.
In der hebräischen Sprache, die keine Vokale schreibt, ist ‘Ajin’, das ‘Auge’ der Konsonant des O. Ajin ist ein tiefer leiser Kehllaut. Hermann Beckh schreibt: “suchen wir aus tiefster Kehle einen solchen Hauch hervorzubringen, so können wir leicht finden, dass er mit dem dumpfen unbestimmten Geräusch, das wir wahrnehmen können, wenn wir eine Meermuschel oder Meerschnecke ans Ohr halten, eine täuschende Ähnlichkeit hat. Ajin ist also wirklich der Laut der wirrren dumpfen Ohrgeräusche … [der Urlaut,] wie er uns aus dem Innern unseres eigenen Organismus, aus der Schnecke unseres Ohres … entgegentönt …” (in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 295)
Das griechische Alphabet übernimmt den Ajin-Namen nicht, sondern nennt das O nur ‘kleines O’, also ‘O‑mikron’, das kurz gesprochen wird. Das vom Omikron zu unterscheidende ‘große’ und lang gesprochene ‘O’, wurde ‘O‑mega’ genannt und an den Schluss des Alphabetes gesetzt. Im Folgenden differenziere ich diese beiden O‑Laute nicht.
Was meinten die Menschen, als sie Ajin, das O, Auge nannten? Ernst Moll schreibt: “Der Vorgang des Sehens ist ein Umfassen mit den Blicken. d.h. reine O‑Gebärde … Die indogermanische Wurzel für sehen ist ‘oq’. Slawisch ‘oko’ heißt das ‘Auge’, russisch ‘okno’ heißt das Fenster, lateinisch ‘oculus’, griechisch ‘ophthalmos’ auch ‘omma’ oder ‘opsis; in den germanischen Sprachen haben wir althochdeutsch ‘ouga’ … gotisch ‘augo’. Da das Auge das vollendetste ‘Organ’ ist, können wir in ihm zugleich das O als Laut des ‘Objektiven’ sehen … das O ist der Laut des Jupiter, des heiteren strahlenden Auges. Niergendwo im Sinnenbereich können wir ‘Jupiters erstrahlende Weisheit’ schöner anschauen als im lichten Menschenauge.” (Die Sprache der Laute, S. 296) Der Name ‘Jupiter’ ist gebildet aus ‘Jovis’ und ‘pater’, also Vater. Jovis kommt vom älteren ‘Diovis’, ‘Djeus’, das altinidisch ‘djaus’, der ‘lichte Himmel’ bedeutet. Auf ‘djaus’ geht auch ‘Zeus’ und germanisch ‘Zio, Tiu und lateinisch ‘deus’, griechisch ‘theós’ zurück. Und ‘Déus’ hängt schließlich mit ‘diés’, ‘Tag’ zusammen. Jupiter wird auch ‘Diéspiter’, ‘Diéspater’ genannt. Jupiter ist also der ‘Gottvater’, oder ‘Tagvater’. (Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 304f)
Als Laut des göttlichen Lichtes findet sich das O in ‘Sonne’ und ‘Mond’, im Sternbild des ‘Orion’ und dem ‘Ort’ ihres Aufgangs, dem ‘Osten’ oder ‘Orient’. Das möglicherweise von der Himmelsrichtung abgeleitete ‘Osterfest’ ist in der Auferstehung Christi ein geistiger Sonnenaufgang.
Das I ist der Vokal des Lichtstrahls, das O ist der Vokal des Organs, das das Licht wahrnimmt. Johann Wolfgang von Goethe beschreibt die Zusammengehörigkeit von Licht und Auge in einem Weisheitsspruch:
Wär’ nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt’ es nie erblicken;
Läg’ nicht in uns des Gottes eig’ne Kraft,
Wie könnt’ uns Göttliches entzücken?
Rudolf Steiner gibt die Beschreibung des Sehvorgangs nach dem griechischen Philosophen Plato wieder und sagt: “dass das Sehen eigentlich darauf beruhe, dass beim Sehen eine Art von Fangarmen aus den Augen ausgestreckt werde zu den Dingen hin. Diese Fangarme sind allerdings mit sinnlichen Mitteln nicht zu erkennen: aber dass Plato sich ihrer bewusst war, das beweist eben, dass er in die übersinnliche Welt eingedrungen war. Es ist in der Tat, indem wir die Dinge ansehen, nichts anderes, als nur in feinerer Weise ein Vorgang vorhanden, ähnlich demjenigen, der sich abspielt, wenn wir die Dinge angreifen. Wenn Sie z.B. ein Stück Kreide anfassen, so ist dies ein physischer Vorgang ganz ähnlich dem geistigen Vorgange, der sich abspielt, indem Sie die Ätherkräfte aus ihrem Auge senden, um den Gegenstand im Sehen zu erfassen.” (GA 278, in Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 299)
Das O ist der Laut des Runden, des ‘Topfes’, des ‘Tropfens’, des Regen-‘bogens’, der ‘roten’ ‘Rose’. Nicht nur das Auge empfängt Licht von ‘Sonne’ und ‘Mond’, auch das ‘Ohr’ empfängt das Licht des ‘Tones’, des Sprachverständnisses. Neugieriges Belauschen wird im alemannischen Dialekt ‘losen’ genannt. Wird das ‘Los’ geworfen, soll das Schicksal belauscht werden, ebenso bei allen anderen ‘Orakel’-Techniken. Im ‘Ofen’ ‘lodert’ das Feuer und erfasst das ‘Holz’
Das O ist kein toter Kreis. In ihm liegt die Tendenz, sich verbinden zu wollen, etwas zu umfassen, im anderen aufzugehen, sich zu ‘opfern’. Dies ist der Hintergrund der alten Odhil-Rune. Im Alphabet des Wulfila wird sie ‘Utal’ oder Othal’ genannt, im Althochdeutschen heißt sie ‘uodal’, was ‘Erbsitz’, Heimat’ ‘Familienstammsitz’ bedeutet. Der Name ‘Ulrich’ aus ‘Uodalrich’ oder ‘Uhland’ aus ‘Uodal-lant’ weisen noch heute auf diese Rune hin. Mit Othal wird der ‘Ort’ umfasst, das Land, das zu einem gehört. Othal, Besitz, ist das Stück Erde, das einem gehört, das umfasst, umfriedet und in das die eigene Arbeitskraft hineingeopfert wird.
Ob die Odhil-Rune auch mit dem germanischen Gott Odhin zusammenhängt, dessen alte Schreibung ich verwende, oder ob die Ähnlichkeit andere Ursachen hat, kann ich nicht sagen. Ich möchte hier jedoch darauf hinweisen, dass Odhin der germanische Göttervater ist, wie Jupiter-Jovis der griechische. Der Jupiter zugeordnete Tag ist Donnerstag, ‘jeudi’, im Französischen. Im Deutschen hängt dieser Tag jedoch mit dem germanischen Gott Thor zusammen, der ebenso wie Jupiter bzw. Zeus die Blitze schleudert. Odhin und Thor tragen das O im Namen und zeigen Aspekte dieser Laut-Macht.
Rudolf Steiner sagt: “Wenn man vom O ausgeht, so hat man zunächst das innere Seelenerlebnis der Rundung. Das O ist immer etwas, was in Sympathie eine Sache umfasst.” (GA 282) Und: “Die O‑Stimmung ist diejenige des Umfassens, des In-sich-Aufnehmens, des Mit-sich-Vereinigens. … Bei dem O gehen wir aus uns heraus und schließen etwas in uns ein. Wir umschließen etwas.” (GA 278, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 300) Das O verbindet ein Vielfaches zu einer Einheit, englisch ‘one’, eins, griechisch ‘oios’, ‘einzig’, oder die Ansammlung von Häusern als ‘Dorf’.
Im kirchenslawischen Alphabet wird das O durch ‘on’, durch ‘er’ d.h. der dritten Person des Personalpronomens ausgedrückt. Im E empfindet der Mensch sich selber, beim O umfasst er das Fremde. Rudolf Steiner sagt: “… aber das O bringt uns schon in ein intimeres Verhältnis zu demjenigen, was wir auffassen. Sodass das O im Wesentlichen gebärdenhaft wird, wenn nicht nur der Mensch sich empfindet [wie beim E], sondern von sich ausgehend ein anderes Ding, … das er umfassen will.” (GA 279) Und an anderer Stelle sagt er: “Sodass man etwas fühlen kann, indem man das O erlebt: Ich trete an einen Baum heran; ich umschließe diesen Baum mit den Armen, aber ich bin selbst dieser Baum. Da ist der Baum, und, weil ich selbst eine Baumseele geworden bin, weil ich einsgeworden bin mit dem Baum, mache ich diese Geste. Ich gehe aus mir heraus. (GA 278, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 297) ‘Er’, ’sie’ oder ‘es’ ist das Andere, ein Stück Welt, das der Mensch im O umfasst, mit dem er sich verbindet und das er in sich aufnimmt. Die Welt, das ‘Er’ lässt der Mensch in seinem Ich leben. Das O in den Worten ‘Schoß’, Brust-‘korb’ oder ‘Körper’ zeigen dies genauso wie das Wort ‘Chor’, in dem die einzelnen Stimmen ein Ganzes bilden.
Rudolf Steiner beschreibt den Unterschied von ‘Du’ und ‘Er’ folgendermaßen: Bei der inneren Bewegung, die ‘Ich’ darstellt, “ist es ja ganz klar, da kehrt man in sich selbst zurück. Beim ‘Du’, wenn man so recht ins ‘Du’ hineingeht, wenn man den anderen wirklich meint, so geht man ja aus sich heraus. … Aber auf der anderen Seite kann man wiederum auch nicht ganz aus sich herausgehen, denn wenn man ganz aus sich herausginge, dann würde man ja nicht ein ‘Du’ vor sich haben, sondern ein ‘Er’ [denn die Ich-Du-Beziehung ist dual]. Fühlen Sie das nur: wenn Sie ganz aus sich herausschlüpfen, dann haben Sie nicht ein ‘Du’, sondern ein ‘Er’ oder eine ‘Sie’ vor sich.” (GA 279 in: Die Sprache der Laute, S. 298) Der Mensch opfert sein Eigensein, indem er aus sich heraustritt und etwas außer ihm in sich hineinnimmt. Dadurch kann sich dieses andere ihm ‘offenbaren’. Das O ist der Laut aller Sinnes-‘organe’. Sie heben einen Aspekt der Umwelt heraus, umschließen ihn und opfern sich ihm hin, damit sich das ansonsten ‘Tote’ offenbaren kann. Dadurch ist das O der Laut der zur Weisheit ‘geordneten’ Erkenntnis.
Im Deutschen drückt das Wort ‘Kopf’ das Runde aus, weshalb man auch vom ‘Kohlkopf’ spricht. Rudolf Steiner sagt: Indem der Mensch das O ausspricht, bildet er eigentlich das Folgende: Sehen Sie, der Kopf des Menschen ist ja, wenn ich es grob zeichne, in einer gewissen Weise eine Kugel, und er ist auch geisteswissenschaftlich die richtige Nachbildung der Erdkugel. Er ist … eigentlich aufgebaut in seinem Werden durch dasjenige, was in den Mondenkräften liegt. Aber das baut ihn eben so auf, dass er eine Art Erdkugel wird. … Wenn man nun O ausspricht, da versucht man dasjenige, was sich in der Kugelform des Kopfes zum Ausdruck bringt, im ganzen Ätherkopf zum Ausdruck zu bringen. Und da hat man das Bedürfnis, sich einen zweiten Kopf zu formen. Derjenige, der O ausspricht, der hat das Bestreben, richtig sich einen zweiten Kopf zu formen, und man kann schon sagen: im O‑Aussprechen, da bläht sich der Mensch seinem Kopf nach auf. … er bläst sich auf, und erweckt dadurch die Kräfte, die ihn gerade an dem anderen Pol zum Dicklichwerden veranlassen.” (GA 315 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 304) Das O hat die Tendenz, sich aufzublähen, wie es der ‘Frosch’ mit seiner Schallblase kann. Das zeigt sich im ‘Protz’ und anders in der ‘Wolle’.
Aus altem Hellsehen ist laut Rudolf Steiner im europäischen Raum ein uralter Gottesnamen hervorgegangen. “durch Europa hindurch, auch noch nach Asien hinein [war] eine uralte Gottesvorstellung vorhanden .… von der die heutige Gelehrsamkeit vielleicht erst dann etwas wissen wird, wenn sie sie in den Sagen einzelner entlegener Gebiete Sibiriens entdecken wird. Da taucht nämlich eine merkwürdige Bezeichnung auf — lange vor der christlichen Entwicklung, als nicht gewusst wurde von dem, was da unten geschah, als von dem, was im Alten Testament beschrieben ist, was griechisch-römische Entwicklung, was orientalische Entwicklung ist. Es taucht da eine merkwürdige Vorstellung auf, die etwa zu dem Namen führte, der jetzt ziemlich verklungen ist: der ‘Ongod’; und der Ongod ist ein Name, der sozusagen heute in der Vorstellung von dem ‘einen Gotte’ noch nachklingt. Der Ongod würde etwa so etwas sein, wie das Göttliche in allen geistigen Wesenheiten, die wir wahrnehmen.” (GA 107 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 301)
Bei den Angelsachsen heißt der O‑Laut ‘Os’, der Mund. In Norwegen heißt der Laut ‘Oss’, die Mündung. Der angelsächsische Runenreim lautet:
Mund ist die Quelle aller Sprache,
eine Stütze der Weisheit und ein Trost für weise Menschen
und jedem Edlen ein Segen und eine Freude.
(Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 303)
Wie der Mund sich öffnen und schließen kann, so enthält auch das O beide Tendenzen. Rudolf Steiner sagt: “Das O enthält in der Sprachgestaltung eigentlich die Vorgänge des A, die Vorgänge des U, die Vorgänge des Sich-Öffnens, die Vorgänge des Sich-Schließens in harmonischer Verbindung.” (GA 282 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 303) Das O nimmt eine Mittelstellung ein zwischen A und U. Auf lateinisch heißt ‘orare’ ‘reden’, ‘ora’ ist der ‘Rand’, oder ‘Saum’ und die sich öffnende und schließende Türe heißt ”ostium’.
Die griechischen Worte ‘Sophia’, die Weisheit und ‘ophis’, die Schlange enthalten das O. Das Bild der Schlange, die sich in den Schwanz beißt, wird ‘Ouroborus’ genannt und ist eine sehr alte Metapher für alles Zyklische, wie z.B. den Jahreskreis und dafür, dass jedem Ende ein Anfang innewohnt..
Vier Anfänge im Seelenkalender und die Wesensglieder
Die Mantren 15 O und 40 o sind jeweils die ersten Mantren nach den Schwellensprüchen 14 N und 39 n. Dadurch sind sie Mantren des Anfangs, wie auch die jeweils ersten Mantren der Halbjahre 1 A und 27 a. So gibt es vier Mantren des Anfangs; zwei, die den Buchstaben A in der Überschrift tragen und zwei, die den Buchstaben O dort zeigen. Mir scheint, dass A und O als Alpha und Omega angesehen werden können. Der Christus sagt von sich, dass er das Alpha und das Omega, der Anfang und Ende der Erdenentwicklung sei. Verbinde ich das Alpha und das Omega, wie es im Heiligenschein des Christus dargestellt wird mit dem doppelten Zeitstrom, von dem Rudolf Steiner spricht, so gehört der Zeitstrom aus der Vergangenheit zum A oder Alpha und der Zeitstrom aus der Zukunft zum O oder Omega.
Rudolf Steiner spricht hier zwar nicht von zwei Zeitströmen, dafür aber von Vergangenheit und Zukunft in Bezug auf Alpha und Omega: “Zarathustra wies hin auf denjenigen, der durch das Ereignis von Golgatha bewirken sollte, daß die Menschen die Welt der Devas [Götter] durch die Kraft ihres eigenen Innern finden können, immer mehr und mehr, je weiter sie sich in die Zukunft hinein entwickeln und die Schritte nach vorwärts richten können. Und zur selben Zeit sagte der Buddha: Ja, es ist eine geistige Welt, der gegenüber alle Sinneswelt Maja ist. Lenkt Eure Schritte zurück in die Welt, in der Ihr wäret, bevor der Durst nach irdischem Dasein erwachte, und Ihr werdet finden Nirvana, das Ruhen im Göttlichen! — Das ist der Unterschied in der Lehre des Buddha und des Zarathustra. Der Buddha lehrt, daß der Mensch durch Zurücklenkung der Schritte zum Göttlichen kommen kann, und der Zarathustra lehrt als Zarathos: Es wird die Zeit kommen, da wird das Licht sich verkörpern innerhalb der Erde selbst, und dadurch wird die Seele, wenn sie vorwärtsschreitet, näher dem Göttlichen kommen. — Buddha sagt: Im Zurückschreiten — Zarathustra sagt: Im Vorwärtsschreiten wird die Seele den Gott finden. Ob man den Gott sucht im Alpha oder im Omega: man findet ihn.
Ob man zurück- oder vorwärtsschreitet: zu Gott kommt man! Aber mit erhöhten menschlichen Kräften sollen die Menschen ihn finden. Diejenigen Kräfte, die nötig sind, den Gott des Alpha zu finden, sind die Urkräfte des Menschen. Die Kräfte aber, die nötig sind, den Gott des Omega zu finden, die muß sich der Mensch selber erringen auf der Erde. Es ist nicht einerlei, ob man zurück zum Alpha oder vorwärts zum Omega geht. Wer nur den Gott finden will, nur hineinkommen will in die geistige Welt, der mag vorwärts- oder rückwärtsgehen, aber wem daran liegt, daß die Menschheit die Erde in einem erhöhten Zustande verlasse, der muß den Weg zum Omega weisen.” (Lit.: GA 109, S. 139f)
Im Seelenkalender steht das Alpha‑A, dem Omega‑O nicht gegenüber. Indem jeweils zwei Mantren als Gegenspüche mit A bzw. O gekennzeichnet sind, bilden sie eine Achse und aus beiden Achsen bildet sich ein Kreuz. Dieses Kreuz hängt für mich zusammen mit dem unten abgebildeten Kreuz der Wesensglieder von Rudolf Steiner. Er sagt, dass die Kräfte der Wesensglieder gegeneinander drücken und dadurch den physischen Menschen, wie wir ihn kennen, erschaffen.
Wirkrichtungen der Wesensglieder, Graphik aus GA 115, S. 39
Sehe ich von Empfindungsleib und Empfindungsseele ab, so bilden die vier Wesensglieder ein Kraft-Kreuz, bei dem jedes Wesensglied zur Mitte strebt (siehe unten). Vor dem Hintergrund dieser Ordnung der Wesensglieder zeigt sich nun, dass die sogenannten unteren Wesensglieder, der physische Leib und der Ätherleib, von den Orten ihre Wirkung entfalten, die Mantren mit A haben: physischer Leib 1 A und Ätherleib 27 a. Die sogenannten oberen Wesensglieder, Ich und Astralleib, entfalten dagegen ihre Wirkung von Orten, an denen Mantren mit O stehen: Ich 15 O und Astralleib 40 o.
Der Doppelstrom der Zeit ist hier nicht als Gegenstrom zu sehen, wie er meist dargestellt wird, sondern als Kreuz. Die Mantren mit A bilden annähernd eine waagerechte — den Zeitstrom aus der Vergangenheit und die Mantren mit O annähernd eine Senkrechte — den Zeitstrom aus der Zukunft.
Mir scheint, dass außerdem jedes Wesensglied diesen gemeinsam durchkrafteten Raum auf seine Weise gliedert, was sich im Seelenkalender zeigt. Die äußeren Pfeile sollen das verdeutlichen. Das Ich erschafft die Einheit. Der Ätherleib teilt das Jahr in Halbjahre. Er ist das aus dem Munde von Christus gehende zweischneidige Schwert, das Wort — die Teilung in Halbjahre wird durch die beiden Alphabete im Seelenkalender bewirkt. Der Astralleib gliedert den Jahreslauf als Ei in die drei Bereiche, den Mondbereich der Osterscholle, den Sonnenbereich des Kreiszentrums und den Sternbereich der Michaelizeit. Der physische Leib repräsentiert die Viergliedrigkeit in den vier Wesensgliedern, deren erste drei “Leib” genannt werden und die vier Jahreszeiten.
Über die Gegensprüche 15 O und 40 o
Die Mantren 15 O und 40 o sind beide aus der Perspektive eines Ich-Sprechers geschrieben. Sie betreffen deshalb Aspekte des bewussten Seelenlebens. Im Mantra 15 O geht es um das Ich, genauer die Bedingung seines Kraftgewinns, wie es die zugehörige Ich-Richtung erwarten lässt. Im Mantra 40 o ist der Wahn der Eigenheiten in den Seelengründen lokalisiert, was auf den Astralleib und das zu ihm gehörende Ego hinweist und damit die Astralrichtung bestätigt. Das Mantra 40 o ist das Mantra der Dreikönigs-Woche und damit auch das Mantra der Taufe Jesu im Jordanfluss. Es ist das Mantra der Einwohnung des Sonnengeistes, des Christus in den Menschen Jesus.
Im Mantra 15 O fühlt der Ich-Sprecher das Weben des Geistes. Doch der webende Geist erscheint nicht in seiner wahren Gestalt. Nur wie verzaubert im Weltenschein ist er zu erleben, nicht direkt und klar. Das vom Geist getätigte Weben hat das Eigenwesen des Ich-Sprechers in Sinnesdumpfheit gehüllt. Die O‑Geste des Umhüllens ist hier erlebbar. Der Weltenschein könnte außerdem ein Hinweis auf Jupiter und alles Göttliche sein, das in Sonne, Mond, Blitz und allen anderen Lichterscheinungen gesehen und verehrt wurde. Diese Götter beschreibt Rudolf Steiner als die oberen Götter, die im Unterschied zu den unteren Göttern keine eigene Realität besaßen. Sie waren nur die Gedanken der unteren Götter — also Schein.
“Wir haben also in der Entwickelung, wie sie sich bisher abgespielt hat, die Saturn‑, Sonnen‑, Monden- und Erdenentwickelung. Auf der Erdenentwickelung erleben wir das Mysterium von Golgatha und die Johannestaufe im Jordan. Während der alten Sonnenentwickelung ist aus der Akasha-Chronik zu gewinnen ein anderes bedeutsames Ereignis, das in der folgenden Weise zu charakterisieren ist. Damals war ein Prozess am weitesten vorgeschritten, von dem man sagen kann: Die oberen Götter sind die Vorstellungen der unteren Götter, sind abhängig von ihnen. – Und diese oberen Götter finden es, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, ihrer eigenen Wesenheit angemessener, in dem leichten Elemente der oberen Welten zu leben als in dem dichteren Elemente, aus dem sich die Erde hervorbildete. Es geschieht während der Sonnenentwickelung diese Scheidung zwischen zwei verschiedenen Göttergenerationen, von denen sich die eine anschickt, als die wirklichen alten Götter weiterzuleben mit den Elementen Erde, Wasser und Luft. Die andere Göttergeneration findet das zu schwierig, in diese dichten Elemente hinein sich zu versetzen, und lebt bloß weiter mit dem, was wir die ätherischen Elemente nennen, erst mit der Wärme, dann mit dem Licht und dem chemischen oder Lebensäther. Wir können diese zwei nebeneinanderlaufenden Götterströmungen auch so bezeichnen, dass die eine den schwierigeren Weg wählt, durch die dichteren Elemente zu gehen, dass aber die andere den leichten Weg wählt, gleichsam umflattert die anderen Götter in dem chemischen und Lebensäther und ihre Leiber daraus bildet. Es bildet demgemäß alles, was so in diesen feineren Ätherelementen lebt – und das geschieht gerade in der Hauptsache während der alten Sonnenentwickelung – Kräfte aus, die überhaupt auf die Dauer nur leben können in diesen dünneren Elementen.
Aber ungefähr in der Mitte der alten Sonnenentwickelung geschieht das Große, Gewaltige, dass eine Wesenheit während dieser Sonnenentwickelung Kräfte ausbildet, die im Widerspruch stehen mit den feineren, dünneren Ätherelementen. Gegenüber demjenigen, was wir das Mysterium von Golgatha, das große Erdenopfer nennen, können wir sprechen von einem Sonnenopfer, das darin bestand, dass sich eine Wesenheit zwar ihren Aufenthalt wählte unter den Göttern welche nur in den feineren Elementen leben wollten, aber solche dichteren Kräfte ausbildete, die gewachsen waren den Erdenelementen. … Und es war des Zarathustra großes Verdienst, dass er erkannt hat: In dem was da als Sonne draußen ist, ist etwas zurückgeblieben von der alten Sonne. Das enthält vorläufig dieses Wesen. Aber der Moment rückt heran, wo dieses Wesen seine den Elementen angemessene Gestalt auch auf die Erde herabtragen wird.” (GA 129, 8. Vortrag, 25.8. 1911, Hervorhebung A.F.)
Das Weben des Geistes ist der schöpferische, ätherische Prozess, der Vollzug des sinnstiftenden Zusammenspiels von Kett- und Schussfäden durch die oberen und unteren Götter. Sie wirken gemeinsam an der Bildung des physischen Leibes. Mit dem Bild des O‑Lautes als Mund ist das Weben des Geistes ein Aussprechen, ein Erschaffen des Leibes. Und dieser Leib hüllt das geistige Wesen des Menschen in Sinnesdumpfheit. Waren die oberen Götter Gedanken der unteren Götter, so sind sie vergleichbar mit unbewussten Projektionen des Menschen. Interessanterweise unterscheidet das Mantra zwischen dem beobachtenden Ich-Sprecher und seinem Ich.
Auch das Ich als Ego kann ich als solch eine Projektion betrachten. Durch den Erdenabstieg des Christus, der als oberer Gott Kräfte der unteren Götter ausbildete, bekommt das Ich des Menschen die Möglichkeit, Kräfte geschenkt zu bekommen, die es alleine nicht ausbilden könnte. Der Sinn dieses Einhüllens, sagt das Mantra, ist es, dem Ich-Sprecher eine Kraft zu schenken, die sein Ich ihm nicht selbst geben kann. Das Ich ist durch seine Schranken, seine Beschränkungen ohnmächtig, sich diese Kraft selbst zu geben. Das Mantra durchzieht Leibbildung. Die Odhil- oder Othal-Rune meint Besitz, Heimat, Stammsitz, der umfriedet und abgegrenzt ist vom restlichen Land. In der Leibbildung und den Schranken, in denen das Ich ist, die es beschränken, kann diese O‑Kraft wiedererkannt werden. Etwas freier kann ich sagen: Das Ich ist ohnmächtig, weil es der göttlich-schöpferischen O‑Kraft noch nicht mächtig ist. Und das heißt auch, es ist noch nicht mächtig, sich hinzuopfern, um in der O‑Qualität des “Er” die Sinnesdumpfheit zu überwinden und selbstlos zu erkennen.
Das Mantra 40 o spricht von drei Orten: von den Geistestiefen, den Seelengründen und den Liebewelten — von drei Heimat-Orten sozusagen. Der Ich-Sprecher ist in den Geistestiefen, doch der geschilderte Prozess vollzieht sich in den Seelengründen, entstammt, entquillt aber aus Herzens Liebewelten. Im Mantra werden diese Orte erwähnt aber nicht weiter thematisiert. Es geht um den Prozess, der dort geschieht. Der Eigenheiten leerer Wahn erfüllt sich mit der Feuerkraft des Weltenwortes. (Über die sieben Wortmantren siehe Blog 38 m, über die sechs Geistestiefen den Blogartikel über die Spiegelsprüche 17 Q — 36 k.) Der Wahn der Eigenheiten lässt sich vergleichen mit den Gedanken der unteren Götter, die zu oberen Göttern wurden. Es sind Projektionen aus den Tiefen der Seele. Und in diese “leeren” Gedanken zieht die Feuerkraft des Weltenwortes ein und erfüllt sie, wie der Christus den Menschen Jesus im Taufereignis erfüllte. Was Wahn war, erhält Leben, denn die Feuerkraft des Weltenwortes ist feurige Schöpferkraft. In der Feuerkraft lässt sich der Wärmeäther erkennen, der dem Ich die Grundlage gibt. Ich-Bildung geschieht hier. Ein Wahn, der mit der Feuerkraft des Weltenwortes erfüllt ist, wird sich schicksalbildend auswirken.
Die Lautkraft des O lässt sich mehrfach finden. Das O als Mund spricht das Weltenwort. Genauer sind es die Liebewelten des Herzens, aus denen es stammt und die deshalb das O des Mundes sind. Die Feuerkraft des Weltenwortes ist mit dem Atem vergleichbar, der das Wort trägt. Die Seelengründe werden mit dem Weltenwort erfüllt, wie das Auge mit dem Licht, das es sieht. So kann auch in den Seelengründen die O‑Qualität erlebt werden, dieses Mal als Auge.
Im Mantra 15 O wirkt die Lautkraft des O von außen einhüllend und beschränkend, im Mantra 40 o wirkt sie erfüllend von innen.
Das Wirken Ahrimans und Luzifers in den Gegensprüchen 15 O und 40 o
Die Mantren 15 O und 40 o zeigen die Auswirkungen der ahrimanischen und luziferischen Einwirkung auf das Menschenwesen. Die Sinnesdumpfheit ist Ahrimans Werk, der Wahn der Eigenheiten ist luziferische Verblendung. Rudolf Steiner sagt über Ahriman: „In diesem zweiten Glied der menschlichen Seele, der Verstandesseele, also in dem umgearbeiteten Stück des Ätherleibes, da hat sich festgesetzt Ahriman. Da ist er drinnen und führt den Menschen zu falschen Urteilen über das Materielle, führt ihn zu Irrtum und Sünde und Lüge, zu allem, was eben aus der Verstandes- oder Gemütsseele kommt. In alledem zum Beispiel, daß der Mensch sich der Illusion hingibt, mit der Materie sei das Richtige gegeben, haben wir Einflüsterungen des Ahriman, des Mephistopheles zu sehen.“ (Lit.: GA 107, S. 247) Auch das Weben des Geistes kann kann von Ahriman beeinflusst betrachtet werden, wie Rudolf Steiner hier erklärt: „Über den Ton- und Lebensäther hat besonders Ahriman seine Gewalt. Ahriman ist zugleich der Geist der Schwere. Ahriman hat das Bestreben, Luzifer entgegenzuwirken. Dadurch wird in einer gewissen Weise wesentlich das Gleichgewicht bewirkt, daß von den weise wirkenden, fortschreitenden Göttern der luziferischen Gewalt, die den Menschen hinausheben will über das Irdische, entgegengestellt wird die ahrimanische Gewalt. Ahriman will nun den Menschen eigentlich herunterziehen ins Physische. Er will ihn mehr physisch machen, als er sonst würde als Mittelmensch. Dazu ist Ahriman dadurch vorbereitet, daß er besonders Gewalt hat über den Ton- und Lebensäther. Und in Ton- und Lebensäther wirkt er und webt er, der Ahriman. Und dadurch wird nun die menschliche physische Gestalt, indem sie aus dem Äther herausgeht ins Physische hinein, in einer andern Weise physisch, als sie geworden wäre durch die bloß fortschreitenden Götter, zur männlichen Gestalt. Die männliche Gestalt wäre ohne den Einfluß Ahrimans gar nicht denkbar, gar nicht möglich. So daß man sagen kann: Die weibliche Gestalt ist herausgewoben durch Luzifer aus dem Wärme- und Lichtäther, indem Luzifer dieser Gestalt ätherisch ein gewisses Streben nach oben einflößt. Die männliche Gestalt wird von Ahriman so geformt, daß ihr ein gewisses Streben zur Erde hin eingepflanzt wird.“ (Lit.: GA 272, S. 182f)
Die Mantren 15 O und 40 o sind Gegensprüche. Sie halten sich im gewissen Sinne gegenseitig im Gleichgewicht, wie es Rudolf Steiner über diese beiden Kräfte sagt.
Das folgende Zitat von Rudolf Steiner über Luzifer verdeutlicht seine Wirkung auf den Astralleib und das übersteigerte Ich-Gefühl — den leeren Wahn der Eigenheit: „Der Mensch bestand, als er die Erde betrat, aus dem physischen Leibe, dem Ätherleibe und dem Astralleib und bildete diese weiter aus. Nun wurde ihm von gewissen erhabenen Wesen, die vorzugsweise auf der Sonne und dem Monde ihren Wohnsitz hatten, von diesen Wesen wurde ihm die Ichheit zuteil. Es wirkten sozusagen diese Wesen an dem Ich mit. Es gab aber gewisse andere [also luziferische] Wesen, die während der Satum‑, Sonnen- und Mondenentwickelung sich nicht soweit hinaufgeschwungen hatten, daß sie bei dieser Eingliederung des Ichs hätten mitwirken können. Sie konnten nur das, was sie auf dem Monde gelernt hatten. Sie mußten sich darauf beschränken, an dem Astralleib des Menschen zu arbeiten, so daß dem Menschen etwas eingegliedert wurde in den Astralleib, was nicht zu seinem Edelsten gehörte, was nicht von den erhabenen höheren Wesen, sondern von den verspäteten, zurückgebliebenen Eindringlingen gekommen ist. Hätten diese Wesen das auf dem Monde gemacht, so würde das ein Höchstes gewesen sein. Dadurch aber, daß sie es auf der Erde als Nachzügler machten, dadurch gliederten sie dem Astralleib etwas ein, was ihn niedriger stellte, als er sonst hätte werden können. Er wurde mit Instinkten und Leidenschaften und mit dem Egoismus begabt.
… Wenn diese geistigen Wesen nicht solche Wirkung hätten ausüben können, dann würde im Menschenleben das nicht aufgetreten sein, was dazumal in den Menschen kam. Das ist eine gesteigerte Selbstheit des Menschen, ein gesteigertes Ich-Gefühl. “ (Lit.: GA 106, S. 150f)
An dieser Stelle möcht ich auf die Eurythmieformen zu den Mantren hinweisen, denn auch sie zeigen Hinweise auf diese beiden Widersacher. Jeweils im Vor-Takt scheinen sie mir angedeutet: im Vor-Takt von 15 O wirkt die lila Form, als rage eine felsige Gestalt auf, die sich durchdringt mit einem Gesicht im Profil; im Vortakt von 40 o lässt die gelbe Form an einen kopfüber stürzenden Menschen denken. Die unterste große Schlaufe ist sein Kopf, die vier kleineren Schlaufen die Gliedmaßen.