Die Gegensprüche 17 Q und 42 q

17 Q

Es spricht das Weltenwort,

Das ich durch Sinnestore

In See­len­gründe durfte führen:

Erfülle deine Geistestiefen

Mit meinen Weltenweiten

Zu find­en ein­stens mich in dir.

42 q

Es ist in diesem Winterdunkel

Die Offen­barung eign­er Kraft

Der Seele stark­er Trieb,

In Fin­stern­isse sie zu lenken

Und ahnend vorzufühlen

Durch Herzenswärme Sinnesoffenbarung.

Die Eurythmieformen zu den Mantren 17 Q und 42 q

Über den Buchstaben “Q”

Das Q ist ein Buch­stabe, dessen Lautwert zur Fam­i­lie des K gehört, eben­so wie das C, mit dem es die Verän­der­lichkeit des Lautwertes gemein­sam hat. Im griechis­chen Alpha­bet ging ‘Qop­pa’, das Q ver­loren, weil es mehr und mehr mit dem Kap­pa, dem Zeichen für K zusam­men­fiel, sodass es nur noch als Zahlze­ichen erhal­ten blieb. Das Qop­pa stammt von ‘Qoph’, dem Q des hebräis­chen Alpha­bets und bedeutet ‘Affe’. Hier ist es ein ganz hin­ten im Gau­men gesproch­enes K, ein gut­turaler Urlaut ähn­lich dem Ajin (siehe Blog­a­r­tikel 15 O — 40 o). Im Deutschen ist das Q eine Verbindung von K und W, ein labiove­lar­er Laut, der Gau­men und Lip­pen verbindet. Hebt das C in die Leichte, wie Rudolf Stein­er sagt (siehe Blog­a­r­tikel 3 C — 29 c), so bein­hal­tet das Q die nieder­drück­ende Schwere, wie sich im Ver­lauf zeigen wird.

Inter­es­san­ter­weise ste­ht das Q an drit­ter Stelle nach dem O, wie das C an drit­ter Stelle ste­ht nach dem A. Mit dem O hat das Q gemein­sam, dass es ähn­lich wie das P und das R auf der Kre­is­form aufge­baut ist. Diese vier aufeinan­der fol­gen­den Buch­staben O — P — Q — R bilden eine For­men­rei­he. Das O ist das tönende Runde in sein­er Ruhe. Mit dem P erhebt sich das Runde als Pilz-Kopf. Das im griechis­chen Alpha­bet ver­schwun­dene Zeichen des Qop­pa war ein Kreis auf einem kurzen senkrecht­en Strich. Der Strich beim Q deutet an, dass hier etwas aus­tritt, etwas durch Druck aus­ge­quetscht wird. Im R schließlich kommt das Runde in Bewegung.

Bevor ich auf das Q als Qoph, als Affe einge­he, soll das gotis­che Q betra­chtet wer­den. Im gotis­chen Alpha­bet wird das Q ‘quer­tra’, der ‘Köder’ genan­nt. Im mit­tel­hochdeutschen hieß der Köder noch ‘querder’ und im althochdeutschen ‘quer­dar’. Fast so nen­nt auch die Salzburg­er Alkuin­hand­schrift (8. — 10. Jhd) das Q ‘quer­tra’, den Köder. Eine andere Beze­ich­nung für ‘quer­tra’ ist ‘Docht’. (Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 326) Mit Quer­tra ver­wandt ist gotisch ‘kara’, ‘Klage’ und ‘Sorge’. Davon abgeleit­et ist gotisch qair­nus’, die ‘Müh­le’, der ‘Mühlstein’. Möglich, dass unser Wort ‘Quirl’ vom drehen­den Mühlstein kommt.

Rudolf Stein­er sagt: “Q ist eine schmerzhafte Reak­tion.” Und es ist “alles Anpressen der Glieder an den Leib.” (A. Dubach-Donath, Die Grun­dele­mente der Eury­th­mie, in: Die Sprache der Laute, S. 326) Die Autorin schreibt dort auch: “Das Ver­quere, gequälte, Dishar­monis­che muss zum Aus­druck kom­men.” An dem Wort ‘Qual’ wurde die Eury­th­miege­bärde des Q geübt. Die Hände sollen dabei an die Brust gepresst und wie im Über­maß des Schmerzes wieder weggestoßen wer­den. (in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 326)

War das Erleben der Sprache in alter Zeit ein luz­iferisch freud­voll Auf­jauchzen­des, so geht es laut Rudolf Stein­er heute ins andere Extrem. “Wir haben im Laufe der Zivil­i­sa­tion ver­loren jenes innere Jauchzen, das wir bei gewis­sen Worten haben soll­ten [durch die Bildgestalt der einzel­nen Laute]. … Es ist still gewor­den, gle­ichgiltig gewor­den. Der Men­sch ist gewis­ser­maßen in seinem See­len­leben sauer gewor­den. Daher hat man auch, wenn die Zivil­i­sa­tion der Gegen­wart spricht, zumeist das Gefühl, dass man etwas wie aus Salz und Essig gemis­cht auf die Zunge bekommt. Ger­ade die zivil­isiertesten Sprachen schla­gen einem eigentlich, wenn gesprochen wird, wenn das alles namentlich so nach den Quetschlaut­en hin sich nähert, … wie eine Mis­chung von Salz und Essig an die Zunge. Aber die ursprüngliche Sprache der Men­schheit ist eigentlich fließen­der Honig, ist etwas unge­mein Süßes, ist das­jenige, wodurch sich das men­schliche Wesen schon durch den Laut äußert.” (GA 279 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 236). Was hier für die Sprache im All­ge­meinen gesagt wird, gilt im beson­deren für das Q. Es “schmeckt” sozusagen schlecht.

Der gotis­che Name des Q, quer­tra, der Köder hängt zusam­men mit ‘quer­cha’, der Kehle, das zum heuti­gen Wort ‘Gurgel’ wurde. Das Q ist eben­so wie K ein gut­turaler Stoßlaut. Beim ‘Schluck­en’ wird der Wider­stand in der Kehle über­wun­den, beim Q wird die Eng­stelle erlebt. Das Q ist die Qual, wenn der Bis­sen im Halse steck­en bleibt. Quer­tra ist der Köder, den der Angler auf den Hak­en spießt, nach dem der Fisch schnappt und der sein Schick­sal besiegelt. Es ist auch der Docht, der eingek­lemmt wird und im Öl der Lampe hängt.

Vom irischen Ogham Alpha­bet ist der Cert- oder Quert-Laut (gesprochen kw) in der Tra­di­tion als Apfel­baum über­liefert. Diese Benen­nung erin­nert im Zusam­men­hang mit dem gotis­chen Namen quer­ta, Köder, an das Märchen von Schnee­wittchen, dem der Apfel in der Kehle steck­en blieb. Schnee­wittchen fiel darauf in einen todähn­lichen Schlaf. Hier wer­den die mit dem Paradiesapfel ver­bun­de­nen Erken­nt­niskräfte, die mit dem erwachen­den Intellekt das Leben der Seele abtöten, ins Bild gebracht. Auch der Apfel ist ein sprechen­des Bild für das Q.

Der hebräis­che Name des Q, ‘qoph’, der Affe, stammt aus dem San­skrit. ‘Kapi’, der Hur­tige heißt der Affe hier. Zwar haben die Men­schenaf­fen von allen Tieren einen Spra­chor­gan­is­mus, der dem Men­schen am ähn­lich­sten ist, doch ist ihm keine Wor­tim­i­ta­tion zu ent­lock­en, wie z.B. dem Papagei.

Rudolf Stein­er sagt über die Sprache: “Und so wie in den Zäh­nen zum Vorschein kommt das­jenige, was denkerisch ist, in den Lip­pen das­jenige, was im Gefüh­le wurzelt, so wird in dem außeror­dentlich wichti­gen … Gau­menor­gan­is­mus, der die Mund­höh­le nach rück­wärts abschließt, sicht­bar wer­den für eine wirk­liche Men­schenkunde die Art und Weise, wie die Kräfte von unten nach oben wirken und sich ger­ade im Gau­men stauen, so dass sie überge­hen in die Sprach­wirk­samkeit. … [Man wird] wahrnehmen kön­nen, wie in den Zahn­laut­en das Denkerische des Men­schen lebt, wie in den Gau­men­laut­en, die ins­beson­dere die Zunge impulsieren, das Wil­lens­mäßige des Men­schen lebt. … [Und weil die Sprache] in ihrer inneren Bewe­gung und Kon­fig­u­ra­tion ein Abbild der ganzen Men­schen­natur ist, … [deshalb ist es so, dass] in den Zahn­laut­en zuerst der Kopf, in den Lip­pen­laut­en die Brust, in den Gau­men­laut­en der übrige Men­sch in die Sprache hinein erobert wird.” (GA 282 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 328)

Der von unten auf­steigende Sprach­strom wird zum ersten Mal Laut an der Stelle des Qoph. Hier erstirbt der leib­liche Organ­bildende Sprach­strom und erste­ht neu als Laut. Doch das gelingt dem Affen nicht. Er hat seine Sprachkräfte ver­aus­gabt in der Organ­bil­dung. “Der Affe aber hat sein ganzes Ver­mö­gen in den kom­plizierten Appa­rat hineingesteckt — und ver­mag nun die Last nicht zu heben. Die anderen Tiere haben den Ein­satz nicht gemacht.” (Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 330.) So bleibt dem Affen der Mund ver­schlossen. Hebräisch heißt ‘qaphatz’ (qphtz) ‘ver­schließen, verstopfen’.

Wie schon erwäh­nt, ist dem Q das Erleben der ‘Qual’, des ‘Ver­queren’, des Drucks im ‘quetschen’ und ‘quitschen’ eigen. Doch auch das ursprünglich Neue, des ‘quick­lebe­ni­gen’ ‘Quells’ und der kaum ins Sein getrete­nen ‘Qualle’ sind ‘Qual­itäten’ des Q. Hebräisch ‘qadam’ (qdm) heißt ‘vor­ange­hen’, ‘qedem’ (qdm) heißt, ‘was vorne ist’, der ‘Osten’, das ‘Mor­gen­land’ und ‘qad­ma’ (qdmh) ist der ‘Ursprung’, ‘qad­moni’ (qdmvnj) bedeutet ‘früher’, ‘vorzeit­ig’ ‘alt’ ‘östlich’.

An der Stelle des Q geht es vom Stumm­sein zur Offen­barung. Lateinisch ‘quiéd­cere’ bedeutet ‘ruhen, schweigen, ver­s­tum­men’ und ‘quir­itare’ heißt ‘laut rufen, schreien. Gotisch bedeutet ‘qithan’ ’sagen, sprechen’. Das ‘Quatschen’ ist ein her­vorquel­len­der Rede­fluss, doch sein Ursprung ist ‘quat’, das Böse. Im Wort ‘Quark’, das vom tatarischen Wort für geronnene Milch, ‘turak’ kommt, wird das sauer und Fes­t­wer­den der flüs­si­gen Milch erlebt.

Wie das Q ein nach rück­wärts gedrängtes K ist, so ist das palatal­isierte c (tsch) der nach vorne ver­schobene Laut des Drucks. Bei­de Quetschlaute sind aus­drucksstark erleb­bar in ‘quetschen’ und ‘quitschen’.

Im deutschen Q schwingt neben dem K das W mit. Inter­es­san­ter­weise dominieren diese drei Laute die lateinis­chen, rus­sis­chen und deutschen Fragewörter und zeigen dadurch ein jew­eils anderes Erleben der Frage.  Im Lateinis­chen heißt ‘fra­gen’ ‘quaerere’, ‘qua?’ fragt wo?, ‘qualis? ‘wie?’ und ‘quan­do?’ ‘wann?’. Hier beklagt sich im Q‑Erlebnis der Frager über den lei­d­vollen Druck des Nichtwissens, die Qual des Zweifels. Lateinisch ‘queri’ bedeutet ‘bekla­gen, kla­gen’. Die lateinis­che Sprache bringt zum Erleb­nis, dass die Weltlichkeit den Geist ver­schluckt hat. Das Gegen­teil kommt in den rus­sis­chen Frage­worten zum Aus­druck, denn im K wird aus­ge­drückt, wie der Geist die Materie beherrscht. ‘Wer?’ heißt auf rus­sisch ‘kto?’, ‘wie?’ heißt ‘kak?’ und ‘wann?’ ‘kog­da?’. Im K wird die Welt königlich beherrscht und geord­net. Der Frager erlebt sich allein durch das Stellen der Frage als einen ‘Ken­ner’ und ‘Kön­ner’. Die deutschen Frage­worte sind W‑Worte: wer?, wie?, was?, wann?, wo?, warum?. Das Erleb­nis des Fra­gens ist hier wed­er qualvoll, undurch­schaubar und lei­d­voll, noch klar und erken­nend allein durch das Stellen der Frage. Im W‑Erlebnis liegt das Schwere und gle­ichzeit­ig das Weiche, Tas­tende, das sich belehren lässt. Diese Schwere soll im seel­isch aufge­fassten W in der Eury­th­miegeste zum Aus­druck kom­men. Die schmal aneinan­dergelegten und gehobe­nen Arme vollführen Wellen­be­we­gun­gen. Das soll dargestellt wer­den “indem man gle­ichzeit­ig zu erken­nen gibt, dass man die Hände wie schwere Gewichte daran empfind­et” (Dubach-Donath, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 399)

Das Q zeigt sich als ein Lautwe­sen, das sich nicht auf einen Klang beschränkt. Es drückt Qual und Leid des Geistes aus. Diese Unbill muss der Geist auf dem Weg in die Verkör­pe­rung erlei­den, denn sie geht mit notwendi­gen Spezial­isierun­gen und Beschränkun­gen ein­her. Gle­ichzeit­ig drückt das Q die quel­lende, frische, noch unver­brauchte Leben­skraft aus, die zur Offen­garung z.B. in der Sprache drängt.

Die Namen der Heiligen Drei Könige und die ersten drei Wochen, die Epiphaniaszeit im neuen Jahr

Das Mantra 42 q ist das Mantra der drit­ten Woche im neuen Jahr. Wie ein großer See­len­raum erscheinen mir die ersten drei Wochen des Jahres – regiert von den Drei Heili­gen Köni­gen. Die Woche 42 q ist die des grü­nen Königs. Sein Geschenk ist die Myrrhe, eine uralte Heilpflanze, — eigentlich ein Baum — dessen Harz desin­fizierende und wund­heilende Wirkung hat. Die Myrrhe heilt, was ein ego­is­tis­ch­er, unacht­samer Wille an Schaden verur­sacht hat.

Adam Bit­tle­ston ver­ste­ht die drei königlichen Geschenke als Gabe Christi für den Men­schen, als Ziele des Strebens.

Die Offen­barung Christi

Erleuchte die Welt

Und schenke dem Denken

Ver­ständ­nis:

Das reine Gold.

-

Die Liebe Christi

Fließe in die Seelen

Und erwecke im Herzen

Gebete:

Den steigen­den Weihrauch.

-

Das Tun Christi

Ergreife den Geist der Menschen

Und lehre die Hände

Demut:

Die heilende Myrrhe.

(Med­i­ta­tive Gebete für die heutige Zeit, 1994)

Auch von Rudolf Stein­er fand ich eine Deu­tung der Geschenke der Heili­gen Drei Könige, die Bezug nimmt auf die drei See­len­fähigkeit­en. “Das Beste, was man einem Men­schen aus der Zarathus­tra-Strö­mung geben kon­nte, war das Wis­sen von der äußeren Welt, von den Geheimnis­sen des Kos­mos, aufgenom­men in den men­schlichen Astralleib, in Denken, Fühlen und Wollen, so daß die Zarathus­tra-Schüler ihr Denken, Fühlen und Wollen, die Kräfte ihrer Seele, durch­set­zen woll­ten mit der Weisheit, die man ein­saugen kann aus den tiefen Grund­la­gen der göt­tlich-geisti­gen Welt. Für dieses Wis­sen, das man sich durch die Ein­saugung der äußeren Geheimnisse zu eigen machen kann, hat­te man als Sym­bole Gold, Weihrauch und Myrrhen: Gold als Sym­bol­um für das Denken, Weihrauch für die Fröm­migkeit, für das, was uns als Fühlen durch­dringt, und Myrrhen für die Kraft des Wol­lens.” (Lit.: GA 114, S. 102f)

Erst­mals aus dem 6. Jahrhun­dert sind Namen für die drei Weisen, von denen das Matthäu­se­van­geli­um berichtet, über­liefert. Sie heißen: Kas­par, Mel­chior und Balthasar. Der Name Kas­par (auch mit C) heißt „Schatzmeis­ter“ von per­sisch ghaz „Schatz“ und bar „leit­en“, „ver­wal­ten“, „ver­sor­gen“. Mel­chior bedeutet „König des Lichts“ vom hebräis­chen מֶלֶךְ melech „König“ und אוֹר or „Licht“. Balthasar kommt von „Baal schütze sein Leben“ bzw. „Baal schütze den König“. Baal ist kein eigentlich­er Gottes­name, son­dern bedeutet „Herr“ oder „Meis­ter“.

Nicht nur die Geschenke, auch die Namen der Könige kön­nen als Hin­weis betra­chtet wer­den, wie die drei See­len­fähigkeit­en jedes Men­schen zum Chris­tus in Beziehung ste­hen sollen.

Die Heili­gen Drei Könige in den drei Bere­ichen des Jahres­lauf als Ei

Während der zwölf Heili­gen Nächte ließ Rudolf Stein­er über den Altar der Chris­tenge­mein­schaft die Buch­staben K M B in gold­e­nen Let­tern hän­gen. In diesen Buch­staben sind die Ini­tialien der tradierten Namen der Könige zu erkennen.

Mel­chior (Woche 41 p) bedeutet „König des Licht­es“. Das bedeutet, dass das Fühlen nicht nur auf­steigen soll wie der Weihrauch, son­dern Licht wer­den soll. Ein­er­seits weist es darauf hin, die Gefüh­le pos­i­tiv und “hochschwin­gend” zu hal­ten, ander­er­seits ist das Ausstrahlen des Füh­lens sel­ber schon Bewusst­seinslicht. So ist das füh­lende Gewahr­sein, die füh­lende Aufmerk­samkeit an sich schon Hellfüh­ligkeit. Hat sich das Fühlen zu ausstrahlen­dem Licht entwick­elt, so ist der Men­sch zum König oder zur Köni­gin des Lichts gewor­den. Wird die Welt mit diesem Erken­nt­nis­licht des liebevollen Füh­lens beleuchtet, wird alles Sein in Schön­heit erstrahlen.

Kas­par (Woche 42 q) bedeutet „Schatzmeis­ter“. Er ist der­jenige, der das Ver­mö­gen dor­thin leit­et, wo es gebraucht wird. Er ver­wal­tet den Besitz, das Erwor­bene – das Bewahrte, das Alte. Er gehört zum Mond­bere­ich, auf dem die Maria ste­ht. Der Mond ist das Alte. Mit dem Mond­bere­ich sind die Ätherkräfte gemeint, die Grund­lage der Erin­nerung, der Gewohn­heit­en aber auch der Vital­ität. Ein König Kas­par, ein König des Wil­lens ist, wer seine emo­tionalen Ver­let­zun­gen heilen und mit den Schätzen des Äther­leibs, sein­er Vital­ität weise umge­hen kann — wer seine Wil­len­skraft weise lenken und mit Güte betäti­gen kann.

Balthasar (Woche 40 o) ist der König des Denkens, der das Weisheits­gold dem Kind schenkt. Sein Bere­ich ist die Michaelizeit, in der das Leben der Natur stirbt. Auch das Denken beruht auf leicht­en Abster­be­prozessen, doch dür­fen sie das Denken nicht mitreißen in den Tod, ins Mech­a­nisch-Abstrak­te. Im Denken soll das Neue, das noch nie dagewe­sene Raum haben. Ein Balthasar ist, wer sein Denken lebendig erhal­ten kann, wer das Leben im Denken schützen kann.

Über die Gegensprüche 17 Q und 42 q

Das Mantra 17 Q ist eines von sieben Wort-Mantren. Im Mantra 17 Q sowie im spiegel­nden Mantra 36 k spricht das Wel­tenwort in wörtlich­er Rede. Mit dem Wel­tenwort ist der Logos gemeint, die alles Sein denk­end und dann aussprechend erschaf­fende Macht. Der Logos ist der Chris­tus in sein­er wel­tenschöpferischen Kom­pe­tenz. Die bei­den Wel­tenwort-Mantren (17 Q und 36 k) ste­hen im Jahreskreis (mit der Osterzeit unten, d.h. als Ei) an der Stelle, wo das Kind der Maria, die in diesem Jahreskreis erscheint, zu erwarten ist (siehe Spiegel­sprüche 17 Q — 36 k). Außer­dem ist das Mantra 17 Q eines von sechs Mantren, die von Geis­testiefen han­deln (siehe eben­so 17 Q — 36 k).

Das Mantra 17 Q ist aus der Per­spek­tive eines Ich-Sprech­ers geschrieben, der das eigene Erleben schildert und danach die wörtliche Rede des Wel­tenwortes wiedergibt. Das Mantra 42 q ist dage­gen aus ein­er Beobachter­po­si­tion geschrieben das heißt in der gram­ma­tis­chen drit­ten Per­son. Dieses Mantra schildert sach­lich, in welch­er Aktion­sphase die Seele ist und was damit zusammenhängt.

Im Mantra 17 Q sagt der Ich-Sprech­er, dass das Wel­tenwort in ihm spricht. Der Ich-Sprech­er hört es also. Und er weiß auch, dass er das Wel­tenwort sel­ber durch seine Sinnestore in sich aufgenom­men hat. Er durfte das Wort der Welt, die Wahrnehmungsin­halte der Welt, in See­len­gründe führen. Er war also berechtigt, das Wel­tenwort und damit die hin­ter aller Erschei­n­ung ste­hende und nun der men­schlichen Erken­nt­nis zugängliche Weisheit wahrnehmend in sich aufzunehmen.

Doch die Rede des Wel­tenwortes erstaunt, denn obwohl der Ich-Sprech­er vom Wel­tenwort in den See­len­grün­den weiß, hört er das Wel­tenwort sagen, dass er erst einst, also erst in fern­er Zukun­ft, das Wel­tenwort in sich find­en werde. Damit wird deut­lich, dass der Ich-Sprech­er nicht wirk­lich, nicht in der Tiefe erken­nt, wer da zu ihm spricht. Er erken­nt das Wel­tenwort seel­isch, nicht aber geistig, kön­nte man sagen. Das Wel­tenwort weist den Ich-Sprech­er deshalb an, die eige­nen Geis­testiefen mit den Wel­tenweit­en des Wel­tenwortes zu erfüllen.

In die See­len­gründe kommt das Wel­tenwort durch die Wahrnehmungs­fähigkeit der Sinne. Das geschieht von sel­ber. Eine wahre Flut an Wahrnehmungen strömt beständig in den Men­schen, doch tat­säch­lich ins Bewusst­sein tritt davon nur weniges. Was bewusst wird, was in seinen bewussten Geist tritt, ist das, worauf der Fokus gerichtet wird. Und dieser Fokus ist in der Regel verengt durch eigene, vielle­icht sog­ar ego­is­tis­che Inter­essen. Um nicht dieser Veren­gung zu ver­fall­en, ist es die Auf­gabe des Men­schen, nicht nur die See­len­gründe, son­dern auch die Geis­testiefen mit dem Wel­tenwort zu erfüllen — genauer mit den Wel­tenweit­en des Wel­tenwortes. Das Wahrgenommene muss ver­ar­beit­et wer­den, die Zusam­men­hänge der einzel­nen Wahrnehmungen müssen hergestellt wer­den. Der Men­sch muss den Wahrnehmungsin­halt aktiv ord­nen, Verknüp­fun­gen her­stellen und sich belehren lassen. Und je mehr er verknüpfen kann, je mehr er ver­ste­ht, desto mehr Wel­tenweit­en sind in seinen Geis­testiefen. Erst nach einem lan­gen Weg kann der Men­sch find­en, also selb­ständig erken­nen, dass seine eigene Wesen­heit ein Mikrokos­mos ist, die dem Makrokos­mos entsprechend gebildet ist. Dann wird der Ich-Sprech­er das Wel­tenwort und damit auch die göt­tliche Macht, die dieses Wort spricht, in sich finden.

Die Lautqual­ität des Q lässt sich in zwei Vari­anten im Mantra 17 Q erah­nen. Zum einen erscheint das Wel­tenwort in die Schöp­fung geban­nt und lei­dend unter der geisti­gen Enge des Men­schen. Das lässt auf ein Erleben des Wel­tenwortes von Druck und Qual schließen, Aspek­te des Lautes Q. Zum anderen erlebt der Ich-Sprech­er vielle­icht den lebendi­gen, quel­len­den, quirli­gen Aspekt, wenn er das Wel­tenwort in die See­len­gründe führen darf. Indem die Rede des Wel­tenwortes auf eine ferne Zukun­ft ver­weist, lässt sie die Unbill erah­nen, die das Unerkan­nte, die Unbeant­wortete Frage dem Ich-Sprech­er und auch dem Wel­tenwort bere­it­et. Der Aufruf des Wel­tenwortes, die Geis­testiefen mit seinen Wel­tenweit­en zu erfüllen, kön­nte ein Erleben von Enge, wie das des ver­schluck­ten Köders, im Hals her­beiführen. Das Bild des Affen, der alles wahrn­immt, aber sich nicht äußern kann, kommt der Sit­u­a­tion des Ich-Sprech­ers nahe. Wie beim Affen in den Leib, so sinkt beim Ich-Sprech­er das Wel­tenwort in die See­len­gründe. Es ist dort unten hör­bar, es spricht, doch kann der Ich-Sprech­er es in sich nicht find­en – nicht sel­ber artikulieren.

Im Mantra 42 q wird eine gegen­teilige seel­is­che Sit­u­a­tion beschrieben. Es ist der starke Trieb der Seele, die eigene Kraft zu offen­baren. Hier wird von der Seele also Druck erzeugt. Sie will nach außen wirken – zwar nicht han­del­nd, aber wahrnehmend. Die Offen­barung der eige­nen Kraft beste­ht in der Ermöglichung von Sin­nesof­fen­barung. Doch es herrscht Win­ter­dunkel. Und auch in Fin­stern­isse lenkt die Seele ihre Kraft. Es gibt es kein Licht. Damit ist mein­er Mei­n­ung nach wed­er die physisch sinnliche Wahrnehmung noch das fehlende äußere Licht gemeint. Es geht um die Entwick­lung geistiger Wahrnehmung­sor­gane, wie es in der Aus­sage der Herzenswärme deut­lich wird, die das Vor­fühlen der Sin­nesof­fen­barung ermöglicht. Von diesen geisti­gen Sin­nesor­gan­gen sagt Rudolf Stein­er jedoch, dass sie keine pas­siv­en Emp­fang­sor­gane sind, son­dern sich nur durch jew­eiliges aktives Aussenden inner­er Kraft bilden.

„Während der Men­sch son­st in der gewöhn­lichen Welt einen Gegen­stand hat und ihm gegenüber­ste­ht, ihn anschaut, und der Gegen­stand einen Ein­druck auf seine Augen macht, so dass er dann etwas von dem Gegen­stande weiß, so kommt so etwas von dem Punkt der Ini­ti­a­tion an, der eben besprochen wor­den ist, nicht mehr vor. Denn man hat es nicht etwa zu tun mit ein­er Wieder­hol­ung der gewöhn­lichen Welt – dass einem die Dinge ent­ge­gen­treten wie die Dinge der physis­chen Welt, die man früher nur nicht gese­hen hat -, son­dern man muss jet­zt von einem bes­timmten Punk­te an noch Kräfte zur Ver­fü­gung haben, die man noch überdies aus sich her­aus­gießen kann. Nach­dem man also genug Kräfte darauf ver­wen­det hat, um mit der Welt eins zu wer­den, muss man jet­zt noch Kräfte übrig haben,um Kräfte aus sich her­auszus­pin­nen, wie die Spinne ihr Netz aus sich her­ausspin­nt. Sie sehen, dass die ganzen Vorgänge des Mys­te­rien­we­sens zeigen, wie viel darauf ankommt, starke innere Energien des Seel­is­chen Lebens zu entwick­eln; denn man muss viel Vor­rat haben, damit das alles geschehen kann.

Dann kann fol­gen­des ein­treten: Man hat natür­lich keine physis­chen Augen, denn dies gehören dem physis­chen Leib an, über den man längst hin­aus­gekom­men ist. Aber dadurch, dass man etwas aus sich aus­gegossen hat und noch aus­gießen kann, wie die Spinne ihr Netz aus sich her­ausspin­nt, bilden sich etwas wie Organe her­aus, und man kann beobacht­en: Mit dem, was man jet­zt aus sich her­ausspin­nt, tritt etwas ganz Neues auf. Da stellen sich Dinge vor einen sel­ber hin in ein­er Art, die sich etwa damit ver­gle­ichen lässt, als wenn ich nicht die Uhr hier hätte und die Augen dort, son­dern als wenn das Auge aus sich her­aus einen Strahl senden würde, der sich sel­ber zur Uhr for­men kön­nte, so dass die Uhr durch die Tätigkeit des Auges daste­ht. [Wie die Uhr, ste­ht auch der Jahreskreis nur durch eigene Anstren­gung vor der Seele und kann als Seh-Organ dienen, A.F.] Es han­delt sich dabei nicht um ein Kon­stru­ieren oder Schaf­fen ein­er sub­jek­tiv­en Welt, son­dern darum, dass wir gle­ich­sam See­len­sub­stanz aus uns her­ausspin­nen. Und die höheren Wel­ten, in die wir uns hinein­leben, müssen diesen Umweg wählen, damit wir ihnen gegenübertreten und sie erken­nen kön­nen. Sie müssen erst durch unsere eigene See­len­sub­stanz, die wir ihnen zur Ver­fü­gung gestellt haben, durchkriechen. In der physis­chen Welt stellen sich die Dinge vor uns hin ohne unser Zutun. Nichts stellt sich in den höheren Wel­ten vor uns hin, wenn wir ihm nicht erst die eigene See­len­sub­stanz zur Ver­fü­gung stellen.“ (Stein­er, GA 144, 1. Vor­trag, 3.2. 1913, S. 24ff, Her­vorhe­bun­gen A.F.).

Noch sind diese geisti­gen Organe nicht erwor­ben, doch ist es der starke Trieb der Seele, die eigene Kraft zu offen­baren, um Sin­nesof­fen­barung zu erlan­gen, die geisti­gen Sin­nesor­gane also zu bilden. Es herrscht Win­ter­dunkel und die Seele lenkt ihre eigene Kraft in Fin­stern­isse. Sie „spin­nt“ ihre neuen Organe. Noch bringt sie es nicht zur klaren Erken­nt­nis. Dieses Her­ausspin­nen der geisti­gen Wahrnehmung­sor­gane ist nach meinem Dafürhal­ten ein denk­endes Erschaf­fen. Dem geht warmes Fühlen des Herzens voraus, das Vorah­nen ermöglicht. Über den Zusam­men­hang des Herzens mit der geisti­gen Wahrnehmung spricht Rudolf Stein­er hier und wieder nen­nt er das, was sich bildet ein Netz – dies­mal durch die geisti­gen Blut­ge­fäße gebildet.

„Der Men­sch wächst gle­ich­sam ätherisch aus sich her­aus, und das Eigen­tüm­liche ist, daß der Men­sch, indem er ätherisch also aus sich her­auswächst, außer­halb seines Leibes etwas ähn­lich­es entwick­elt, möchte ich sagen, wie eine Art Ätherherz.

Als physis­che Men­schen haben wir unser physis­ches Herz, und wir wis­sen alle zu schätzen den Unter­schied zwis­chen einem trock­e­nen, abstrak­ten Men­schen, der wie eine richtige Mas­chine seine Gedanken entwick­elt, und einem Men­schen, der mit seinem Herzen bei alle­dem ist, was er erlebt; ich meine, mit seinem physis­chen Herzen dabei ist. Diesen Unter­schied wis­sen wir alle zu schätzen. Dem trock­e­nen Schle­ich­er, der mit seinem Herzen nicht ist bei dem, was er in der Seele erlebt, muten wir nicht viel zu in bezug auf wirk­liche Wel­terken­nt­nis auf dem physis­chen Plan. Eine Art geistiges Herz, das außer­halb unseres physis­chen Leibes ist, bildet sich aus, par­al­lel all den Erschei­n­un­gen, die ich beschrieben habe in «Wie erlangt man Erken­nt­nisse der höheren Wel­ten?», so wie sich das Blut­netz bildet und im Herzen sein Zen­trum hat.

Dieses Netz geht außer­halb des Leibes, und wir fühlen uns außer­halb des Leibes dann her­zlich ver­bun­den mit dem­jeni­gen, was wir geis­teswis­senschaftlich erken­nen. Nur muß man nicht ver­lan­gen, daß der Men­sch sozusagen mit dem Herzen, das er im Leibe hat, bei dem geis­teswis­senschaftlichen Erken­nen dabei ist, son­dern mit dem Herzen, das ihm außer­halb des Leibes wird; mit dem ist er her­zlich bei dem, was er geis­teswis­senschaftlich erken­nt. “ (Lit.: GA 161, S. 243f)

In der dun­klen Stim­mung und dem Drän­gen des starken Triebs find­et sich die Q‑Qualität dieses Mantras verkör­pert. Auch hier gibt es noch kein Erken­nen, keine Sinneswahrnehmung spricht zum Men­schen. Lediglich die Herzenswärme ahnt voraus, dass Sin­nesof­fen­barung möglich sein kann. Das Mantra beschreibt eine Stim­mung, wie sie vielle­icht Adam und Eva im Paradies hat­ten, als sie Sehn­sucht, den starken Trieb, nach dem Apfel emp­fan­den, jedoch noch nicht davon gekostet hat­ten. Denn kaum hat­ten sie hineinge­bis­sen, wur­den ihnen ihre Augen, d.h. ihre Sinne, aufge­tan. So jeden­falls beschreibt das Oberufer­er Paradeis­spiel diese Sit­u­a­tion. Das Q ist hier die Krux mit dem Eigen­willen und der eige­nen Erken­nt­nis, die bei­de nicht göt­tlich, son­dern men­schlich beschränkt sind. Der Apfel des Q ist sozusagen immer noch nicht voll­ständig gegessen, er steckt noch im Hals.