Die Gegensprüche 24 X und 49 x

24 X

Sich selb­st erschaf­fend stets,

Wird See­len­sein sich selb­st gewahr;

Der Wel­tengeist, er stre­bet fort

In Selb­sterken­nt­nis neu belebt

Und Schafft aus Seelenfinsternis

Des Selb­stsinns Willensfrucht.

49 x

Ich füh­le Kraft des Weltenseins:

So spricht Gedankenklarheit,

Gedenk­end eignen Geistes Wachsen

In fin­stern Weltennächten,

Und neigt dem nahen Weltentage

Des Innern Hoffnungsstrahlen.

Die Eurythmieformen zu den Mantren 24 X und 49 x

Über den Buchstaben “X” und zur Geschichte seiner Form

Das X ist ein Buch­stabe, dessen Klang zwei Laute vere­int, das K und das S. Indem diese bei­den zu einem Zeichen ver­schmelzen, wan­delt sich die Bedeu­tung und umfasst mehr als die einzel­nen Buch­staben. Doch was ist diese weit­er reichende Botschaft? Zwei Wege lassen sich beschre­it­en. Der eine sind, wie schon erwäh­nt, die Laute K und S, die durch das X dargestellt wer­den. Der andere Weg eröffnet sich durch die Geschichte der Zeichen, die zu X führten. Da der let­zt­ge­nan­nte Zugang der objek­ti­vere ist, wende ich damit beginnen.

Im lateinis­chen Alpha­bet ste­ht das X an 24. Stelle. Schon diese Zahl weist auf seine beson­dere Bedeu­tung, ste­ht 24 doch für die 24 Stun­den von Tag und Nacht, also zweimal 12 und damit auch für die 12 Tierkreisze­ichen, mithin den Jahreszyk­lus. Auch sind es 24 Älteste, die in der Offen­barung des Johannes Gott verehren. Sie sitzen auf 24 Thro­nen und sind mit weißen Klei­dern ange­tan (Off. 4,1–5; 19,4).

Das X‑Zeichen

Das heutige X stammt vom phönizis­chen Sāmek, einem stimm­los­es S, und sah aus wie ein Stützpfeil­er bzw. eine Wirbel­säule 𐤎. Dies ist zumin­d­est die ver­mutete Herkun­ft des Zeichens. In das hebräis­che Alpha­bet wurde es als Samech über­nom­men mit dem gle­ichen Lautwert, jedoch einem kreisähn­lichen Zeichen: ס

In vor­griechis­ch­er Zeit wurde der Laut als die Buch­stabenkom­bi­na­tion KTS erlebt und auch ΚΤΣ geschrieben. Das heutige griechis­che Xi stammt aus Ionia und wird durch drei par­al­lele Lin­ien Ξ gebildet (als klein­er Buch­stabe wer­den die Lin­ien ver­bun­den ξ). Ernst Moll beze­ich­net den kleinen Buch­staben als eine in der Senkrecht­en sich windende Schlange, das Bild der erhobe­nen Schlange (Die Sprache der Laute, S. 429) In west­griechis­chen Gegen­den wurde das Xi jedoch mit zwei diag­o­nal gekreuzten Lin­ien X geschrieben. Über die Etrusker kam diese Form ins lateinis­che und damit auch in unser Alpha­bet und wurde der Buch­stabe X.

Im griechis­chen Alpha­bet gibt es diese zwei gekreuzten Lin­ien eben­so. Hier beze­ich­nen sie den Buch­staben Chi, der sich gle­ich­falls aus dem phönizis­chen Sāmek entwick­elte. Unser Ich-Laut ist also das griechis­che Chi Χ (klein­er Buch­stabe χ), (χῖ), das ursprüng­liche Chei (χεῖ).

In Griechen­land wurde die Kom­po­si­tion aus K und S zu ein­er wesen­haften Ein­heit. Doch geschah dies, ohne diesem neuen Buch­staben auch ein Bild als Namen zu geben, denn die anderen Buch­staben waren aus dem phönizis­chen Alpha­bet mit Bildern über­nom­men und sehr viel älter. Doch ist dies vielle­icht nicht der einzige Grund, warum das X kein solch­es Bild begleit­et. Mit dem KS ist etwas Geheimnisvolles, unaussprech­lich­es ver­bun­den. Auf ver­schiede­nen Wegen werde ich mich ihm näh­ern, es umkreisen. Manche Fäden wer­den nur lose verknüpft sein, manch­es wird Ahnung bleiben.

Das X ist die ‘Sphinx’, und in der Math­e­matik tat­säch­lich das Zeichen für die unbekan­nte Größe. Das Moment der Täuschung liegt darin, wenn jemand ‘ein X für ein U aus­geben’ will. Diese Redewen­dung kommt aus der Zeit, als Zahlen durch lateinis­che Buch­staben dargestellt wur­den. Das U bzw. V ste­ht für fünf, das X für zehn. Überkreuzen sich bei V die Schnitte im Kerb­holz, das zum Anschreiben der Schuld benutzt wurde, so wird leicht aus dem V ein X und damit aus fünf zehn und damit die Schuld ver­dop­pelt. Es ist also eine ‘Krux’ mit dem X. ‘Crux’ heißt auf lateinisch Kreuz und so sieht das X auch aus.

Lange bevor Zeichen zur Schrift­sprache wur­den, hat­te das diag­o­nale Kreuz, das heutige X‑Zeichen, eine her­aus­ra­gende Bedeu­tung. Es war in der Frühzeit der Kul­turen­twick­lung neben dem V das Zeichen der großen Mut­tergöt­tin, die als eine Vogel­göt­tin vorgestellt wurde.

Links: Stat­uette (ver­mut­lich der Vogel­göt­tin) mit ein­ger­itztem X‑Kreuz und V‑Dreifachsparren, Rot­poliert, Hacilar-Kul­tur, Zen­tralana­tolien, Mitte 6. Jahrtausend, Höhe 5 cm

Rechts: Zwei Stat­uet­ten der Cucuteni-Kul­tur Moldau, mit schwarzen V‑Sparren und X‑Kreuz bemalt, Nor­dostrumänien, erste Hälfte 4. Jahrtausend, Höhe 5 und 8 cm

Etwas später ent­standen die soge­nan­nten “Stun­den­glas­fig­uren”, die häu­fig tanzend dargestellt wur­den. Ihre Kör­p­er zeigen zwei mit der Spitze ver­bun­dene Dreiecke, die auch als aus­ge­fülltes X gedeutet wer­den können.

Links: Boden ein­er Schale, Ozieri-Kul­tur, Nord­sar­dinien 4. Jahrtausend. v. Chr.

Rechts oben: Gefäß­malerei, Cucuteni-Kul­tur, ca. 3700 v. Chr.

Rechts unten: Tanzende Diener­in­nen mit Vogelk­lauen, Ozieri-Kul­tur, Nord­sar­dinien 4000 — 3800 v.Chr.

Hier zeigen die X‑förmigen Kör­p­er vielle­icht die Verbindung von Oben und Unten im Tanz des Lebens. Nach alter Tra­di­tion wer­den die unter­schiedlich aus­gerichteten Dreiecke als männlich und weib­lich ver­standen oder auch in heuti­gen Vorstel­lun­gen als “Geist bzw. Seele” und “Kör­p­er”. Die Stun­den­glas­fig­uren stellen dann die Vere­ini­gung dieser gegen­sät­zlichen Prinzip­i­en dar.

Blicke ich auf den See­lenkalen­der-Jahreskreis und speziell auf die Licht- und Krisen­sprüche, so bilden auch sie jew­eils ein X — die Krisen­sprüche ein rechtwin­kliges, die Licht­sprüche ein schmaleres. Zwis­chen Licht- und Krisen­sprüchen liegt jew­eils ein “nor­males” Mantra, dass die Gegen­sätze “verbindet”. Dadurch kann man von vier­mal drei Mantren sprechen, die sich hervorheben.

Licht- und Krisen­sprüche im See­lenkalen­der bilden diag­o­nale Kreuze, wenn ihr Kreis­seg­ment gefärbt wird

Vielle­icht ist es denkbar, dass frühere Men­schen um diese beson­deren Zeit­en im Jahr wussten. Vielle­icht gehörte dieses Wis­sen über die vier­mal drei beson­deren Wochen zur Urweisheit der Men­schheit. Und vielle­icht ste­hen die vie­len X‑Zeichen aus der Frühzeit der Kul­turen­twick­lung in Bezug zu diesem Wis­sen.  Bei Lju­bil­jana fand sich eine Fig­ur, die sowohl in der Kör­per­form als auch in der Verzierung das X zeigt. Ich ver­ste­he sie als “Verkör­pe­rung” dieser her­aus­ge­hobe­nen Mantren und habe sie beispiel­haft für alle anderen in den See­lenkalen­der-Jahreskreis gestellt, sodass die Übere­in­stim­mung ihres X‑Schmucks mit den Licht- und Krisen­sprüchen von der Idee her deut­lich wird.

Stil­isierte Frauen­fig­ur (2700 – 2400 v. Chr.), Pfahlbausied­lung bei Ig, südlich von Ljubl­jana im See­lenkalen­der mit Licht- und Krisensprüchen

Im Deutschen wer­den wenige der ursprünglich deutschen Worte mit X geschrieben, die meis­ten sind Lehn- oder Fremd­worte. Beispiele deutsch­er Worte mit X sind ‘Hexe’ von althochdeutsch ‘hazus’, ‘hazus­sa’ und ‘Axt’ von mit­tel­hochdeutsch ‘ack­es’. Doch auch auf Alt­griechisch und Latein lautet Axt ähn­lich: alt­griechisch ‘axiné’, latein ‘ascia’ mit KS ver­tauscht zu SC.

Die meis­ten deutschen Worte mit der Lautverbindung KS wer­den mit CHS (‘Wachs’, ‘Dachs’, ‘Lachs’) oder CKS (‘kleck­sen’, ‘knack­sen’, zwecks’) bzw. KS (‘Keks’, ‘Koks’) geschrieben.

Die drei Sprachen Griechisch, Latein und Englisch haben wesentlich mehr Wörter mit X, die oft als Fremd­worte ins Deutsche inte­gri­ert wur­den. Warum ist es bei ‘Hexe’ und ‘Axt’ anders? Warum wer­den sie nicht ‘Hechse’ und ‘Achst’ oder ‘Heckse’ und ‘Ackst’ geschrieben? Ernst Moll führt als Erk­lärung die lateinis­che Endung ‑trix an, die weib­liche Per­so­n­en beze­ich­net. ‘Adiu-tor’ ist der ‘Helfer’, adiu-trix’ die ‘Helferin’; ‘domi­tor’ ist der ‘Bändi­ger’, ‘domitrix’ die ‘Bändi­gerin’; ‘imper­a­tor’ ist der ‘Kaiser’, ‘imper­a­trix’ die ‘Kaiserin’. (Die Sprache der Laute, S. 430) Das Geheim­nis des X scheint der Sprachgeist mit dem Weib­lichen ver­bun­den zu haben. Die vie­len weib­lichen Fig­uren mit X‑Verzierungen bestäti­gen dies eben­so wie das griechis­che X, der Buch­stabe Chi, der Chris­tus­laut. Im asi­atis­chen Raum wird die Leben­skraft Chi genannt.

Das X als Verbindung zweier Diag­o­nalen bringt vielle­icht ins Bild, wie diese Leben­skraft gezeugt wird. Lateinisch ’sexus’ ist das ‘Geschlecht’. Sechs als Zahl lautet im Englis­chen ’six’ und ist klan­glich sehr nahe an ’sex’. Wer­den die bei­den Dreiecke der “Stundenglas”-Figuren ineinan­dergeschoben gedacht, bilden sie einen Sechsstern — die vol­lkommene Vere­ini­gung der Gegen­sätze von männlich und weib­lich bzw. Seele/Geist und Körper/Materie und ver­bildlichen dadurch den Zusam­men­hang von sechs und sex.

Die Zahl der Apoka­lypse ist 666, lateinisch ’sex­cen­ti-sex­ag­in­ta-sex’ griechisch ‘hexa­kó­sioi-hexékon­ta-hex’ und wim­melt also vor lauter X. Wird 666 durch griechis­che Buch­staben dargestellt, gibt Ernst Moll fol­gen­des an: Chi (X) ste­ht für 600, das kleine Xi (ξ) ste­ht für 60 und Digam­ma (Anmerkung: zwei Gam­ma Γ- unser F) ste­ht für die Zahl 6. Auch das hebräisch Vav/Waw hat let­zteren Zahlen­wert. Im Keltischen ste­ht für die 6 eben­so ein Dop­pel­laut, ‘Stig­ma’, als ein­heitlich­er ST-Laut. ‘Stig­ma’ ist keltisch der ‘Schle­hdorn’, bei den Griechen ist es der ‘Stich’.

Doch nicht nur das Böse ist mit der Zahl sechs ver­bun­den, son­dern auch die Vol­lkom­men­heit. In der griechis­chen Math­e­matik wurde sie als ‘vol­lkommene’ Zahl verehrt, denn sie teilt den Kreis als Abbild des Him­mels in sechs Sech­s­tel. Ernst Bindel sagt: “Wir müssten uns viel mehr bewusst sein, dass wir hier vor ein­er Art math­e­ma­tis­chen Mys­teri­um ste­hen, nicht etwa in dem Sinne, dass dieses Phänomen sich der Beweis­barkeit entzöge, son­dern insofern, als sich ger­ade die Sech­szahl ergibt …” (in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 433)

Im See­lenkalen­der bewirken die Licht­sprüche, die ein schmales X bilden, tat­säch­lich eine Sechstelung.

Die Licht­sprüche gliedern das Jahr annäh­ernd in Sechstel

Das X Zeichen, das lange vor der Ver­wen­dung als pro­fanes Schriftze­ichen die Göt­tin beze­ich­nete (neben der Dreifach­lin­ie und dem V‑Zeichen) und in den Licht­sprüchen des See­lenkalen­der wieder erscheint, trägt eine Botschaft, die möglicher­weise an die tief­sten Geheimnisse des Lebens rührt.

Die Mantren, die zu diesen Licht­sprüchen gehören sind 5 E und 31 e sowie 22 V und 48 w. Die eine Diag­o­nale wird also durch E gebildet, die andere durch V und W. Die Eury­th­mis­che Geste für das E sind eben diese zwei gekreuzten Diag­o­nalen. Diese Achse ist sozusagen die offen­bare, in der Gebärde und Zeichen (X) übere­in­stim­men. Die andere Diag­o­nale ist durch V und W, also durch zwei Laute vertreten. Da erscheint es mir bedeut­sam zu erin­nern, dass der Buch­stabe für das F, das nahe ver­wandt ist mit V und W, in Griechen­land zunächst Digam­ma genan­nt wurde, weil er aus zwei Γ, zwei Gal­gen, zwei G zusam­menge­set­zt wurde. Das G ist nun wieder der deutsche Gottes­laut. Zum F sagt Rudolf Stein­er ‘wisse, dass ich weiß!’” (GA 279 in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 142). Das F geteilt in zwei Schöp­fung­sprinzip­i­en, in zwei Gam­ma, bzw. im See­lenkalen­der in V und W ist die ver­bor­gene Achse, der nur tas­tend anhand spär­lich­er Hin­weise nachge­spürt wer­den kann.

Auch die Krisen­sprüche bilden ein diag­o­nales Kreuz, dessen eine Achse durch die Mantren 7 G und 33 g gebildet wird (wieder tritt zwei G, Digam­ma auf), die andere wiederum durch unter­schiedliche Buch­staben, durch 20 T und 46 u. Sind die Licht­sprüche durch Blase­laute und den Vokal E gekennze­ich­net, so die Krisen­sprüche durch Stoßlaute und den Vokal U. Auch die Krisen­sprüche sind sicher­lich für das Ver­ständ­nis des diag­o­nalen Kreuzes bedeut­sam, doch soll der Hin­weis hier reichen.

Die Laute K und S vere­inen sich zum X

Das K ist mit dem G ver­wandt, denn es ist der harte Stoßlaut, seine weiche Vari­ante ist das G. Zum K gehören die Mantren 10 K und 36 k. Das K ist der Kains- und Königslaut, der Laut der Kraft. Das S gehört zu den Mantren 19 S und 44 s.

Die Mantren mit K und S und die Mantren 24 X und 49 x im Seelenkalender

Da K im Alpha­bet vor S ste­ht, entspricht die Lautverbindung KS dem Gang der Zeit. Die K‑Mantren sind die jew­eils ersten Mantren im mit­tleren, dem Son­nen­bere­ich, die S‑Mantren verbinden dage­gen den Stern- mit dem Mond­bere­ich. Das Mantra 44 s ist sog­ar wiederum das erste Mantra im Mond­bere­ich. Gemein­sam bilden sie ein weit­eres diag­o­nales Kreuz.

Das K ist der Kainslaut. Im Griechis­chen heißt ‘töten’ ‘katakainein’. Rudolf Stein­er sagt, “Die Stoßlaute sind ego­is­tisch.” (GA 279, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 433) Stoßlaute sind die “Laute für die See­len­ver­fas­sung des Ego­is­mus, für die Gel­tend­machung der eige­nen men­schlichen Wesen­heit, die man bewahren will draußen in der Welt” (GA 279, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 433) Das K kann sozusagen als der Stoßlaut der Stoßlaute, als ihr König ange­se­hen wer­den. Wer das K aussprich, so sagt Rudolf Stein­er, muss sich eigentlich eine Kristallgestalt vorstellen. Und: “In das Ele­men­tar-Erdi­ge arbeit­en wir hinein mit diesem Stoßlaut.” (GA 282, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 433)

Dem Ego­is­mus im Men­schen entspricht das geistig Böse im Innern der Erde. Diese Erd­schicht wird in der “Göt­tlichen Komödie” (Ital­ien 1321, Dante Alighieri, geb. 1265 in Flo­renz, gest. 1321 in Raven­na) als ‘Kainss­chicht’ oder ‘Kains-Schlucht’ beze­ich­net. Rudolf Stein­er nen­nt sie den Zer­split­ter­er. Das K kann als die ver­fes­ti­gende, die Knochen erschaf­fende Kraft ange­se­hen werden.

Das S beze­ich­net Rudolf Stein­er als den eigentlich ahri­man­is­chen Laut. (GA 315, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 430) “… der Hin­weis auf das S war immer ver­bun­den mit etwas … Furchter­re­gend bei den­jeni­gen, die man auf dieses Sym­bol­um hin­wies; etwas Furchter­re­gen­des, etwas, wovor man sich hüten soll.” (GA 279, in: Ernst Moll, Die Sprache der Laute, S. 429)

Das X zeigt eine Ver­stärkung des S. Es find­et sich häu­fig in Worten, die Schärfe, Schnei­den und Tren­nen beze­ich­nen: angel­säch­sisch ’seax’, lateinisch ’sax­um’ ist das ‘Schw­ert’, griechisch ‘xiphos’. Und ‘xiphid­ion’ ist griechisch das ‘kurze Schw­ert’, der ‘Dolch’, das ‘Sichelschw­ert’ heißt dort ‘xyéle’ und ‘xyrein’ bedeutet ’scheren, rasieren’. Das Mess­er zum Scheren ist ‘xyrón’; ‘xys­tón’ ist die ‘Lanze’, der ‘Speer’. Der ‘Fremdling’ der nicht dazuge­hört, der abges­pal­ten ist, heißt ‘xénos’, das ‘Holzscheit’ oder bear­beit­ete Holzstück heißt ‘xýlon’.

Gle­ichzeit­ig zeigt das S die Form ein­er Schlange. Im Äsku­lap Stab ist es das Zeichen der Heil­er und Rudolf Stein­er beze­ich­net die Schlange als den Äther­leib, mit dem der Men­sch in früheren Zeit­en sich mit der Erde ver­band und dadurch klug wurde (GA 142, S. 85).

Das S nen­nt Rudolf Stein­er einen ari­man­is­chen Laut und ord­net das S zusam­men mit dem Z dem Tierkreisze­ichen des Sko­r­pi­ons zu. Von der ahri­man­is­chen Wirk­samkeit sagt er, dass sie ver­här­tend auf den Äther­leib wirkt. Daraus fol­gere ich, dass das K als Zer­split­ter­er das irdisch-feste zu Staub zer­fall­en lässt und dadurch dem Ver­härten ent­ge­gen­wirkt. Das K ist dem Physis­chen zuge­hörig, das S dem ver­leib­lichen­den Ätherischen. Daraus lässt sich schließen, dass die Laute K und S zum X vere­int den auf Erden leben­den Men­schen mit seinen unteren Wesens­gliedern, physis­ch­er Leib und Äther­leib, bilden. Doch auch noch eine andere, tiefer ver­bor­gene Botschaft scheint mir mit dem X ver­bun­den zu sein. Denn es ist das X der drit­tlet­zte Buch­stabe im Alpha­bet. Kön­nte mit den drei die Laut­folge beschließen­den Buch­staben, mit X, Y und Z, nicht auch eine ferne Zukun­ft, ver­bun­den sein — das was nach dem Zer­fall­en zu Staub kom­men kann? Kön­nte das X vielle­icht auch der ‘Phönix’ sein, der aus dem Staub der Asche erste­ht — die neue Erde in ihrer kom­menden Inkar­na­tion als neuer Jupiter? Das Y würde dann die noch weit­er in der Zukun­ft liegende weit­ere Inkar­na­tion der Erde, die neue Venus, vertreten, und das Z stünde für ihre let­zte von ins­ge­samt sieben Inkar­na­tio­nen, für den Vulkanzustand.

Über die Gegensprüche 24 X und 49 x

Schon beim flüchti­gen Lesen fällt auf, dass das Mantra 24 X ganz beson­ders viele S‑Laute enthält, das Wort “Selbstsinns” allein vier. Wird das Sch mit­gezäht, so sind es im ganzen Mantra 27 “Schlangen-Laute — und damit genau soviele, dass bezo­gen auf die Wochen des Jahres eine Schwellenüber­schre­itung stat­tfind­et, die Schwelle der Hal­b­jahre. Und genau das ist das Charak­ter­is­tikum der Schlange in der Paradies­geschichte — sie ani­miert zur Gren­züber­schre­itung, nach­dem sie sel­ber dort einge­drun­gen war. Im Mantra 49 x dominiert in den ersten drei Zeilen das K, zwar nicht zahlen­mäßig, doch in der Wahrnehmung. Das Wort “Gedankenklarheit”, das im Mantra als sprechende Instanz auftritt, weist allein zwei K auf. Wird das KS von “Wach­sen” mit­gezählt, sind es fünf K‑Laute. Wird auch das nahe ver­wandte G hinzugenom­men, sind es im ganzen Mantra 12 velare Ver­schlus­slaute — sozusagen der Kristall des Jahreszyklus.

Das Mantra 24 X ist in der beschreiben­den drit­ten Per­son ver­fasst, das Mantra 49 x dage­gen in den ersten bei­den Zeilen aus der Per­spek­tive eines sein­er selb­st bewussten Ich-Sprech­ers. Doch wer ist dieser Ich-Sprech­er eigentlich? Diese gram­ma­tisch erste Per­son im Mantra 49 x ist die Gedanken­klarheit. Und ganz so, wie Gedanken inner­lich erlebt wer­den, spricht die Gedanken­klarheit auch in wörtlich­er Rede. Es ist also nicht der ganze Men­sch, der hier spricht und später in seinen Hand­lun­gen beschrieben wird, son­dern nur ein Aspekt des­sel­ben. Es ist auch nicht das Denken, son­dern noch spezieller, die Gedanken­klarheit. Klarheit ist das Ide­al des Denkens, das wonach das Denken strebt. Und dieses Klarheits-Ide­al des Denkens, das spricht und agiert im Mantra 49 x.

Im Mantra 24 X geht es um das See­lensein, das sich sein­er selb­st gewahr wird durch Tätigkeit. Im Mantra 49 x fühlt die Gedanken­klarheit, die Kraft des Wel­tenseins. In bei­den Mantren find­et also eine Seinsbegeg­nung statt — im Mantra 24 X eine Selb­st­begeg­nung des See­len­seins, — im Mantra 49 x eine füh­lende Begeg­nung der Gedanken­klarheit mit dem Wel­ten­sein. Das Sein ist das Gewor­dene, das Fer­tige, dem das Tätige, Wer­dende wahrnehmend gegenübersteht.

Die Selb­st­begeg­nung des See­len­seins (24 x) lässt an die Selb­st­berührung der Eury­th­miegeste des E denken, bei der die Glieder ähn­lich dem X diag­o­nal gekreuzt wer­den. Durch diese Selb­st­berührung entste­ht Bewusst­sein für sich sel­ber. Es entste­ht ein Abschluss, eine Gren­ze. Und diese Selb­st­wahrnehmung impliziert, dass es außer­halb des Eingeschlosse­nen, das nun zum Eige­nen wird, ein Außen gibt. Dieses sich selb­st umgren­zen, sich selb­st abschließen, kön­nte die Tätigkeit des See­len­seins sein, das sich dadurch selb­st erschafft. Jede solche Abgren­zung ist also eine eigene Schöp­fung, ein Abgeschlossenes, Gewor­denes, das Bewusst­sein von sich selb­st erlangt und sich sel­ber gewahr wird.

Die füh­lende Begeg­nung der Gedanken­klarheit (49 x) mit dem Wel­ten­sein lässt die Gedanken­klarheit die Kraft erleben, die vom Wel­ten­sein aus­ge­ht. Die Kraft des Wel­ten­sein wird der Gedanken­klarheit füh­lend wahrnehm­bar — das sagt sie. Das Denken strebt nach Wahrheit, die Gedanken­klarheit ganz beson­ders. Und Gedanken, die dem Wel­ten­sein nicht entsprechen, und seien sie noch so klar und logisch, sind nicht wahr. Das Wel­ten­sein wird also als kor­rek­tive Kraft erlebt, als gestrenger Lehrmeis­ter des Denkens, das nach Klarheit strebt. Das Wel­ten­sein ist sozusagen das Kreuz, das X, an das die Gedanken­klarheit gebun­den ist, — ohne das Ver­bun­den­sein, ohne den Verzicht auf Beliebigkeit kön­nen die Gedanken eben nicht klar sein. Und diese Kraft des Wel­ten­seins hält die Gedanken­klarheit in ihrer ide­alen, eben klaren Form.

In bei­den, jew­eils sech­szeili­gen Mantren, ist nach den ersten bei­den Zeilen ein abrupter Wech­sel festzustellen. Im Mantra 24 X schwenkt der Fokus vom See­len­sein zum Wel­tengeist. Im Mantra 49 x endet die wörtliche Rede und die Per­spek­tive wech­selt in die beschreibende dritte Per­son. Es wirkt, als ob nach der einen Diag­o­nale des X nun die andere fol­gt und bei­de ganz unter­schiedliche The­men und Qual­itäten haben. In bei­den Mantren sind die fol­gen­den vier Zeilen durch den Inhalt in je zwei Zeilen gegliedert, sodass bei­de Mantren ins­ge­samt aus drei Dop­pelzeilen beste­hen. Diese bei Gegen­sprüchen ungewöhn­liche Entsprechung der Form wird noch ver­stärkt, indem die jew­eils let­zten drei Zeilen mit dem gle­ichen Wort begin­nen — also spiegeln:

24 X

In Selb­sterken­nt­nis …

Und schafft …

Des Selb­stsinns …

49 x

In fin­stern …

Und neigt …

Des Innern …

Ich sehe darin einen Hin­weis auf die Wirkung des spiegel­sym­me­tri­eschen X‑Zeichens.

Im Mantra 24 X wech­selt der Fokus nun also vom See­len­sein zum Wel­tengeist — zum Geist, der in der Welt, in allem was ist, wal­tet. So war auch der Wel­tengeist ver­bun­den mit dem See­len­sein, solange es sich selb­st noch nicht gewahr war. Der Geist ist die Ursache und der Grund alles Wer­dens in der Welt. So denke ich mir, dass der Wel­tengeist die Voraus­set­zun­gen bere­it­stellt, damit sich das See­len­sein selb­st erschaf­fen kann. Der Wel­tengeist war also dabei zuge­gen, wenn er auch nicht aktiv han­delte. Nun strebt er fort. Doch er hat durch seine Beobachter­rolle etwas gewon­nen. Er ist “in Selb­sterken­nt­nis neu belebt”. Müsst es nicht eigentlich heißen “durch Selb­sterken­nt­nis neu belebt”? Warum heißt es “in” — abge­se­hen davon, dass dadurch die spiegel­nde Sit­u­a­tion mit dem Mantra 49 x entste­ht? Ist der Wel­tengeist selb­st die Erken­nt­nis? Wenn es “durch Selb­sterken­nt­nis” heißen würde, wäre die Erken­nt­nis etwas vom Wel­tengeist Unter­schiedenes, das auf ihn ein­wirkt, ihn belebt. Mit der For­mulierung “in Selb­sterken­nt­nis” wird dage­gen ein inner­er Zus­tand beschrieben, wie z.B. “in Freude” oder “in Trauer”. Der Wel­tengeist hat Erfahrung gesam­melt während sich das See­len­sein selb­st erschaf­fen hat. Da war der Wel­tengeist enthal­ten im Selb­st-Schöp­fung­sprozess des See­len­seins, wie er in allem Lebendi­gen enthal­ten ist. Deshalb gewin­nt er dadurch auch Selb­sterken­nt­nis — und nicht Erken­nt­nis über das See­len­sein. Und diese Erken­nt­nis wirkt belebend. Sie weckt in ihm sozusagen den Drang, sich etwas Neues für die Welt auszu­denken, neue Spiel­regeln für das Leben.

Im Mantra 49 x wech­selt nun der Sprach­stil in die Beobachter­per­spek­tive, die dritte Per­son. Die Gedanken­klarheit fühlt nicht mehr die Kraft des Wel­ten­seins, das Andere, son­dern begin­nt eine Innen­schau. Sie gedenkt, sie erin­nert sich, an die fin­steren Wel­tennächte und an das Wach­sen ihres eige­nen Geistes. Was sind die fin­steren Wel­tennächte und warum wächst in ihnen der Geist? Pflanzen brauchen Licht zum Wach­sen, der Geist offen­sichtlich die Fin­ster­n­is. Liegt es vielle­icht daran, dass der Geist sel­ber Licht ist? Nach Rudolf Stein­er gehört das Som­mer-Hal­b­jahr zur Wahrnehmung und in diese schläft der Men­sch hinein. Das Win­ter-Hal­b­jahr gehört dementsprechend zum Denken und hier ist der Men­sch wach. Im dun­klen Win­ter-Hal­b­jahr, im dun­klen Innern, im Denken leuchtet der Geist. Und durch Denken wächst er.

In bei­den Mantren spielt zunächst das Sein eine Rolle, dann der Geist. Sprach das Mantra 24 X vom eige­nen See­lensein und dann vom Wel­tengeist, als etwas von sich Getren­ntem, so liegen die Ver­hält­nisse im Mantra 49 x genau umgekehrt. Die Gedanken­klarheit fühlt das von ihr Getren­nte, die Kraft des Wel­tenseins und danach erin­nert sie sich an das eigene, das Wach­sen ihres Geistes.

Nun fol­gt in bei­den Mantren das let­zte Zeilen­paar, das jew­eils mit “und” anschließt. Im Mantra 24 X schafft der Wel­tengeist nun aus See­len­fin­ster­n­is die Wil­lens­frucht des Selb­stsinns. Das sich selb­st Gewahrw­er­den des See­len­seins zu Beginn des Mantras find­et sozusagen in See­len­helle statt. Die gegen­teilige seel­is­che Sit­u­a­tion ist die See­len­fin­ster­n­is. Hier, aus der Fin­ster­n­is, aus dem Mate­r­i­al der Dunkel­heit schafft der Wel­tengeist die Wil­lens­frucht des Selb­stsinns. Der Wel­tengeist erschafft eine Frucht. Diese Frucht entste­ht aus dem Willen, wie der Apfel aus dem Apfel­baum. Und diese spezielle Frucht des Wil­lens ist der Sinn, ein Selb­st zu sein. Der Wel­tengeist erschafft die Begrün­dung, warum es sin­nvoll ist, dass der Men­sch ein Selb­st ist, dass er der Welt gegenübertreten kann.

Im Mantra 49 x wech­selt die Aus­rich­tung der Gedanken­klarheit von der Ver­gan­gen­heit in die Zukun­ft — vom Gedenken zum Hof­fen. Nun wird deut­lich, dass es im Innern wirk­lich ein Licht gibt. Die Gedanken­klarheit neigt vor dem nahen­den Wel­tentag ihre Hoff­nungsstrahlen. Sie neigt ihr Licht des eige­nen Innern demütig vor dem größeren Licht des Weltentages.

Die vielfachen Entsprechun­gen der Mantren regen dazu an, sie in Gestalt eines großen X aufzuschreiben. Dabei stellt sich her­aus, dass ihre jew­eils drei Zeilen­paare den drei See­len­fähigkeit­en zuge­hörig sind.

Die Mantren 24 X und 49 x bilden ein großes X

Stern­bere­ich der Seele: Die bei­den ersten Zeilen haben mit Selb­sterken­nt­nis (24 X) und Gedanken­klarheit (49 x) zu tun. Sie spie­len sich im hellen See­len­bere­ich, im Denkbere­ich ab, der zu Selb­sterken­nt­nis fähig ist. Das Mantra 49 x begin­nt mit der Außenori­en­tierung, dem Fühlen des Wel­ten­seins und begin­nt deshalb im Wahrnehmungs-Hal­b­jahr. Das Mantra 24 X spricht vom See­len­sein, das eine Innenori­en­tierung voraus­set­zt, weshalb es im Win­ter-Hal­b­jahr beginnt.

Son­nen­bere­ich der Seele: Der Wel­tengeist strebt fort (24 X), wie das füh­lende Gewahr­sein, das Licht des Bewusst­seins sich ver­strömt — vor allem in die Wahrnehmung. Die Gedanken­klarheit (49 x) erin­nert sich an das Wach­sen des eige­nen Geistes (des eige­nen Licht­es) in der Fin­ster­n­is der Wel­tennächte — im Innern.

Mond­bere­ich der Seele: Der Wel­tengeist (24 X) schafft die Wil­lens­frucht des Selb­stsinns aus See­len­fin­ster­n­is. Erst seit Chris­tus macht es Sinn, ein Selb­st zu sein, deshalb ste­hen diese Zeilen in der nachöster­lichen Zeit der Oster­scholle. Die Gedanken­klarheit (49 x) neigt die Hoff­nungsstrahlen des eige­nen Inneren vor dem nahen­den Wel­tentag. Diese Zeilen gehören zur Vorosterzeit, denn hier geht es auf das Som­mer-Hal­b­jahr, auf den Wel­tentag zu.

Bei­de Mantren zusam­men lassen eine “große” Seele sicht­bar wer­den, die ihr eigenes Licht neigt und gle­ichzeit­ig echt­en Sinn darin find­en kann, ein Selb­st zu sein.

Ergänzung: über die Zahlen 24 und 49 — und die 24 Ältesten

Die Zahlen dieser bei­den Mantren ste­hen in einem geheimnisvollen Ver­hält­nis. Wie oben schon darauf hingewiesen, ist die 24, die Zahl des Mantras 24 X, eine Zahl erhöhter Vol­lkom­men­heit. Sie ist 2 x 12 und 4 x 6 und auch 8 x 3. Die 12, die 8, die 4 und die 2 ver­weisen jew­eils auf den Jahreskreis, dem die vier Jahreszeit­en, die Son­nen­wen­den und Equinox­ien, d.h. die bei­den Jahreshälften eingeschrieben sind. Die 8 kommt zus­tande, weil die Jahreszeit­en auf zweifache Weise mit den obi­gen vier Son­nen-Mark­ern ver­bun­den wer­den kön­nen: ein­mal als deren Höhep­unk­te, ein­mal als Wech­sel der Jahreszeit. Die 3 und die 6 ver­weisen dage­gen auf den Zusam­men­hang von Sonne und See­len­raum, denn die Seele ist drei­gliedrig. Im Zusam­men­hang mit der Sonne spricht Rudolf Stein­er von sechs Sonnenelo­him, die mit der Sonne ver­bun­den blieben. Der siebte ist Jhave, der den Mond als Wohn­platz erwählte und die sechs Sonnenelo­him spiegelt.

Die Zahl des Mantras 49 x ist nun 7 x 7 und damit die “Vol­lkom­men­heit” der 7. Die 7 ist die Zahl der Wochen­t­age und aller zeitlichen Zyklen, wie z.B. auch die von Rudolf Stein­er angegebe­nen 7 Erdinkarnationen.

Rudolf Stein­er stellt die 24 Ältesten nun in Zusam­men­hang mit der Vol­len­dung dieser Zyklen:

„Was für uns nun vor allen Din­gen wichtig ist, das ist, daß der Men­sch eigentlich erst im heuti­gen Sinne Men­sch wird in der Mitte der Erde­nen­twick­elung. Auch in unser­er Erde­nen­twick­elung müssen wir sieben Zustände unter­schei­den. Wir ste­hen im vierten. Drei sind vor­ange­gan­gen, drei wer­den fol­gen. Der vierte Haup­tkreis­lauf war der­jenige, in welchem unser heutiges Men­schengeschlecht Men­sch wer­den sollte. So wie nun in allen diesen Kreis­läufen auf dem Sat­urn, auf der Sonne und auf dem Mond gewisse Wesen­heit­en die Men­schheitsstufe erre­icht­en — auf dem Sat­urn die Asur­as oder Urkräfte, auf der Sonne die Erzen­gel, auf dem Monde die Engel —, so waren auch immer Wesen­heit­en zurück­ge­blieben. Und so gab es auch Wesen­heit­en, die nicht mehr auf dem Mond die Men­schen­stufe erre­ichen kon­nten, zurück­ge­bliebene Engel etwa, die erst jet­zt auf dem Erden­plan­eten in den ersten drei Erden­zeiträu­men ihre Men­schheitsstufe nach­holen kon­nten. Der Men­sch kam in der vierten Stufe daran. Vor dem Men­schen haben noch drei andere Wesen­heit­en auf der Erde die Men­schheitsstufe durchgemacht. Und die vierte der Wesen­heit­en, die auf der Erde die Men­schheitsstufe durch­machen, ist der Men­sch sel­ber. In dem Augen­blick der kos­mis­chen Entwick­lung, als der Men­sch sich eben anschickt, Men­sch zu wer­den, da haben Sie also alle die Wesen­heit­en, die durch Sat­urn, Sonne, Mond und Erde bis zum Men­schen hin die Men­schheitsstufe haben durch­machen kön­nen, als mehr oder weniger über den Men­schen hin­aus­geschrit­tene Wesen­heit­en. Aber alle sind so, daß sie zurück­blick­en kön­nen, sich erin­nern kön­nen an die Stufe, auf der sie selb­st die Men­schheitsstufe durchgemacht haben. Sie kon­nten hin­un­ter­schauen auf den wer­den­den Men­schen und sich sagen: Der wird jet­zt etwas, was wir schon gewe­sen sind, wofür wir Ver­ständ­nis haben, wenn wir es auch unter anderen Umstän­den gewe­sen sind. — Sie kon­nten deshalb seine Entwick­lung leit­en und regeln vom geisti­gen Wel­tenraum aus.

Zählen wir zusam­men, wie viele solch­er Wesen­heit­en es sind, die auf die Men­schen­stufe zurück­blick­en kön­nen, die Ver­ständ­nis haben kön­nen für den wer­den­den Men­schen: sieben von der Sat­ur­nen­twick­elung plus sieben von der Son­nen- plus sieben von der Mon­den­stufe plus drei von der Erde­nen­twick­elung, das sind vierundzwanzig Wesen­heit­en. Vierundzwanzig «Men­schen» blick­en herunter auf den heuti­gen Men­schen. Es sind die Wesen­heit­en, welche wir aus guten Grün­den die Reg­u­la­toren der Entwick­lung genan­nt haben, die Reg­u­la­toren der Zeit. Zeit hängt mit Entwick­elung zusam­men. Es sind die vierundzwanzig Ältesten, die uns in der Apoka­lypse des Johannes begeg­nen.“ (Lit.: GA 104, S. 115f)

Die 24 Ältesten repräsen­tieren jene Wesen­heit­en, die dem Men­schen in der Ich-Entwick­lung, der “Men­schheitsstufe” vor­ange­gan­gen sind. In den voraus­ge­gan­genen Erdinkar­na­tio­nen macht jew­eils eine andere Engel-Hier­ar­chie ihre Ich-Entwick­lung durch. Auf dem alten Sat­urn waren es die Archai, auch Ure­n­gel oder Geis­ter der Per­sön­lichkeit genan­nt; auf der alten Sonne die heuti­gen Erzen­gel und auf dem alten Mond die jet­zi­gen Engel. Jede dieser Erdinkar­na­tio­nen durch­läuft dabei sieben Run­den bzw. Leben­szustände. Auf jed­er dieser Run­den durch­leben Wesen ihre Ich-Entwick­lung und gehen uns in der Men­schw­er­dung voran — manche schneller oder früher, andere später bzw. langsamer. Die Erde und wir mit ihr ste­hen gegen­wär­tig in der vierten, der min­er­alis­chen Runde. Ins­ge­samt sind uns in der Ich-Entwick­lung voraus­ge­gan­gen 7 + 7 + 7 + 3 = 24 Grup­pen von Engel­we­sen­heit­en. Jede dieser Grup­pen, die diese Entwick­lung abschließen kon­nten, ist repräsen­tiert durch einen Ältesten. Der Men­sch sel­ber wird die 25. Gruppe bilden.